Erfolgreiche Flüchtlingsarbeit mit viel Engagement

Linus Roggenkamp und Uwe Büchner leiten den STAFF-Kurs an der VHS Quickborn.
Linus Roggenkamp und Uwe Büchner leiten den STAFF-Kurs an der VHS Quickborn.

Von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt leisten Quickborner wertvolle Arbeit, um den hier lebenden Flüchtlingen das Einleben zu erleichtern. Zwei davon sind Uwe Büchner und Linus Roggenkamp, die bei der VHS Quickborn den STAFF-Integrationskurs leiten.

 

Im März 2016 verkündete das schleswig-holsteinische Innenministerium, dass das bereits 2013 ins Leben gerufene "Starterpaket für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein" (STAFF.SH) in die 5. Runde gehe: Für Kurse für Sprache und Erstorientierung für Flüchtlinge erhielt der Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holstein vom Innenministerium einen Betrag in Höhe von 1.097.662 Euro. Das Programm soll den Flüchtlingen helfen, so rasch wie möglich in der Gesellschaft anzukommen und sich hier zu Hause zu fühlen. STAFF.SH sei ein wichtiger Bestandteil der Willkommenskultur in Schleswig-Holstein, erklärte Innenminister Stefan Studt.

 

Auch die VHS Quickborn beteiligte sich an diesem Programm und richtete einen STAFF-Kurs ein, der sich über zehn Wochen mit jeweils drei Unterrichtseinheiten in der Woche erstreckt. VHS-Leiterin Anette Ehrenstein: „Wir wollen damit Flüchtlingen vor allem die sprachliche Kommunikationskompetenz sowie praktische Orientierung im Lebensumfeld vermitteln."

 

Betreuung mit Kompetenz und Empathie

Als Leiter des Kurses konnte sie zwei Mitarbeiter gewinnen, deren Engagement für Flüchtlinge und deren empathischen Umgang sie schon bei anderen Projekten zu schätzen gelernt hatte. Der Betriebswirt Uwe Büchner hatte sich zuvor schon freiwillig beim Flüchtlingscafe engagiert. Und Linus Roggenkamp nutzt die Zeit bis zum Beginn seines Studiums, um sich der praktischen Sozialarbeit zu widmen.

 

Begonnen hat der Kurs von acht Wochen mit einem klassischen Quickborner Frühstück für die damals 21 Teilnehmer, die aus Syrien, dem Iran, dem Irak, Eritrea und Afghanistan kommen. Inzwischen sind nur noch 17 dabei, weil vier Flüchtlinge zu verpfichtenden Integrationskursen gewechselt sind. Auch einige Frauen sind vertreten, eine bringt sogar mangels anderer Unterbringungsmöglichkeiten ihr kleines Kind mit.

 

Die Sprachvermittlung steht nicht im Vordergrund, aber alle Teilnehmer müssen „alphabetisiert" sein, d.h. sie müssen die deutschen/lateinischen Schriftzeichen kennen. Büchner: „In unserer Gruppe sind einige, die mehrere Sprachen sprechen, so dass die Verständigung recht gut funktioniert. Die meisten können sich inzwischen auch in Deutsch ausdrücken."

 

Das Miteinander fördern

VHS-Leiterin Ehrenstein:„Uns geht es darum, die Teilnehmer mit ihrer Umgebung vertraut zu machen. So vermitteln wir nicht nur Basiswissen über unsere demokratische Lebensweise und Rechtskunde, sondern es geht auch darum, ganz praktisch das unmittelbare Umfeld kennen zu lernen. Beispielsweise hat die Gruppe einen Stadtrundgang unternommen, einen Hühnerhof in Quickborn besucht, eine Fahrt mit der Himmelmoorbahn gemacht und mit dem Fahrrad günstige Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung erkundet."

 

Als wir den Kurs besuchten, erklärte Büchner den Teilnehmern gerade anhand von illustrierten Charts mit deutscher und arabischer Beschriftung das richtige Verhalten in Alltagssituationen. So solle man z.B. am Geldautomaten oder Schaltern einen Mindestabstand zum Vordermann einhalten. Und in öffentlichen Verkehrsmitteln solle man nicht durch lautstarkes Gerede unangenehm auffallen. (Ob diese Regel allerdings angesichts manch lauter Handy-Gespräche deutscher Fahrgäste noch glaubhaft vermittelt werden kann, darf bezweifelt werden.) In fröhlicher Runde tauschten sich Dozenten und Teilnehmer über Unterschiede in den einzelnen Ländern aus.

 

„Durch die Ansiedlung des Kurses hier in unseren VHS-Räumen treffen die Teilnehmer in den Pausen auch auf andere VHS-Teilnehmer", stellt Ehrenstein einen entscheidenden Pluspunkt heraus. „Dadurch lernt man sich auf einer ganz persönlichen Ebene kennen, trifft sich später an der Kasse des Supermarktes und kennt sich. Dieses Miteinander zu fördern und den Flüchtlingen auch den Weg zu einem selbständigeren Handeln zu öffnen, ist ein ganz wesentliches Ziel unserer Kurse!"

 

Für einen weiteren Kurs können Flüchtlinge noch am 24.5.2016 angemeldet werden. (Siehe unseren Bericht.) Weil er noch bis zm Ende der Förderperiode am 30.6. abgeschlossen sein muss, werden die vorgeschriebenen 100 Unterichtseinheiten in kompakter Form innerhalb von 5 Wochen mit je 4 Unterrichtstagen absolviert. „Wie es danach weitergeht, wissen wir noch nicht", erklärt Ehrenstein bedauernd. „Wir halten diese Kurse für eine wirklich wirksame Integrationsmaßnahme! Und wenn wie hier in Quickborn auch noch besonders engagierte Kursleiter zur Verfügung stehen, ist das optimal, um das Miteinander zu fördern."


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