Bürgermeister: Quickborn lehnt Ansiedlungsprojekt in Ellerau geschlossen ab - Auch SPD nimmt Stellung

Bürgermeister Thomas Beckmann machte sich ein Bild von der geplanten Ansiedlung auf der anderen Seite der Gleise und der Verkehrssituation (Foto: Stadt Quickborn)
Bürgermeister Thomas Beckmann machte sich ein Bild von der geplanten Ansiedlung auf der anderen Seite der Gleise und der Verkehrssituation (Foto: Stadt Quickborn)

18.10.2023 | Auf dem ehemaligen Devalit-Gelände am AKN-Bahnhof Tanneck im Industriegebiet der Gemeinde Ellerau soll bis Ende 2025 ein zehn Hektar großes Logistikzentrum der US-Firma Hillwood entstehen. Es drohen bis zu 1.600 LKW-Fahrten pro Tag – und ein Verkehrskollaps von der Bahnstraße bis hin zur Autobahnauffahrt. Anwohnerinnen und Anwohner sowohl aus Quickborn als auch aus der Gemeinde Ellerau befürchten massive Staus, Lärmbelästigungen und Sicherheitsrisiken für Schulkinder und Radfahrende. Die Stadt Quickborn rechnet zudem mit zusätzlichen Kosten in Millionenhöhe für die Instandhaltung der von der Gemeinde Ellerau für den Lastkraftverkehr vorgesehenen Straßen, die für eine derartige Belastung nicht ausgelegt sind, wie aus einer jetzt von der Verwaltung herausgegebenen Presseinformatin hervorgeht.

 

„Wir werden mit aller Macht versuchen, dieses Projekt zu verhindern“, erklärt Quickborns Bürgermeister Thomas Beckmann. „Wir haben bereits Widerspruch gegen die erteilte Baugenehmigung eingelegt und werden den Klageweg beschreiten, wenn die zuständige Kreisverwaltung in Segeberg nicht endlich zur Vernunft kommt. Das Mandat, die nachbarschaftlichen Interessen der Stadt Quickborn gegen diese Baugenehmigung zu vertreten, wurde mir bereits durch den Hauptausschuss erteilt.“

 

Aktuell ist geplant, dass der Hillwood-Verkehr durch Wohngebiete und über die Bahnstraße zur Autobahn abfließt, über Straßen, die hierfür nicht vorgesehen sind und die geplante Mehrbelastung sowohl aus verkehrlicher als auch aus baulicher Sicht nicht annähernd verkraften können.

 

Bürgermeister Beckmann weiter: „Trotzdem wurden wir am Baugenehmigungsverfahren nicht beteiligt, zu keinem Zeitpunkt. Wir können nicht zulassen, dass Anwohnerinnen und Anwohner auf dem Weg zu ihren Grundstücken täglich im Stau stehen und durch den Verkehr, den Lärm und die Feinstaubbelastung gefährdet werden. Dieses Projekt geht ausschließlich auf Kosten der Ellerauer und Quickborner Bürgerinnen und Bürger.“

 

Quickborner Fraktionen wollen Projekt verhindern

Auch die Fraktionen der Quickborner Ratsversammlung lehnen das Großprojekt ab und gehen geschlossen dagegen vor, um Anwohnerinnen und Anwohner in Ellerau und Quickborn vor den Auswirkungen einer Hillwood-Ansiedlung zu schützen.

 

„Wir sind sehr verärgert und werden mit sämtlichen uns zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, die geplante Ansiedlung zu verhindern“, erklärt die CDU-Fraktionsvorsitzende Annegret Tegen. „Wir sagen Nein zu diesem Projekt und stehen auf der Seite der Anwohnerinnen und Anwohner. Die Belastung der Quickborner und Ellerauer Bürgerinnen und Bürger mit Straßenlärm und Feinstaub ist inakzeptabel.“

 

FDP-Fraktionsvorsitzender Jürgen Scharley: „Wir positionieren uns von Anfang an klar gegen das Ellerauer Mega-Projekt, welches ein Verkehrschaos und Einbußen in Sachen Verkehrssicherheit – insbesondere auf den Schulwegen im Bereich Bahnübergang Ellerau – zur Folge hat. Für die Stadt Quickborn, die mit ihrer Infrastruktur für das Projekt herhalten muss, ergeben sich keinerlei ökonomische Vorteile.“

 

Dirk Rust, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD: „Auch wir sind gegen dieses Vorhaben in dieser Form und unterstützen den Widerspruch gegen die Baugenehmigung auf ganzer Linie. Wir fragen uns natürlich, wie eine solche Baugenehmigung überhaupt zustande kommen konnte – ohne Beteiligung der Stadt Quickborn und ohne ein vernünftiges Verkehrsgutachten. Wenn Ellerau dieses Projekt will, müssen sie jetzt Alternativen vorlegen, wie der Verkehr über ihr eigenes Gemeindegebiet abfließen kann.“

 

Dirk Salewsky, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen: „Die Auswirkungen einer Hillwood-Ansiedlung auf Menschen und Natur sind nicht hinnehmbar. Die Strecke ist Schulweg und die Fahrbahn wird von Radfahrerinnen und Radfahrern genutzt. Anwohnerinnen und Anwohner in Ellerau und Quickborn würden in erheblichem Ausmaß durch Lärm und Feinstaubemissionen belastet. Wir sind besorgt und fragen uns, ob Bürgermeister Martens in dieser Angelegenheit noch im Interesse seiner Bürgerinnen und Bürger handelt.“

 

Quickborns Bürgervorsteherin und Landtagsabgeordnete Annabell Krämer (FDP) hat bereits drei „Kleine Anfragen“ an die Landesregierung gestellt, die dazu geführt haben, dass sich jetzt das Landesverkehrsministerium eingeschaltet hat. Krämer: „Wenn die Ansiedlung kommt, gibt es nur Verlierer, sowohl auf Quickborner als auch auf Ellerauer Seite. Selten waren sich Bürgerinnen, Bürger und Politik so einig wie in dieser Angelegenheit. Die Quickborner Ratsversammlung steht zusammen, um die Interessen der Quickborner und Ellerauer Bürgerinnen und Bürger zu schützen.“

 

 

SPD: Führt Elleraus Megaprojekt zum Verkehrsinfarkt in Quickborn?

 

Nachdem FDP und CDU bereits mit eigenen Presseinformationen zu dem Projekt Stellung genommen hatten (wir berichteten), hat heute auch die SPD eine Meldung veröffentlicht, die wir nachfolgend im Wortlaut wiedergeben.

 

Die Baugenehmigung durch den Kreis Segeberg liegt wohl ohne größere Auflagen auf dem Tisch. Der amerikanische Investor Hillwood plant an der Bahnstraße (Werner- von-Siemens-Str., Ellerauer Industriegebiet) 400 Meter lange Industriehallen. Mit täglich zusätzlichen 500 bis 800 LKW Fahrten auf der Bahnstrasse sind zu rechnen. Eine große Belastung der Quickborner und Ellerauer Bürger durch den erhöhten Straßenlärm ist zu befürchten – ein Verkehrsinfakt von und zur Autobahn steht im Raum.

Und keiner will von den Konsequenzen für Quickborn gewusst haben?

 

Die FDP und CDU in Quickborn sind entrüstet... (siehe Pressemitteilungen im Oktober). - Grundsätzlich könnte man aber wohl schlecht gegen die Nutzung einer großen, brachliegenden Gewerbefläche sein. Immerhin würde man in Quickborn ja auch jede Möglichkeit nutzen, um neue Arbeitsplätze und Gewerbesteuern zu generieren.

 

In diesem Fall sehen wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Vorteile für Quickborn und unterstützen DIESES Projekt in DIESER Form nicht. Den Widerspruch gegen die Baugenehmigung tragen wir deshalb voll mit. Dass manch einer schon die Gerichte bemühen will, halten wir allerdings, zumal ohne politische Beratung, für verfrüht. Zunächst fordern wir weitere Aufklärung darüber, warum die Baugenehmigung denn z.B. ohne Verkehrsgutachten erteilt werden konnte.

 

Fazit: „Wenn Ellerau dieses Projekt will, müssen sie jetzt Alternativen vorlegen, wie der Verkehr über ihr eigenes Gemeindegebiet abfließen kann.“

- Dirk Rust, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD

 

 


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Kommentare: 2
  • #1

    SG (Freitag, 20 Oktober 2023 18:39)

    Sofern der Bau umgesetzt wird, sollte Quickborn die Verbindungen der Bahnstrasse nach Ellerau kappen. Ellerau möge sich eine eigene Erschließung schaffen. Die Bahnstrasse wird dann zur 30 Zone sowie Einbahnstraße ab der Kreuzung Friedrichsgaber Straße. Die gewonnen Fläche kann für einen vernünftiger Fuß und Radweg genutzt werden.

  • #2

    V.K. (Mittwoch, 25 Oktober 2023 07:39)

    @ SG
    Man könnte auch über eine Tonnagebegrenzung hinsichtlich der Bahnstraße nachdenken (max 3.5 to)
    Es müsste dann allerdings --wie auch bei Ihrem Vorschlag auch-- überlegt werden, wie man mit dem auf Quickborner Seite
    gegenüber dem Bhf. Tanneneck ansässigen Tiefbauunternehmen verfahren will, gleiches gilt auch für die Firmen im Ellerauer Gewerbegebiet entlang der Bahnstrecke.
    Die eleganteste Lösung wäre wohl eine neue BAB Anbindung auf Höhe der Strassenbrücke zwischen Ellerau
    und H.-U. einhergehend mit dem Bau einer relativ kurzen Anbindung an das Gewerbegebiet Ellerau.
    Möglicherweise liegen hier auch schon entsprechende Planungen in Schubladen??
    Quickborn würde allerdings in Sachen dringend benötigter Gewerbeansiedlungen mal wieder leer ausgehen.

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