Das kann dann mal weg ....

Das älteste Gebäude Quickborns wird es wohl bald nicht mehr geben, die über 200 Jahre alte Stieleiche soll erhalten bleiben
Das älteste Gebäude Quickborns wird es wohl bald nicht mehr geben, die über 200 Jahre alte Stieleiche soll erhalten bleiben

9.9.2023 | Das war´s dann wohl mit dem vermutlich ältesten Haus Quickborns: Die Inhaber Thomas und Irene Tschechne haben die Reetdach-Kate aus dem Jahre 1788 an das Bauunternehmen Semmelhaack verkauft und zugleich die Klagen gegen das Bauprojekt in der benachbarten Marktstraße 3 zurückgezogen. Bürgermeister Thomas Beckmann:„Damit ist der Weg frei für den seit langem geplanten Bau der Polizeiwache in der Quickborner Innenstadt."

 

Beckmann zeigte sich sichtlich erfreut, als er im Auschuss für Stadtplanung und Umwelt (ASU) die Politik über die neueste Entwicklung infomierte. „In den vergangenen Monaten habe ich intensive und konstuktive Gspräch mit allen Beteiligten geführt, ein Marathon mit vielen Hürden, die wir gemeinsam überwunden haben. Ich bin überglücklich, dass ein Konsens gefunden wurde. Einem Baubeginn des seit Jahren geplanten Komplexes noch in diesem Jahr steht jetzt nichts mehr Wege. Mit der Rückkehr der Polizeiwache in die Innenstadt geht ein langgehegter Wunsch vieler Quickbornerinnen und Quickborner endlich in Erfüllung!"

 

Fronten waren verhärtet

Nachdem Semmelhack und die Stadtwerke Quickborn die Gehmigung erhalten hatten, auf dem Grundstück direkt an der Kreuzung Kieler Straße/Marktstraße zwei Mehrfamilienhäuser mit der integrierten Polizeiwache zu errichten, hatte die Familie Tschechne  den Bau durch Klagen gegen den B-Plan und die Baugenehmigungen zunächst gestoppt. Nach einem Bericht der Pinneberger Zeitung habe der damalige Bürgermeister Thomas Köppl den Inhabern vor zwei Jahren ein Kaufangebot für die Kate unterbreitet, das aber als „erniedrigend" empfunden worden war.

 

Die Inhaber hatten u.a. die Höhe der geplanten Gebäude beklagt, dem durch Umplanungen der Geschosse teilweise Rechnung getragen wurden. Ein wichtiges Thema war stets der Erhalt der über 200 Jahre alten Stieleiche auf dem Grundstück, deren Wurzelwerk die Tschechnes durch die geplante Tiefgaragenzufahrt gefährdet sahen. Auch hier hatte es seitens der Bauherren nach entsprechenden Gutachten Kompomiss-Angebote gegeben, insbesondere die Stadtwerke hatten angeboten, den Bestand des mächtigen Baumes zu sichern.

 

Doch die Familie Tscechne blieb bei den Klagen. Dies hätte den Baubeginn nach Aussagen Beckmanns um bis zu fünf Jahre verzögern können.

 

Die Eiche soll bleiben

Jetzt also die überraschende Einigung. Semmelhack hat der Familie Tschechne das 800 Quadratmeter große Grundstück abgekauft, der Vertrag wurde bereits notariell beurkundet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Nach Aussagen Beckmanns müssen die bisherigen Inhaber aber wohl nicht in ein Reihenhaus ziehen. Dem Vernehmen  nach sollen sie sich auf der Suche nach einem Resthof im Norden befinden. Für den Auszug haben sie ein Jahr Zeit.

 

Nach der offiziellen Mitteilung der Stadt zu der Einigung beginnt Semmelhack mit der Überplanung des Grundstücks mit einem Gebäude, welches sich an die geplante Bebauung auf dem Nachbargrundstück anpasst. Die Kate selbst steht wegen zahlreicher Umbauten nicht unter Denkmalschutz. Ziel der Überplanung sei es aber, die Stieleiche zu erhalten. Ein Fachunternehmen für Baumschutz werde die Planung begleiten.

 

Der Neubau

Jetzt kann es also zunächst einmal mit dem lange geplanten Neubau losgehen. Auf dem Gelände wird die Fa. Semmelhack in einem dreistöckigen Gebäudekomplex plus Staffelgeschoss 55 Wohnungen errichten, darunter 20 öffentlich geförderte. Diese würden etwa 6,50 Euro Kaltmiete kosten, die freifinanzierten um die 13,50 Euro je Quadratmeter im Monat. Das Investionsvolumen liegt bei 18,5 Millionen Euro.

 

Integriert wird die 600 Quadratmeter große Polizeiwache für 20 Polizeibeamte mit einem geschützten Innenhof und Parkplätzen. „Der Vertrag mit dem Land Schleswig-Holstein besteht schon seit langem", erläuterte Projektleiter Arne Parchent von der Fa. Semmelhack und er verwies darauf, dass sein Unternehmen an mehreren Stellen im Lande in den eigenen Gebäuden Polizeiwachen beherberge. Man sei also mit den besonderen Anforderungen für solche Einrichtungen vertraut. Außerdem wird es eine 100 Quadratmeter große Bürofläche geben.

 

Auf einem Abschnitt des Geländes, das einmal komplett den Stadtwerken gehörte, werden diese durch Semmelhack 14 Wohnungen mit Größen zwischen 40 und 50 Quadratmeter errichten lassen, die vorrangig den eigenen Mitarbeitern zu Miete angeboten werden sollen. Hier werden rund 3,5 Millionen Euro investiert.

 

Nachhaltige Energieversorgung

Alle Gebäude werden an das Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen, das von dem vorhandenen  Blockheizkraftwerk gespeist wird, das mit Biomethan betrieben wird, kündigt Clemens Brinkmann, der Technische Leiter der Quickborner Stadtwerke, an.

 

 

Bürgermeister Beckmann ist deshalb nicht nur froh, dass man sich noch in diesem Jahr zum ersten Spatenstich treffen werde. Wenn der Gebäudekomplex Ende 2024 fertiggestellt  sein werde, werde eine Baulücke in der Quickborner Innenstadt mit einer sinnvollen verdichteten Bebauung geschlossen werden. Die neuen Bewohner könnten den ÖPNV gut erreichen und dank des Anschlusses an das Fernwärmenetz der Stadtwerke würde auch den Anforderungen an eine klimafreundliche Wärmeversorgung Rechnung getragen. „Also ein vorbildliches Projekt, auf das wir alle stolz sein dürfen", so der Bürgermeister.

Freuen sich, dass es schon im nächsten Jahr an der Kreuzung Kieler Straße(Markstraße so aussehen wird: Clemens Brinkmann (Stadtwerke Quickborn), Stadtplaner Felix Thermann, Bürgermeister Thomas Beckmann und Arne Parchent (Fa. Semmelhack)


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Kommentare: 5
  • #1

    Lisbeth Larsen (Montag, 11 September 2023 13:04)

    TOUCHE Herr Bürgermeister,
    dieses Ergebnis weckt Hoffnungen darauf, dass auch bei weiteren von Köppl hinterlassenen, strittigen Bauleitplanungs-
    Thematiken Lösungen M I T und nicht gegen betroffenen Eigentümer gefunden werden.
    Umso mehr als das jetzt der Grundeigentümer, das Ehepaar Tschechne, Nutznießer der nach dem Vernehmen nach von Theodor Semmelhaak selbst !! geführten Nachverhandlungen geworden ist, und eben nicht möglicherweise sonst noch involvierte Personen.
    Viel Glück Ihnen für ein neues Leben außerhalb Quickborns. Ihr Mut und Ihr Insiderwissen werden hier fehlen.



  • #2

    Bürger 2 (Montag, 11 September 2023 16:59)

    Alles gut. Allerdings ist es wohl ein Unterschied, ob die Stadt kauft, oder der private Investor. Nehme an, hätte die Stadt gekauft und nicht Semmelhaack , so wäre der Zorn der Quickborner recht deftig gewesen, denn dabei hätte es sich schließlich um Steuergelder gehandelt. Und selbst wenn die Stadt kauft, so kann der Bürgermeister das gar nicht selbst entscheiden. Da liegen Sie leider falsch, Frau Larsen. Und letztlich ging es dem Eigentümer der Kate offensichtlich nur ums Geld, aber das mag jeder für sich selbst beurteilen.

  • #3

    Lisbeth Lassen (Montag, 11 September 2023 22:07)

    @Bürger 2: Sie haben leider den Sinn des Postings nicht verstanden.
    Was gut für den Grundeigentümer ist auch gut für die Stadt. Diese Einsicht hat der aktuelle BM dem Alten voraus.
    Ihrer Ansicht nach hätten Privatpersonen wie die Eheleute Tschechne also finanziell zurückstecken müssen/sollen.
    Der Kardinalfehler von Anfang an des Verfahrens war deren Grundstück nicht mit in den B-Plan einzubinden, denn auf dem westlich gelegenen "Erlhoff"-Gelände soll der Investor doch die 4-geschossigen Personalwohnungen für die Stadtwerke erstellen.
    U N D : Was wäre gewesen wenn das Haus der Tschechnes unter Denkmalschutz gestellt worden wäre nachdem diese sich gegen einen Verkauf entschieden hätten?
    Dann wäre das Motto "AUS die MAUS" gewesen, der Investor hätte seine Pläne schreddern können, Quickborn hätte eine Baubrache mehr, die Stadtwerke würden als Kompensation für das zur Verfügung gestellte Grundstück keine Werkswohnungen gebaut bekommen und die Polizeistation wäre weiterhin "in the nothing of nowhere"
    ERGO: Eine klassische WIN-WIN Situation. Gut gemacht und hoffentlich weiter so Herr Bürgermeister !!

  • #4

    Bürger 2 (Dienstag, 12 September 2023 08:15)

    Jetzt habe ich den Sinn Ihres Postings verstanden. Es ging nur ums Geld. Und nochmal: Die Stadt hatte ihrerseits ein Angebot gemacht. Es ging also um unsere Steuergelder. Jetzt hat der Investor gekauft, der ganz andere Möglichkeiten hat. Tschechne hätte ja schon letztes Jahr sagen können, wieviel er für sein Eigentum haben will und selbst mit Semmelhaack reden können. Was da für Zeit verbaselt worden ist, geht allein auf das Konto des Eigentümers .

  • #5

    T. Tschechne (Donnerstag, 26 Oktober 2023 16:44)

    Über 2 Jahre lang haben hier versucht, unsere Anlage zu retten und unsere Situation hier nicht weiter zu verschlechtern, leider gab es keinerlei Rückhalt aus der Bevölkerung. Jetzt können wir nicht mehr, die Gegenseite ist einfach zu mächtig. Vor allem es geht nur ums Geld! ich habe über die Jahrzehnte hier die Kate von 1788 zu einem KW60 Haus gemacht, das soll erst mal einer schaffen, vor allem ist sowas überhaupt nicht zu ersetzen und auch nicht zu erwerben.
    Und Quickborn verliert auch, der Denkmalschutz hat übrigens kein Interesse gezeigt, es soll ja überall verdichtet gebaut werden, ebenso die Untere Naturschutbehörde, die unseren angezeigten Baumfrevel nicht interesseiert hat.

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