Gedenken der Toten, Mahnung für die Lebenden

Nach Bürgervorsteher und Bürgermeister als Repräsentanten der Stadt sowie dem Ersten Stadtrat Bernd Weiher und Annegret Teegen für die CDU Quickborn legten Vertreter des Schützenvereins einen Kranz nieder, gefolgt von einer Vertreterin des Sozialverbandes
Nach Bürgervorsteher und Bürgermeister als Repräsentanten der Stadt sowie dem Ersten Stadtrat Bernd Weiher und Annegret Teegen für die CDU Quickborn legten Vertreter des Schützenvereins einen Kranz nieder, gefolgt von einer Vertreterin des Sozialverbandes

14.11.2021| Nachdem im vergangenen Jahr die Feier corona-bedingt in sehr kleinem Rahmen stattfinden musste, konnte Bürgermeister Thomas Köppl gemeinsam mit Bürgervorsteher Henning Meyn in diesem Jahr rund 50 Gäste zur Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages im Gemeindehaus der ev. Kirche begrüßen.

 

Unter den Gästen wurden der Erste Stadtrat Bernd Weiher, die Fraktionsvorsitzende Annegret Tegen und Ratsherr Andreas Torn (alle CDU), die SPD-Fraktionsvorsitzende Astrid Huemke  und der Ortsvorsitzende Thomas Beckmann und Manfred Gerlach (beide FDP) gesichtet.

 

Für die musikalische Begleitung sorgte ein Ensemble der Musikschule mit ihrem Leiter Lorenz Jensen (Trompete), Anna Milewska (Klavier) und  Andreas Hamborg (Violoncello).

 

Rund ein Drittel der Besucher stellte die Klasse Q1d des Elsensee-Gymnasiums, die gemeinsam mit ihrem Lehrer Harald Kocks die Rede zum Volkstrauertag  vorbereitet hatte. Fee Steinbrecher und Youri Clairmont trugen die Gedanken vor, in denen sie auch eine Verbindung zu heutigen Pandemie herstellten. (Der vollständige Text findet sich unten.)

 

Bürgermeister Thomas Köppl verlas die Worte des Gedenkens:

„Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene oder Flüchtlinge ihr Leben verloren.

 

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

 

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

 

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Opfer sinnloser Gewalt.

 

Wir trauern mit den Angehörigen und allen, die Leid tragen um die Toten.

 

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt."

 

Im Anschluss bewegten sich die Besucher zum Gedenkstein für die Toten des 1. und 2. Weltkrieges auf dem Kirchfriedhof. Hier legten Repräsentanten der Stadt, der CDU, des Schützenvereins und des Sozialverbandes Kränze nieder, musikalisch umrahmt vom Posaunenchor der ev. Kirche. Weitere Zeremonien auf dem Nordfriedhof und an dem Denkmal  in Quickborn-Renzel folgten.

 

Bürgermeisterr Thomas Köppl führte durch die Gedenkstunde
Bürgermeisterr Thomas Köppl führte durch die Gedenkstunde
Die Musikschule brachte auch ein Stück eines jüdischen Komponisten zu Gehör, das sie bereits im Rahmen des Konzerts „Gegen das Vergessen" aufgeführt hatte.
Die Musikschule brachte auch ein Stück eines jüdischen Komponisten zu Gehör, das sie bereits im Rahmen des Konzerts „Gegen das Vergessen" aufgeführt hatte.
Fee Steinbrecher und Youri Clairmont trugen die Gedanken ihrer Klasse zum Volkstrauertag  vor.
Fee Steinbrecher und Youri Clairmont trugen die Gedanken ihrer Klasse zum Volkstrauertag vor.

 

Die Rede der Schülerinnen und Schüler

Es ist unglaublich was die Welt vergisst und was nicht, sagte einst die Schriftstellerin Marie von Eschenbach.

 

Deswegen ist es wichtig, dass wir auch in der Pandemie nicht vergessen, was geschah und immer noch geschieht. Durch den Lockdown war nur das individuelle und nicht das gemeinschaftlich Trauern möglich. Was zur Folge hatte, dass der Volkstrauertag und sein Anlass gefühlt in den Hintergrund rückten und Angehörige der Opfer nicht in Gemeinschaft trauern konnten.

 

Wegen der Pandemie konnten auch wir Schüler unterschiedliche Projekte im Rahmen der Erinnerungskultur nicht durchführen und trotzdem ist es uns nach wie vor bewusst, welche Verantwortung auch wir haben, damit sich der schreckliche Teil unserer Geschichte nicht wiederholt.

 

Denn wie das Wort Volkstrauer sagt, geht es um die Trauer eines Volkes, dessen Trauer ihren Ursprung aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg hat. Die Tradition des Volkstrauertag bleibt bis heute bestehen und gedenkt nicht mehr nur den Opfern des Ersten Weltkrieges, sondern allen, die ihr Leben durch Kriege und ähnlichen Grausamkeiten lassen mussten und gedenkt auch den Angehörigen, die einen geliebten Menschen verloren haben.

 

Eltern verloren ihre Töchter und Söhne, Kinder ihre Schwestern, Brüder, ihre Mutter oder ihren Vater aber auch Freunde und Kollegen gingen verloren.

 

Dieser Verlust hinterlässt eine Leere im Miteinander, die mit nichts zu füllen ist und niemals wieder gefüllt werden kann.

 

Nur das gemeinsame Erinnern kann den Menschen Trost bringen.

 

Diese Angelegenheit betrifft nicht nur Deutschland, sondern alle weltweit. Deshalb ist es wichtig, eine Gemeinschaft zu bilden. Wie die Pandemie zeigt, können im Ernstfall Feinde zu Freunden werden. Dies führt zur Vereinigung der Menschen, statt der Trennung durch Kriege.

 

Denn eins haben wir alle gemeinsam. Wir sind menschlich. Das macht uns alle gleich wertvoll und bedeutend. Also lasst und dies niemals vergessen, denn Kriegstreiber haben es längst.

Durch die vielen Einschränkungen der Pandemie, so lästig wie unbestreitbar wichtig sie aber auch sind, ist es dazu gekommen, dass sich Menschen zusammengefunden haben, um gegen die Werte der Allgemeinheit zu demonstrieren, wobei sie jedoch den Anlass des Volkstrauertags ins Lächerliche ziehen, indem sie Angela Merkel mit Adolf Hitler und sich selbst mit den Opfern der Unmenschlichkeiten des Nationalsozialismus vergleichen.

 

Zudem führte die Pandemie auch zu einem bedrohlich scheinenden Rechtsruck in der Gesellschaft, was wieder deutlich macht, wie vorsichtig wir sein müssen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt und wir zeigen können, dass Deutschland aus seiner Geschichte gelernt hat.

 

Und trotz der Geschichte dieses Landes, die uns allen deutlicher denn je bewusst sein sollte und dem Ausleben einer demokratischen Regierungsform, exportiert Deutschland Waffen in andere Länder, um sich dort aktiv an Kriegen zu beteiligen. Könnte man also sagen, dass Deutschland doch nicht aus seinen Fehlern gelernt hat?

 

Genau deshalb muss die Erinnerung an die Opfer der Kriege und auch der Pandemie in Erinnerung bleiben. Wir als Schüler und als Gemeinde sind der Meinung, dass die oberste Priorität nicht nur das Erinnern sein sollte, sondern auch, sowohl das Schaffen eines Bewusstseins, gegenüber dem was passiert ist und was immer noch geschieht, als auch, dem Vergessen keinen Raum zu geben.

 

Denn erst wenn jemand vollkommen in Vergessenheit gerät, ist er wirklich tot.


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