Sporthalle wird nicht den Namen Gert Willners tragen

Bleibt vorerst namenlos: die Sporthalle im Schulzentrum Süd
Bleibt vorerst namenlos: die Sporthalle im Schulzentrum Süd

12.6.2020 | Eine Gert-Willner-Sporthalle wird es wohl in Quickborn nicht geben. In seiner jüngsten Sitzung mochte der Ausschuss für Bildung, Kultur und Freizeit jedenfalls einem Antrag der CDU nicht folgen, die Sporthalle am Schulzentrum Süd nach dem ehemaligen Quickborner Bürgermeister zu benennn. Das Thema wurde vertagt.

 

 Mit der Namensgebung würde Willner ein würdiges Andenken gewährt, meinen die Christdemokraten in ihrem Antrag. Und sie verweisen auf das langjährge Wirken Willners in der Eulenstadt. Willer war von 1974 bis 1992 Bürgermeister in Quickborn. „Bisher wurden Straßen nach den ehemaligen Bürgermeistern der Stadt benannt (Prophetensiedlung). Da sich aber keine geeigneten Straßen finden ließen, schlagen wir nun die Benennung der Sporthalle vor", heißt es in dem Antrag und es werden zahlreiche Verdienste Willners aufgelistet:„Gert Willner hat in seiner Amtszeit den Bau des Schulzentrums Süd maßgeblich begleitet und zum Abschluss gebracht. Darüber hinaus zeichnete er verantwortlich für den Bau der Feuerwache in der Marktstraße. Er begleitete und führte den Bau des Rathauses zum Abschluss. Unter seiner Amtsführung wurde die Infrastruktur in Quickborn-Heide mit der Einfamilienhausausstellung (EFA) maßgeblich geprägt. Er gründete ... zusammen mit Felix Magath und Richard Janssen 1987 das Quickborner Kinderhilfswerke „Kinder in Not". Kurz vor seinem Tod und in seiner Funktion als Bundestagsabgeordneter regte er die Gründung der Stiftung für Senioren und ältere hilfsbedürftige Menschen an."

 

Die SPD erkannte zwar die Verdienste Willners an, mochte aber dem Vorschlag trotzdem nicht folgen. „Sporthallen sollten nach Sportlern benannt werden. Und ein Sportler war Gert Willner nicht“, meinte Daniela Ziri. Ihre Fraktion stelle sich eher einen Ideenwettbewerb unter Beteiligung der Verwaltung und der Schulen vor, um einen Platz oder eine Straße in der Mitte Quickborns für eine Namensgebung zu finden.  Annegret Tegen von der CDU  hielt dem entgegen, dass nur die Lilli-Henoch-Halle am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium nach einer Sportlerin benannt worden sei, und diese habe nicht in Quickborn gelebt.

 

Sowohl Ines Glatthor (FDP) und Pamela Masou (Grüne) ließen erkennen, dass ihre Fraktionen sich auch eher einen Platz im Zentrum Quickborns vorstellen. Nach kurzer Sitzungsunterbrechung und interfraktioneller Beratung wurde das Thema vertagt.

 

Irene Lühdorff, die als Leitein der Geschichtswerkstatt den CDU-Vorschlag inspiriert hatte und die Debatte als Zuschauerin verfolgte, bedauerte, dass vor einigen Jahren eine Chance vertan wurde:„Als die Feldbehnstraße wegen der Schließung des Bahnüberganges im westlichen Teil einen neuen Namen benötigte, hätte man diesen Abschnitt statt „Am Freibad" besser „Gert Willner-Straße" nennen können!"

Gert Willner

Gert Willner wurde am 16. April 1940 in Deutsch-Gabel geboren. Nach einer Verwaltungsausbildung, die er mit dem Grad einen Diplom-Verwaltungswirtes abschloss, war er als Referent bei der schleswig-holsteinischen Landesregierung tätig, bis er 1974 zum Bürgermeister in Quickborn gewählt würde. Dieses Amt hatte er 18  Jahre bis 1992 inne. Auch in seiner folgenden Aufgabe als Geschäftsführer eines Verbandes von Wohnungsbauunternehmen hat er sich der Kommunalpolitik verbunden gefühlt. 

Er war Stellvertretender Vorsitzender des Städtebundes Schleswig-Holstein, Vorsitzender des Rechtsausschusses des Städteverbandes Schleswig-Holstein, im Deutschen Städte- und Gemeindebund Mitglied des Präsidiums und des Hauptausschusses.
eit 1996 Kreisvorsitzender des CDU-Kreisverbandes Pinneberg, seit 1991 Mitglied des Landesvorstandes der CDU Schleswig-Holstein; in der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU Schleswig-Holstein (KPV) seit 1988 Landesvorsitzender und stellvertretender Landesvorsitzender und seit 1997 stellvertretender Bundesvorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU/CSU. 1992 bis 1993 Mitglied der Enquete-Kommission Kommunalverfassungsrecht des Schleswig-Holsteinischen Landtages und einer Expertenkommission für die Kommunalverfassung Mecklenburg-Vorpommern. Mitglied des Bundestages ab 1994; stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Kommunalpolitik der CDU/CSU-Fraktion. Willner starb im jahre 2.000 im Alter von nur 59 Jahren.

Der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse würdigte ihn so:„Alle seine Kollegen, die einen persönlichen Kontakt mit dem Verstorbenen hatten, werden seine menschliche, ruhige und gelassene Art in Erinnerung behalten. Seine vermittelndes Wesen und sein hintergründiger Humor halfen oft, Konfliktezu schlichten oder sie zu entschärfen. In der Interessenvertretung für seinen Wahlkreis und für seine schleswig-holsteinische Heimat zeigte er ein hohes Maß an Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit Die Sorgen und Wünsche der Bürger waren ihm Richtschnur seiner politischen Tätigkeit."

Foto: Deutscher Bundestag

 

Lilly Henoch

Lilly Henoch war eine deutsche Leichtathletin udn Sportlehrerin. Sie wurde 1899 in Königsberg geboren. Henoch war ab 1919 Mitglied der Leichtathletiksparte des Berliner Sport-Clubs (BSC) und wurde zwischen 1922 und 1926 in den Disziplinen Kugelstoßen, Diskuswurf, Weitsprung sowie mit der 4-mal-100-Meter-Staffel des BSC zehnfache Deutsche Meisterin. In dieser Zeit stellte sie auch vier Weltrekorde auf. Daneben zählte sie auch im Hockey und Handball zur Elite. Innerhalb des Sportklubs übte sie bis 1933 auch leitende Funktionen aus. Im Januar 1933 vertraute man ihr die Leitung der Damenabteilung an. Nach der Errichtung der NS-Diktatur wurde die jüdischstämmige Sportlerin im Herbst 1933 aus dem Berliner SC ausgeschlossen. Sie trat dem „Jüdischen Turn- und Sportclub 1905“ bei. Zu dieser Zeit in der Leichtathletik nur noch sporadisch aktiv, formte Lilli Henoch im Jüdischen Turn- und Sportclub 1905 eine Handball-Mannschaft, die zu den besten Deutschlands im jüdischen Sportbereich gehörte. Bereits Anfang der 1930er Jahre hatte Henoch an der Preußischen Hochschule für Leibesübungen ein Studium absolviert, das ihr nach 1933 ermöglichte, eine Tätigkeit als Turnlehrerin an der jüdischen Volksschule Rykestraße in Berlin aufzunehmen.

Trotz mehrerer Angebote im Ausland als Trainerin zu arbeiten, blieb sie bei ihren Schülern und ihrer Mutter.

Mit dem 19. „Judentransport“ am 5. September 1942 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter in das Ghetto von Riga deportiert, welches sie jedoch nicht erreichte. Acht Kilometer vor Riga wurden sämtliche Insassen des Zuges in ein Waldgebiet geführt und erschossen

(Quelle: Wikipedia)


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