Freie Grund- und Gemeinschaftsschule treibt in der Krise Digitalisierung voran

Stefanie Neruda, Leiterin der Freien Grundschule, berichtet über die Digitalisierung an ihrer Schule
Stefanie Neruda, Leiterin der Freien Grundschule, berichtet über die Digitalisierung an ihrer Schule

14.5.2020 | Eltern im Home-Office an der Grenze der Belastbarkeit - Kinder, die ihre Mitschüler vermissen: Home-Schooling und Digitalisierung sind in aller Munde. Wie sich die Freie Grund- und Gemeinschaftsschule Quickborn dieser Herausforderung gestellt hat, darüber hat die Schule jetzt in einem Bericht informiert, den wir im Folgenden wiedergeben.


„Eigentlich sollte es in den Osterferien mit einer Freundin zum Wandern nach Teneriffa
gehen, aber als unsere Schulen vorzeitig geschlossen wurden, war klar: es kommt alles ganz anders“, so Stefanie Neruda, Leiterin der Freien Grundschule. Sie und ihr Kollege von der Freien Gemeinschaftsschule, Torsten Rülicke, sahen sich — wie alle Schulen überall im Land — plötzlich mit der unerwarteten Herausforderung konfrontiert, von einem Tag auf den anderen die Schülerinnen und Schüler nicht mehr in den gewohnten Klassenräumen zu unterrichten, sondern zunächst via E-Mail für knapp zwei Wochen bis zu den Osterferien mit Schulaufgaben zu versorgen.


"Auch jetzt schon konnten wir auf viele Online-Lernplattformen zurückgreifen und reicherten die Wochenpläne mit Erklärvideos, Online-Rätseln und digitalen Unterrichtsmaterialien
an", so Neruda. Die folgende unterrichtsfreie Zeit aber nutzte das Schulleitungsteam, um innerhalb weniger Tage für beide Schulen zwei umfassende Tools für das digitale Lernen einzurichten.


Zunächst musste ein Lern-Management-System („moodle“) aufgebaut werden, um Struktur in die Unterrichtsgestaltung zu bringen und den Eltern die Unterrichtsmaterialien übersichtlich zur Verfügung zu stellen und den SchülerInnen die Möglichkeit zu geben, gelöste Aufgaben auch zur Korrektur zurückzuliefern. Für den Austausch untereinander und den Zusammenhalt des Klassenverbandes wurden dann die Voraussetzungen für das virtuelle Klassenzimmer per Videokonferenz geschaffen.


„Wir ziehen den Hut vor der Bereitschaft des gesamten Kollegiums, sich noch in den Ferien auf diese Herausforderung so schnell und gut eingelassen zu haben. Wir trafen uns mehrmals per Videokonferenz, um uns gemeinsam zu erarbeiten, wie man die Lerninhalte wohl gut sortiert, klar verständlich und mit möglichst vielen Hilfsangeboten unseren SchülerInnen auf moodle bereitstellen kann“, so die beiden Schulleitungen.


Dann, am 17. April, die erste Bewährungsprobe: Ein Online-Video-Elternabend der Freien Grundschule mit mehr als 80 Beteiligten. „Ich war total aufgeregt“, erinnert sich Steffi Neruda. „So etwas hatte ich vorher noch nie gemacht.“ Aber es klappte, und so konnte pünktlich am 20. April der Unterricht in neuer Form beginnen. „Die Kinder und Jugendlichen waren so froh, endlich wieder Schule! Das hört man sonst auch nicht so ohne Weiteres...“, so Rülicke. Die SchülerInnen treffen sich seither tagtäglich für 1 bis 3 Stunden im virtuellen Klassenzimmer.

 

„Wir sind allerdings auch den Eltern unendlich dankbar, dass sie ihren Kindern den Besuch des virtuellen Klassenzimmers ermöglichen, denn ohne deren Unterstützung wäre diese Form des Kontakt-Haltens nicht möglich gewesen. Zurzeit ist Achtsamkeit das Gebot der Stunde, um die richtige Balance zwischen bestmöglicher Unterstützung und Förderung beim Lernen und Vermeiden von Überforderung der Familien zu halten.“, ergänzt Steffi Neruda. „Wobei man sich allerdings auch über die Grenzen des digitalen Lernens, besonders in der Grundschule im Klaren sein sollte: Didaktisch lebt der Unterricht sonst an unserer Schule eher von handlungsorientierten, individuellen Lernangeboten. Wir versuchen, dies auch in der jetzigen Situation bestmöglich umzusetzen, aber noch wichtiger ist, dass wir für unsere SchülerInnen da sind, dass wir ihnen den Kontakt zu ihren MitschülerInnen, zu uns Lehrkräften und zur Schule und dem Lernen an sich ermöglichen.“ Natürlich kommt es dabei mal zu digitalen Systemabstürzen oder fehlenden webcams, aber insgesamt kommen die Kinder und Jugendlichen gut mit dem virtuellen Klassenzimmer zurecht. „Wir haben alle wahnsinnig viel gelernt, und bestimmt werden wir die Möglichkeiten, die uns diese Plattformen bieten, auch in Zukunft nutzen“, so Torsten Rülicke.


In diesen Tagen kommen nun nach und nach die ersten Kinder und Jugendliche wieder in die Schulen. „So schön der Kontakt über den Bildschirm ist, aber das gemeinsame Lachen, die persönlichen Treffen -  natürlich jetzt mit Distanz - haben wir am meisten vermisst.“ Bis zu den Sommerferien wird es nun sowohl Unterricht in den Schulen als auch online geben.


Die nächste Herausforderung wird die Einschulung der Erstklässler und Fünftklässler
sein. „Vielleicht wird nicht jeder Angehörige, der daran teilnehmen möchte, auch persönlich dabei sein können. Aber dann laden wir eben alle über eine Videokonferenz dazu ein, wir wissen jetzt ja, wie es geht.“


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