Trägerverein Henri-Goldstein-Haus erinnert mit Dotschy Reinhardt an 9. November

Thomas Dänecke, Chef der Senioren-Union lädt zur neuen Veranstaltung ein

12.10.2019 | Wie in den vergangenen Jahren hat der Träger- und Förderverein Henri-Goldstein-Haus zum 9. November, dem wichtigen Datum in der deutschen Geschichte, einen besonderen Abend vorbereitet: In diesem Jahr ist die Jazz-Sängerin Dotschy Reinhardt mit ihrem Ensemble in Quickborn zu Gast.

 

Jens-Olaf Nuckel, Vorsitzender des Fördervereins: „Wir wollen, dass der 9. November mit all seinen Ereignissen in den Köpfen der Menschen bleibt, dass sie sich alle nicht nur an den Mauerfall vor 30 Jahren, sondern auch an das Grauen, welches am 9. November 1938 ausgelöst wurde, erinnern.
An diesem Abend begann die Verfolgung und Tötung von vielen Juden, ausgelöst von Nazis, durchgeführt von Nazis und vielen “unschuldigen“ Bürgern.


Es waren aber nicht nur die Juden, die verfolgt, in Konzentrationslager gesteckt und getötet, wurden, sondern viele weitere Gruppen, so auch die Sinti und Roma. Speziell an diese wollen wir erinnern und freuen uns sehr, dasz wir für unseren Konzertabend Dotschy Reinhardt und Ensemble engagieren konnten."


Jazz-Sängerin mit Sinti-Wurzeln: Dotschy Reinhardt
Sie ist Musikerin – und eine deutsche Sinteza. Jazz, Swing, Bossa Nova und Pop kombiniert sie mit Elementen klassischer Sinti-Musik. Das Ergebnis: Gipsy Jazz. Damit schafft die 34-Jährige einen Balanceakt zwischen Tradition und Innovation.


„Ich habe meinen Musikstil nie gesucht“, sagt sie. Sie hat ihn unterwegs einfach gefunden. Zum Beispiel beim Üben mit Profimusikern aus der Verwandtschaft, die Dotschy Reinhardt schon als Kind beim Singen auf der Gitarre begleiteten. Oder mit Hilfe der gut sortierten Plattensammlung der Eltern: „So habe ich schon früh amerikanischen und brasilianischen Jazz kennengelernt – und natürlich Frank Sinatra, der bis heute mein Lieblingssänger geblieben ist.“ Das Talent liegt aber ohnehin in der Familie, denn auch Django Reinhardt, der bekannte Jazz-Gitarrist in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, gehört zur weitläufigen Verwandtschaft der Großfamilie Reinhardt.


Lebendige Sinti-Kultur
„Du glaubst daran, was die anderen sagen, du verleugnest dein Leben als Sinto, du lebst ihr Leben, trägst ihren Namen, verlierst deine Identität“, heißt es in einem von Reinhardts Song-Texten übersetzt. Sie singt ihre Lieder auf Deutsch und Englisch – aber auch Romanes. Denn natürlich fließt auch ihre Kultur in die Musik mit ein: „Sie ist Teil meiner Identität, die ich ganz selbstverständlich lebe und ausdrücke. Es fühlt sich richtig an, in meiner Muttersprache zu singen“, sagt sie. Die Texte notiert sie dabei in ihrer eigenen Schreibweise – schließlich gibt es keine festgelegten Regeln; Romanes wurde von jeher nur mündlich überliefert. Die Sängerin hat schon oft beobachtet, dass bei Konzerten etwas mit den Sinti im Publikum passiert, wenn sie in ihrer Sprache angesprochen werden – eine Art Energieschub, ein Lebendigwerden.


Denn obwohl die Sinti schon seit 600 Jahren in Deutschland leben, haben sie auch heute noch mit Vorurteilen und Diskriminierung zu kämpfen. „Viele glauben nach wie vor, dass ‚Zigeuner‘ einen angeborenen Freiheitstrieb haben und Tagediebe, wenn nicht gar kriminell sind“, sagt sie. Denn diese Trugbilder wurden meist nie durch realistische Eindrücke ersetzt. Damit sich dies nun ändert, hat Dotschy Reinhardt in ihrem Buch Gipsy die Lebensgeschichte ihrer Familie niedergeschrieben.
TRÄGER- UND FÖRDERVEIN HENRI GOLDSTEIN-HAUS QUICKBORN E.V.

Das Konzert findet wie in jedem Jahr im Artur-Grenz-Saal statt, diese Mal direkt am 9. November, 19.00 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Jugendliche. Karten sind im Vorverkauf in der Buchhandlung Theophil zu erhalten.
 


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