Lions erinnerten (sich) an 50 Jahre Holstenstadion / Sanierung erforderlich

Neben seinen Mitgliedern hatte Lions-Chef Robert Hüneburg (hinter dem Schild) auch TuS-Urgestein Uwe Langeloh (ganz links) und Bauunternehmer Joachim Schaffarzyk (4. v.r.) eingeladen
Neben seinen Mitgliedern hatte Lions-Chef Robert Hüneburg (hinter dem Schild) auch TuS-Urgestein Uwe Langeloh (ganz links) und Bauunternehmer Joachim Schaffarzyk (4. v.r.) eingeladen

29.9.2019 | Von Politik und Verwaltung unbemerkt (oder unbeachtet?) verging der 50. Geburtstag des Quickborner Holstenstadions: Am 24. Mai 1969 wurde die ehrwürdige Sportstätte mit einem Leichtathletik-Wettbewerb zwischen Schleswig-Holstein und Jütland/Dänemark feierlich eingeweiht und am 12. August 1969 fertiggestellt. Aus diesem Anlass hat der Präsident des LIONS CLUB Quickborn und Fussi-Camp-Organisator Robert Hüneburg am vergangenen Donnerstag seine Club-Mitglieder zu einer Ortsbesichtigung und nachträglichen kleinen Feier-Runde eingeladen.
 
Ehrengäste waren dabei zwei bekannte „Quickborner Urgesteine“, die bereits beim Bau des Holstenstadions selbst kräftig Hand angelegt haben: Joachim Schaffarzyk, Senior-Chef des Quickborner Bauunternehmens, und Uwe Langeloh vom TuS Holstein Quickborn freuten sich über die Einladung an ihre alte Wirkungsstätte. Auch wenn sich die beiden damals beim Umzug der alten Sportanlage von der Torfstraße (jetziger Standort des Rathauses) zum neuen Stadion kräftig „gezofft“ hatten, schwelgten sie jetzt einmütig in alten Geschichten rund um das damalige Großprojekt. Bei der Fertigstellung der gesamten Anlage auch neben dem Fußballplatz - vom Kassenhäuschen über die Spieler-Kabinen, die Zuschauer-Tribüne bis zur Sprecherkabine - halfen dutzende Privatleute und viele Unternehmen aus der ganzen Region. Vieles wurde in Eigenarbeit von TuS-Mitgliedern und anderen ehrenamtlichen Helfern erledigt, Baumaterialien und Maschinen wurden zum großen Teil gestiftet. Im Rückblick berichteten die beiden amüsiert von so manchen Schwierigkeiten und Pannen rund um den Bau, die letztendlich alle mit viel gemeinschaftlichem Engagement bewältigt wurden.
 
Natürlich wurde auch von vielen Ereignissen aus der langjährigen Geschichte berichtet. Dass zum Beispiel zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 die Nationalmannschaft der „DDR“ im Quickborner Sporthotel einquartiert war und im Holstenstadion trainiert hat - unvergessen das 1 : 0 der „DDR“ gegen das Team der Bundesrepublik Deutschland („Sparwasser-Tor“)! Und auch der Zuschauerrekord zum 100. Geburtstag des TuS im Jahre 2014 durfte nicht fehlen: Dass die 2.230 Fußballfans auf der Tribüne beim Jubiläumsspiel des TuS gegen den FC St. Pauli ein ebenso rekordverdächtiges 1 : 16 erleben durften, wurde dabei schmunzelnd erwähnt.
 
Während des Rundganges über die Fußballplätze stellte die Gruppe erfreut fest, dass sich in den 50 Jahren seit der Einweihung im Holstenstadion einiges getan hat. Erst im September 2015 wurde aus dem Trainingsplatz mit altem Grand-Belag („Knochenbrecher-Beton“) ein moderner Kunstrasenplatz (die 1. Herrenmannschaft des TuS trainierte gerade), und auch Zuschauer-Sitzplätze und Spieler-Kabinen wurden errichtet. Hüneburg:„Es wurde also schon viel investiert, wie übrigens auch an anderen Stellen bereits Großartiges für den Sport von der Stadt geleistet wurde - so sind z.B. die Sportanlagen an den Quickborner Schulen wie auch die Schulen selbst vorbildlich."
 
Allerdings hat sich im Holstenstadion leider nicht alles verbessert: Dass die 400m-Bahn um den Rasenplatz noch immer aus „Knochenbrecher-Beton“ besteht und damit das Holstenstadion für andere Sportarten z. B. aus der Leichtathletik nahezu unbenutzbar ist, ist nur ein Punkt. Wesentlicher ist der marode Zustand des gesamten Kabinentraktes und der Cafeteria, die zusammen mit den sanitären Anlagen noch immer den „Charme der 60er-Jahre versprühen“. Ein kurzer Blick in die Duschen und WC’s genügte nicht nur Baufachmann Schaffarzyk, um zu erkennen, dass Bausubstanz und Anlagen hoffnungslos veraltet sind und Abriss und Neubau unausweichlich scheinen.
 
Spätestens als die Gruppe in der Cafeteria (mit der neonbeleuchteten Atmosphäre einer schmuddeligen Bahnhofskneipe) Platz nahm, lautete die Frage des Abends also: „Wie kann man das Holstenstadion retten und ein solches Großprojekt heutzutage wieder neu erschaffen“? Klar war dabei allen Anwesenden sofort, dass die heutigen Rahmenbedingungen ganz andere als damals sind: Z. B. ist angesichts der Quickborner Haushaltslage nicht sicher, ob und wie so etwas finanzierbar und politisch durchsetzbar ist. Auch die Frage, ob ein solches Projekt angesichts der Veränderungen der Gesellschaft überhaupt sinnvoll ist, blieb zunächst offen. Denn auch wenn im Profi-Fußball mittlerweile Millionen-Summen üblich sind, hat der „Dorf-Fußball“ schon lange nicht mehr den Stellenwert wie in den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Das gesamte Freizeitverhalten der Gesellschaft hat sich seitdem dramatisch gewandelt, „neue“ Sportarten bieten heute vielfältige Alternativen zum „guten alten Fußball“. Und auch weil heute Top-Sportevents weltweit rund um die Uhr auf jedem Fernseher live zu sehen sind, „verirren“ sich immer weniger Zuschauer zu einem Kreisliga-Spiel ins heimische Stadion. Das Holstenstadion scheint also in seinem jetzigen Zustand und mit Fußball als einzigem Konzept eher ein Auslauf-Modell zu sein.
 
LIONS-Präsident Hüneburg stellte jedoch heraus, dass Sport auch heute noch wichtige gesellschaftliche Funktionen erfüllt. Denn z. B. bei „seinem“ Fussi-Camp erlebe er immer wieder, dass Kinder gerade durch einen Mannschaftssport wie Fußball unglaublich viel dazugewinnen. In nur einer Woche lernen die Fussi-Camp-Kids nicht nur Passen oder Dribbeln, sondern erleben vor allem das faire und sportliche Miteinander in einer Mannschaft. Und die jungen (Co-)Trainer lernen im Team, planvoll zu handeln und erstmals Verantwortung für „ihre“ Mannschaft zu übernehmen. Das alles seien wichtige Fähigkeiten, die man nicht „googeln“ oder über „facebook“ lernen könne. Deshalb ist das Holstenstadion als sportlicher Treffpunkt insbesondere für junge Menschen weiterhin wichtig, und seine Renovierung mit einer Neuausrichtung auf die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen unbedingt nötig. Hüneburg: „Mit guten Ideen und neuen Konzepten – und wie vor 50 Jahren mit gemeinschaftlichem Engagement von Politik, Verwaltung, Sportvereinen sowie privaten Initiativen – kann die Weiterentwicklung des Holstenstadions möglich sein."
 
Vieles zum Holstenstadion: www.dieblauweissrotenkicker.de/holstenstadion
 

 

 


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