Mit Brötchen-Tüten gegen häusliche Gewalt / Rechtsmedizin hilft

Machten auf die Hilfsangebote aufmerksam: Nicole Eickhoff (DRK-Familenzentrum), die Rechtsmedizinerinnen Dr. Daniela Fröb und Antonia Fitzek sowie Quickborns Gleichstellungsbeauftragte Hannah Gleisner (v.l.n.r)
Machten auf die Hilfsangebote aufmerksam: Nicole Eickhoff (DRK-Familenzentrum), die Rechtsmedizinerinnen Dr. Daniela Fröb und Antonia Fitzek sowie Quickborns Gleichstellungsbeauftragte Hannah Gleisner (v.l.n.r)

24.11.2018 |  „Gewalt kommt nicht in die Tüte!" Unter diesem Motto verteilte

Quickborns Gleichstellungsbeauftragte Hannah Gleisner in der FORUMS-Halle Brötchen-Tüten mit Hilfe-Angeboten bei Gewalt gegen Frauen. Unterstützt wurde sie erstmals durch Rechtsmedizinerinnen aus Hamburg, die auf ein neues Hilfs-Angebot aufmerksam machten.

 

Die Brötchen-Verteilung ist eine schleswig-holstein-weite gemeinsame Aktion des Landesinnungsverbandes des Bäckerhandwerks, der Gleichstellungsbeauftragten, der lokalen Bündnisse ”Gewalt gegen Frauen" und des ”KIK -Netzwerk bei häuslicher Gewalt", die in diesem Jahr bereits zum 15. Mal stattfindet. Die Tüten enthalten Hinweise auf Beratungsangebote wie z.B. das Hilfetelefon 08000 116 016 oder die Website www.Frauenberatung-SH.de. Die Brötchen für die 150 Tüten hatte die Bäckerei Kolls gesponsert. Bei der Verteilung half die DRK Familienzentrums-Koordinatorin Nicole Eickhoff. Hilfe vor Ort bietet natürlich auch die Quickborner Gleichstellungsbeauftragte. Hannah Gleisner ist per Mail unter gleichstellungsbeauftragte@quickborn.de oder telefonisch unter der zentralen Rathaus-Rufnummer 04106 611-0 zu erreichen.

 

Nicole Eickhoff vom Familienzentrum Quickborn ergänzt: „Wir hier vor Ort sind manchmal die ersten Anlaufstellen für von Gewalt betroffene Frauen. Wir stehen im Kontakt, begegnen uns, sind sensibilisiert für die möglichen Anzeichen. Uns ist es wichtig, hier ein gutes Netzwerk zu pflegen, um den Frauen und auch ihren Kindern eine schnelle Unterstützung zukommen zu lassen. Eine Voraussetzung, Hilfe in Anspruch zu nehmen ist natürlich, die Hilfsangebote zu kennen. Dafür stehen wir auch in diesem November wieder gemeinsam im Forum Quickborn.“

 

Rechtsmedizin bietet Opfern häuslicher Gewalt niedrigschwellige Hilfe

Rechtsmedizinerinnen kennen die meisten wahrscheinlich nur aus dem „Tatort" oder anderen Krimis, in denen sie konkret darlegen, warum jemand zu Tode gekommen ist. Am Donnerstag konnte man in Quickborn erfahren, dass sie auch noch andere Aufgaben haben. Dr. Daniela Fröb und Antonia Fitzek vom Institut für Rechtsmedizin des Universitätskrankenhauses Hamburg (UKE) waren zur Unterstützung der Brötchen-Aktion in die Eulenstadt gekommen, um auf ein spezielles Hilfsangebot aufmerksam zu machen. UKE und regionale Kliniken haben sich mit Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein zusammengefunden, um Opfern häuslicher Gewalt und/oder einer Sexualstraftat unbürokratische Hilfe zu bieten. Opfer können sich in die Kliniken begeben, um medizinisch versorgt zu werden, vor allem aber, um Spuren des Übergriffs zu sichern. „Vor allem äußerliche Verletzungen, die schnell verblassen, müssen zügig dokumentiert werden, damit sie für eine spätere Beweisführung zur Verfügung stehen", erläutert Fröb. Und sie weist darauf hin, dass diese Hilfe ohne polizeiliche Anzeige und kostenlos in Anspruch genommen werden kann, alle Informationen werden vertraulich behandelt.

 

Für Quickborn bieten die Notaufnahmen zweier Kliniken die 24-Stunden-Hilfe vor Ort:

Regio Klinikum Pinneberg, Fahltskamp 74, 25421 Pinneberg

Paracelsus-Klinik, Wilstedter Straße 134, 24558 Henstedt-Ulzburg.

 

Die Ärzte in beiden Kliniken sind für diese Aufgaben speziell geschult, sie wissen also, wie Spuren gesichert werden müssen, damit sie gerichtsfest sind. Auf Wunsch nehmen die Rechtsmedizinerinnen nach telefonischer Vereinbarung unter 040 74 10 21 27 die Untersuchungen auch persönlich vor, entweder in der regionalen rechtsmedizinischen Untersuchungsstelle im Regio Klinikum Pinneberg oder direkt im UKE, Butenfeld 34, Hamburg.

 

„Die Ergebnisse werden zentral bei uns im UKE fünf Jahre lang  archviert, so dass den Opfern genügend Zeit bleibt, um sich die nächsten Schritte zu überlegen", erklärt Fitzek.

 

Weitere Hilfen / Dank an Quickborner Sponsoren
Häusliche und familiäre Gewalt ist die am weitesten verbreitete Form der Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder sowie zwischen Beziehungspartnern. Sie umfasst alle gesellschaftlichen Schichten und Kulturen. Die Gewalt hat nicht nur weit reichende Auswirkungen auf die direkt Betroffenen, sondern auch auf Kinder, die die Gewalt zwischen Eltern miterleben müssen. Die Gewalt an Frauen und Kindern hat massive Auswirkungen auf deren Psyche und Gesundheit. Die Folgen sind für die gesamte Gesellschaft spürbar, sie äußern sich durch Verlust des Selbstwertgefühls, Fehlen am Arbeitsplatz oder in der Schule, Verhaltensauffälligkeiten, Misstrauen, Ängste, Krankheiten und Depressionen.


Im Kreis Pinneberg bieten die Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen Betroffenen von Gewalt Schutz und Unterstützung an. Unter anderem werden Traumatherapeutische Angebote vorgehalten, die sich ausschließlich über Spenden finanzieren und Betroffenen die Möglichkeit der Verarbeitung ihres Traumas ermöglichen und so dazu beitragen, dass diese wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.


Im Rahmen der diesjährigen Sponsorenaktion konnte kreisweit die bisher größte Summe seit Beginn der Aktion an Spendengeldern eingeworben werden. Die Gelder werden zu gleichen Teilen an die Frauenhäuser und –beratungsstellen ausgezahlt.
Auch in Quickborn haben sich Sponsorinnen und Sponsoren an der Aktion beteiligt und sich damit vor Ort gegen Gewalt stark gemacht.  „Den Sponsorinnen und Sponsoren möchte ich an dieser Stelle noch einmal herzlich für ihre Unterstützung

danken! Die Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen im Kreis sind auch für von Gewalt betroffene Quickbornerinnen unerlässliche Hilfsangebote“, so Gleisner.


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