Oost, Nord-Ost ....

GUDELIUS: Augenblick mal!

 

Hier schreibt der Quickborner Autor Peter Gudelius einmal in der Woche zu Themen der Stadt, des Landes und der Welt. Was sich kritisch liest, mal mehr, mal weniger zugespitzt, will als Anregung verstanden sein und zum Nachdenken verführen. Herausgeber und Redaktion weisen darauf hin, dass die Beiträge die Ansicht des Kolumnisten wiedergeben.

Weitere Beiträge des Autors finden Sie in seinem Blog „Sprach-los".

 

Nur ältere Herrschaften werden sich erinnern, was es damit auf sich hat, Herrschaften, die mit dem Radio groß geworden sind und nicht mit dem Fernseher. Menschen die dieses langgezogene Oost, Nord-Oost noch in den Ohren haben. Menschen, die schon mal sagen, früher sei alles besser gewesen – was nicht stimmt. Aber anders war es schon. Das wollen wir uns mal ansehen.

Kein Radio langweilte mit Frequenzangaben – 88.9, 97.2 oder so. Jedes auch noch so kleine Radio lud zu einer Reise durch die Welt ein. Jeder Sender hatte einen Namen – Beromünster, Graz, Praha, Bordeaux, Hilversum, Budapest, Athenai, Roma, Moskva, Mte Carlo… usw, usw.

Diese Städte! Es waren ja noch viel mehr, die man zu sich einladen konnte. Heute müssen wir auf Zahlen herumreiten. Sie verlocken uns nicht. Sie verleihen unserer Fantasie keine Flügel. Sie sagen uns nichts. Sie können nur digital. Wie traurig.

Wie schön war es, sich ins Bett zu kuscheln, das Radio einzuschalten, die Welt bei sich zu haben. Selbst der Seewetterbericht! „Hier ist Norddeich Radio. Achtung, Achtung, an alle Seefunkstellen, hier ist Norddeich Radio mit dem Seewetterbericht.“ Schon war man auf hoher See…Oost-Nord-Oost, Windstärke 6… nimm mich mit, Norddeich, auf die Reise. Welch ein Abenteuer!

Wenn man dann irgendwann aufwachte, sagte das Radio – nichts mehr. Es blieb stumm, als wenn es wüsste, dass man bald aus den Federn müsste.

Alles ein bisschen noostalgisch? Na, wenn schon. Abgesehen davon: Auch Analogiker finden sich in der Digitalen Welt zurecht und finden heraus, auf welcher Frequenz der Deutschlandfunk sendet.

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Aus besonderem Anlass senden wir unserem Kolumnisten an dieser Stelle herzliche Grüße.

 

R. Kuchel

 





 




 


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