Willkommen 2017!

GUDELIUS: Augenblick mal!

 

Hier schreibt der Quickborner Autor Peter Gudelius einmal in der Woche zu Themen der Stadt, des Landes und der Welt. Was sich kritisch liest, mal mehr, mal weniger zugespitzt, will als Anregung verstanden sein und zum Nachdenken verführen. Herausgeber und Redaktion weisen darauf hin, dass die Beiträge die Ansicht des Kolumnisten wiedergeben.

Weitere Beiträge des Autors finden Sie in seinem Blog „Sprach-los".

 

Der Pulverdampf der Silvesternacht hat sich verzogen. Die Köpfe sind wieder klar. Jetzt geht es darum, wie wir das Beste aus dem neuen Jahr machen. Es gibt tausend Möglichkeiten. Drei seien hier zur Diskussion gestellt. Meine Damen und Herren, treffen Sie Ihre Wahl!


1. „Der  schwarze Punkt“

Eines Tages kam ein Professor in die Klasse und schlug einen Überraschungstext vor. Er verteilte sofort das Aufgabenblatt, das wie üblich mit dem Text nach unten zeigte. Dann forderte er seine Studenten auf, die Seite umzudrehen und zu beginnen. Zur Überraschung aller gab es keine Fragen – nur einen schwarzen Punkt in der Mitte der Seite.

Nun erklärte der Professor folgendes: „Ich möchte Sie bitten, das aufzuschreiben, was Sie dort sehen.“ Die Schüler waren verwirrt, aber begannen mit ihrer Arbeit.

Am Ende der Stunde sammelte der Professor alle Antworten ein und begann, sie laut vorzulesen. Alle Schüler ohne Ausnahme hatten den schwarzen Punkt beschrieben – seine Position in der Mitte des Blattes, seine Lage im Raum, sein Größenverhältnis zum Papier etc.

Nun lächelte der Professor und sagte: „Ich wollte Ihnen eine Aufgabe zum Nachdenken geben. Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder konzentrierte sich auf den schwarzen Punkt – und das Gleiche geschieht in unserem Leben. Wir haben ein weißes Papier erhalten, um es zu nutzen und zu genießen, aber wir konzentrieren uns immer auf die dunklen Flecken.

Unser Leben ist ein Geschenk, das wir mit Liebe und Sorgfalt hüten sollten, und es gibt eigentlich immer einen Grund zu feiern – die Natur erneuert sich jeden Tag, unsere Freunde, unsere Familie, die Arbeit, die uns eine Existenz bietet, die Wunder, die wir jeden Tag sehen…

Doch wir sind oft nur auf die dunklen Flecken konzentriert – die gesundheitlichen Probleme, der Mangel an Geld, die komplizierte Beziehung  zu einem Familienmitglied, die Enttäuschung mit einem Freund, Erwartungsunterhaltung usw. Die dunklen Flecken sind sehr klein im Vergleich zu allem, was wir in unserem Leben haben, aber sie sind diejenigen, die unseren Geist beschäftigen und trüben.

Nehmen Sie die schwarzen Punkte wahr, doch richten Sie Ihre Aufmerksamkeit mehr auf das gesamte weiße Papier und damit auf die Möglichkeiten und glücklichen Momente in Ihrem Leben und teilen sie es mit den anderen Menschen! (Unbekannter Autor)

 

 

2. „Im neuen Jahre Glück und Heil"

 

Im neuen Jahre Glück und Heil,

Auf Weh und Wunden gute Salbe!

Auf groben Klotz ein grober Keil!

Auf einen Schelmen anderhalbe!

 

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

3. Voller Stolz und Freude…

… geben wir  die Geburt unseres neuen Jahres bekannt.

Es kam pünktlich zur Welt, ist 12 Monate groß,  365 Tage schwer und kerngesund.
Es soll 2017 heißen.

Noch liegt das neue Jahr in den Windeln. Wir werden es großziehen müssen. Und
ehrlich gesagt: Freuen wir uns nicht darauf?  Aber ja. Schließlich möchten wir zum Schluss sagen können, es war ein gutes Jahr.

Aber bitte, machen wir uns nichts vor. So viel Freude, wie wir von unserem Jüngsten erwarten, so viel Arbeit wird es uns auch machen. Kleine Kinder, große Sorgen.

Und wenn wir das neue Jahr großgezogen haben, wird es uns verlassen. Das ist der
Lauf der Welt. Bis dahin gibt es viel zu tun.

Wir werden unsere Hände nicht in den Schoß legen können. Unseren Wünschen
müssen auch Taten folgen. So, wie wir uns kennen, wird uns das nicht schwerfallen.

Wir werden jeden  Morgen pünktlich aufstehen und den neuen Tag mit einem Lächeln begrüßen. Dann lächelt der Tag zurück, und alles fällt uns leichter.

Wir werden immer in Ruhe zu Hause frühstücken und nicht mit einem Kaffee to go
zur Arbeit hetzen.

Wir werden unser Smartphone öfter mal beiseite legen. Der Verzicht auf „wisch und weg“ wird uns gut tun. 

Wir werden uns darauf besinnen, dass Freundschaften nicht aufs Internet angewiesen sind.

Wir werden tun, was wir schon lange wollten: Wenigstens hin und wieder eine Postkarte und einen Brief schreiben. Den Empfängern und uns selbst zur Freude.

Wir werden endlich mal wieder ins Theater gehen oder in die Oper, vielleicht in ein Musical.

Wir werden öfter mal ein gutes Buch lesen, Krimis eingeschlossen.

Wir werden mehr Verständnis für andere Meinungen zeigen, natürlich nicht für alles und jedes.

Wir werden Farbe bekennen, wenn es um Dinge geht, die alle betrifft. Wir werden widersprechen, wenn es notwendig ist. Und wir werden Widerspruch ertragen. Niemand weiß alles, und niemand hat immer recht.

Wir werden helfen, wenn Hilfe gebraucht wird. Und wir werden  nicht die Hand dafür aufhalten.

Wir werden und werden und werden…

Aber jetzt erst mal:

Champagner, Champagner!


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