Tookscho - Talkshow - die unmögliche Sendung

GUDELIUS: Augenblick mal!

 

Hier schreibt der Quickborner Autor Peter Gudelius einmal in der Woche zu Themen der Stadt, des Landes und der Welt. Was sich kritisch liest, mal mehr, mal weniger zugespitzt, will als Anregung verstanden sein und zum Nachdenken verführen. Herausgeber und Redaktion weisen darauf hin, dass die Beiträge die Ansicht des Kolumnisten wiedergeben.

Weitere Beiträge des Autors finden Sie in seinem Blog „Sprach-los".

 

Nein, nein, nein! Die Talkshow ist alles andere als unmöglich. Allein ARD und ZDF zeigen mit 4 Talkshows, was alles möglich ist. Anne Will, Maybritt Illner, Frank Plasberg mit „Hart aber fair“ und Sandra Maischberger geben den Ton an. Natürlich ist noch mehr im Angebot. Aber wir wollen es jetzt erst mal gut sein lassen.

 

Was macht Talkshows so attraktiv? Sind es die Themen, die diskutiert werden? Das könnte sein, denn sie sind so gut wie immer aktuell und brennen möglicherweise vielen Menschen auf den Nägeln.

 

Sind es die Gäste, die zu Wort kommen sollen? Ihre Standpunkte und Ansichten? Das Aufregende, wenn unterschiedliche Meinungen aufeinander prallen? Mal sehen, was kluge Leute sagen – ein einleuchtendes Motiv.

 

Sind es die Damen und Herren, die zu ihrer Talkshow einladen– Anne Will, Maybritt Illner, Frank Plasberg usw.? Ist es die Freude daran, wie sie – gelegentlich mehr, häufiger weniger glücklich – eine Gruppe von Egozentrikern durch die Sendung führen? Alles das und womöglich noch anderes wird eine Rolle spielen. Aber eine Erklärung ist das nicht. Das bedeutet: weitersuchen.

 

Wahrscheinlich haben wir es hier mit einem großen Missverständnis zu tun. Das Publikum erwartet Antworten auf Fragen, die es selbst nicht beantworten kann. Diese Erwartung überfordert jede Talkshow.

 

Schon die Eitelkeit der Gäste ist ein Grund zu verzweifeln. Die Unhöflichkeit, die Unart, anderen Talkgästen ins Wort zu fallen und dann das Übliche: an der Sache vorbei zu reden. Beleidigtsein gehört dazu. Vor allem aber: Jeder geht so aus der Runde wie er hineingegangen ist: mit seiner unverrückbaren Meinung.

 

Trotzdem haben Talkshows ihren Reiz. Sie sind ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Sie zeigen die menschlichen Schwächen der Teilnehmer – zur Freude der Zuschauer und auch zu ihrem Ärger.

 

Widerrede

 

Ja, das gibt es auch: den Jahrmarkt der Eitelkeiten. Aber das ist nicht typisch. Und natürlich ist es ärgerlich, wenn sich Teilnahmer ungebührlich benehmen und anderen permanent ins Wort fallen. Aber das ist in erster Linie entlarvend für die Betreffenden selbst und kein Argument gegen das Format der Talkshow.

 

Und ist es ein Makel, wenn Teilnehmer  mit derselben Meinung herausgehen, mit der sie angetreten sind. Nein! Talkshows sind offene Diskussionen und keine Verhandlungsrunden, an deren Ende möglichst Kompromisse und Ergebnisse stehen sollten. Das ist Aufgabe z.B. politischer Gremien.

 

Und welche Erwartungen hat das Publikum? Will es wirklich Antworten auf Fragen, die es selbst nicht beantworten kann? Einfache Antworten kann eine Talkshow ganz sicher nicht liefern. Vielmehr ist sie ein Beitrag zur Meinungsbildung. Mit Argumenten dafür und dagegen. Mit Antworten auf Fragen, auf die man selbst vielleicht noch gar nicht gekommen ist. Eine lebendige, menschliche Ergänzung zur Informationsaufnahme über Printmedien und Nachrichtensendungen im TV - und da und dort vielleicht auch ein Ersatz.  Sie machen in komprimierter Form deutlich: Es gibt zu den meisten Themen unserer Gesellschaft unterschiedliche Sichtweisen und keine einfachen Lösungen. Und Demokratie ist keine leichte Veranstaltung.

Aber immer noch besser, als allein den einfachen Parolen von Populisten zu vertrauen.

 

Reinhard Kuchel

 

 


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