Leichte Sprache

GUDELIUS: Augenblick mal!

 

Hier schreibt der Quickborner Autor Peter Gudelius einmal in der Woche zu Themen der Stadt, des Landes und der Welt. Was sich kritisch liest, mal mehr, mal weniger zugespitzt, will als Anregung verstanden sein und zum Nachdenken verführen. Die Äußerungen des Autors stellen nicht die Meinung des Herausgebers/der Redaktion dar.

Weitere Beiträge des Autors finden Sie in seinem Blog „Sprach-los".

 

Es gibt Menschen, denen es schwerfällt, die Alltagssprache zu verstehen. Die Politiker- und Verwaltungssprache verstehen sie schon gar nicht. Dafür sollte man sie nicht verachten. Man sollte ihnen helfen.

Die Idee für die Leichte Sprache kam aus Finnland und ist dann auf Umwegen, auch über die USA, nach Deutschland gelangt. DER SPIEGEL schreibt darüber in seiner Ausgabe 29/2016. Die ersten Absätze des Artikels sind nach den „Leichte Sprache-Regeln“ geschrieben. Das liest sich so:

„Diese Geschichte geht um eine neue Sprache. Die Sprache heißt Leichte Sprache. Sie ist für jeden leicht zu verstehen. Sie hat ganz leichte Regeln. Man schreibt nur in Hauptsätzen. Man wiederholt Wörter immer wieder. Man drückt sich nur in deutschen Wörtern aus. Wörter aus mehreren Wörtern werden mit Binde-Strichen getrennt. Es heißt zum Beispiel Sommer-Urlaub und Fabrik-Schornstein. Man verwendet auch möglichst den Wem-Fall. Der Wes-Fall ist zu schwierig. Und die Möglichkeitsform (der Konjunktiv) ? Bitte nicht, zu schwierig!

So weit, so gut. Aber da gab es kluge Köpfe, denen das nicht weit genug gesprungen, nicht weit genug gedacht, war. Sie machten, was die Pharmaindustrie so erfolgreich macht: Gibt es keine Krankheit, erfinde sie. Die Medikamente haben wir.

Auf einmal sind Millionen und Abermillionen Menschen auf die Leichte Sprache angewiesen. Sonst verstehen sie die Welt nicht mehr.  Das wird behauptet, stimmt aber nicht. Sie verstehen Politiker- und Managerdeutsch nicht, aber das ist auch alles. Sonst sind sie ganz normal.

Wer hinter die Kulissen blickt, stellt fest: Aus der Idee, Menschen zu helfen, wird ein Geschäft gemacht. „Übersetzungsbüros“ übersetzen das Alltagsdeutsch von Politik, Verwaltung und Wirtschaft in Leichtes Deutsch. Das machen sie für viel Geld.

 

 


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