Schattenseiten

GUDELIUS: Augenblick mal!

 

Hier schreibt der Quickborner Autor Peter Gudelius einmal in der Woche zu Themen der Stadt, des Landes und der Welt. Was sich kritisch liest, mal mehr, mal weniger zugespitzt, will als Anregung verstanden sein und zum Nachdenken verführen. Die Äußerungen des Autors stellen nicht die Meinung des Herausgebers/der Redaktion dar.

Weitere Beiträge des Autors finden Sie in seinem Blog „Sprach-los".

 

Die Bäume in einer bürgermeisterlich benannten Straße* unserer Stadt werfen bei Sonnenschein Schatten. Das ist überall in Quickborn so und ganz natürlich. Bei hochsommerlichen Temperaturen ist Schatten auch erwünscht, nicht aber immer und nicht in jeder Situation. Aber Schatten verhalten sich nun mal anders. Schatten sind nicht wählerisch, schrecken nicht davor zurück, Zimmer und ganze Häuser zu verdunkeln.

 

In einer solchen Situation gibt es mehrere Möglichkeiten. Von Alternativlosigkeit, wie so oft in der Politik behauptet, kann hier nicht die Rede sein. Möglichkeit Nummer eins: Die Sache als naturgegeben hinnehmen. Möglichkeit Nummer zwei: Sich am Grün der Bäume erfreuen, vom zarten Grün im Frühjahr bis hin zu den bunten Blättern in Herbst, einfach der Natur folgen. Möglichkeit Nummer drei: Den Schattenwerfer, Haus- und Zimmerverdunkler, also den Baum beseitigen, der Sonne den Weg bahnen und zugleich den Blick auf die schwarz asphaltierte Straße freigeben.

 

In der bürgermeisterlich benannten Straße entschied man sich für die dritte Möglichkeit. Der Baum ist weg. Der Schatten auch. Die Sonne ist da, sofern sie scheint. Von Erleuchtung kann trotzdem nicht die Rede sein. Von Baumschutzsatzung und anderen politisch vergifteten Begriffen soll hier ausdrücklich nicht gesprochen werden. Umso mehr aber von einem „verrückten“ Verhältnis zur Natur, typisch nicht nur für Quickborn.

 

Der Garten als Einrichtungsgegenstand, eine Art Mobiliar, Gartenarchitektur. Bitte viel Grün, aber winterfest. Sichtschutz das ganze Jahr. Schutz vor wem? Rasen, und sei er noch so klein, obgleich er dem englischen Vorbild nicht den Halm reichen kann. Von Protest gegen Immigranten, die wirklich kein Asyl zu beanspruchen haben – Thuja und Kirschlorbeer – keine Rede. Im Gegenteil.

 

Und dann die Birken, die Buchen, die Linden, Akazien und was sonst noch Blätter trägt! Erst verursachen sie Allergien, und im Herbst kann man sehen, wie man die Blätter los wird. Nimmt man Laubpuster, Laubsauger zuhilfe, wird man schief angesehen. Die machen Krach und sind sowieso Umweltschädlinge.

 

Die Sache scheint hoffnungslos zu sein. Wir leben in einem Schattenreich. Noch sind wir nicht so weit wie die kleinen dummen Jungs und Mädchen, die fest davon überzeugt sind, dass Kühe Milkablau sind. Aber wir sind nahe dran. Und entsprechend weit weg von dem, was wir so lieben: Natur.

 

PS: Quickborn, die Stadt im Grünen? Das ist sozusagen gottgeben: Himmelmoor, Holmmoor. Ein Geschenk des Himmels. Aber die grüne Stadt? Nicht im politischen Sinn, aber wenigstens ein wenig naturverbunden? Zum Grün blühende Wiesen, Augenweide, Bienenweide. Schade, dass darüber heute gesprochen werden muss. Jeder alte Bauerngarten zeigte, wie es geht. Im Arboretum in Ellerhoop ist das zu sehen. Warum nur dort?

 

* Gemeint ist die Heinrich-Lohse-Straße ....

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Connie Avans (Dienstag, 24 Januar 2017 18:40)


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