Das Promille-Problem

GUDELIUS: Augenblick mal!

 

Hier schreibt der Quickborner Autor Peter Gudelius einmal in der Woche zu Themen der Stadt, des Landes und der Welt. Was sich kritisch liest, mal mehr, mal weniger zugespitzt, will als Anregung verstanden sein und zum Nachdenken verführen. Die Äußerungen des Autors stellen nicht die Meinung des Herausgebers/der Redaktion dar.

Weitere Beiträge des Autors finden Sie in seinem Blog „Sprach-los".

 

Unsere Stadt hat eine fleißige, wenn auch nicht immer bürgerorientierte Verwaltung. Da ließe sich dies und jenes mit etwas gutem Willen verbessern. Aber das kann ja noch werden.

 

Was die Politik angeht: Über die Arbeit des Stadtparlaments, die Arbeit der verschiedenen Ausschüsse – Hauptausschuss, Finanzen, Stadtentwicklung und Umwelt, Bildung, Kultur und Freizeit, Kinder, Jugend und Soziales, kommunale Dienstleistungen, sollten wir uns nicht beklagen. Ein Blick in den Kalender zeigt, dass engagiert gearbeitet wird. Einmal im Monat tagt jeder Ausschuss.

 

Unsere Politikerinnen und Politiker arbeiten nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Gegenteil. Alle Bürger sind zu den Sitzungen eingeladen. Und nicht nur das; sie können sich auch zu Wort melden. Sie haben ein Recht darauf. Und die Politiker müssen sich das anhören, ob es ihnen gefällt oder nicht.

Dafür gibt es Spielregeln, an die sich alle halten müssen – ein Thema, das ein andermal zur Sprache kommen wird.

 

Alles in Butter? Keineswegs! Ein paar Zahlen öffnen uns die Augen. Quickborn hat etwa 20.000 Einwohner. 10 Prozent wären 2.000, 1 Prozent 200, aber wie viele nehmen an den Ratsversammlungen und Ausschusssitzungen teil? Ein bis zwei Promille – wenn es hoch kommt. Meist sind es weniger. So bleiben unsere Stadtpolitiker unter sich, was nicht im Sinne der Sache ist.

 

Wenn sich da etwas ändern soll, müssen wir uns fragen, woran das liegt. Helfen Sie mit, die richtigen Antworten zu finden. Interessieren sich die Quickborner nicht für das, was in ihrer Stadt passiert? Finden die Politiker nicht die richtigen Worte, um die Bürger zu erreichen? Machen Sie zu viel Parteipolitik und zu wenig Bürgerpolitik? Reden sie zu lange und lassen die Bürger nicht zu Wort kommen? Sprechen sie eine klare Sprache oder Politikdeutsch, das nur sie verstehen? Sprechen sie von Verwaltung zu Politik über die Köpfe der Bürger hinweg und

werden nicht verstanden? Finden die Veranstaltungen dann statt, wenn kaum jemand Zeit dafür hat? Wer in Hamburg arbeitet, wird Schwierigkeiten haben, um halb sieben abends an einer Sitzung teilzunehmen.

 

Und noch etwas Wichtiges. Die Akustik in der Mensa der Comenius-Schule ist lausig. Die meisten Ausschussmitglieder nuscheln vor sich hin. Der Gebrauch der Mikrophone ist ihnen fremd. Die Anordnung der Sitzgelegenheiten ist unglücklich: Die Bürger sitzen wie die Zaungäste zu weit weg von den Ausschussmitgliedern. Etwas mehr Nähe würde zum besseren Verständnis in jeder Hinsicht beitragen. Fragen über Fragen und (noch) keine Antwort. Deshalb: u.A.w.g = um Antwort wird gebeten. Diese Bitte richtet sich an alle: Quickborner Bürgerinnen und Bürger, die Politik und die Verwaltung.

 


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