Hans-Ulrich Plaschke - ein Leben für den Pferdesport

12.7.2026 | Auch wenn es nicht so sichtbar ist: Quickborn ist eine Stadt des Pferdesports! Rund 20 Reiterhöfe sollen in der Stadt und in der näheren Umgebung ansässig sein. Und das Gesicht dieses Sports war viele Jahre Hans-Ulrich Plaschke.

 

Herr Plaschke, mit ihren 84 Jahren haben Sie sich ja ein wenig aus dem aktiven Dienst für den Pferdesport in Quickborn zurückgezogen, aber Sie waren ja lange Zeit das „Gesicht“ des Pferdesport in der Eulenstadt ...

Wenn Sie es so nennen wollen ... Ich hatte ja eine lange Geschichte als Reiter und als Manager im Bereich der Reiterei. In Quickborn hatte ich verschiedene Ställe kennengelernt, aber es war wenig organisiert. So habe ich mit einigen befreundeten Reitern beschlossen, einen Veren zu gründen. So entstand 2018 die „Reitervereinigung Reitregion Quickborn“. Wir wollten von vornherein die Reiterhöfe der Umgebung mit einbeziehen...

 

Und Sie wurden der Vorsitzende ...

Na ja, ich durfte mich ehrenhalber Präsident nennen ... Ich hatte dann eine phantatistische Führungsmannschaft. Dazu gehörten u.a. Dr. Thomas Schnelle, Mitinhaber der Firma Metaplan, als Vorsitzender, und Julia Selk, die mit ihrem Reiterhof kurz vor dem Himmelmoor hauptsächlich Jugendliche ausbildet.

 

Ein Highlight war sicher ein „Rundritt“ mit ca. 60 Pferden in Gruppen von acht bis zehn Pferden bis ins Himmelmoor. Das war vor zehn Jahren und fand damals ein großes Echo in der Presse.

 

Wichtiger war mir aber, dass wir ein dichtes Netz von Reitwegen in und um Quickborn einrichten konnten.

 

Und das hat dann ja auch überörtlich Anerkennung gefunden ...

Ja, Quickborn wurde 2011 von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung als ”Pferdefreundliche Gemeinde“ ausgezeichnet. Diesen Titel durfte Quickborn also ein Jahr tragen. Im Rathaus erinnerte lange Zeit ein Schild an die Anerkennung.

 

Sind Sie denn jetzt noch in diesem Bereich aktiv?

Nein, ich habe alle Ämter abgegeben. Aber ich bin seit über 30 Jahren noch „Persönliches Mitglied“ in der „Pferdesport Deutschland“, wie sich die „Deutsche Reiterliche Vereinigung“ nach einer Umbennennung jetzt nennt. Ich bin Delegierter für Hamburg.

 

Wenn Sie jetzt den Ruhestand genießen, hat sich Ihre Leidenschaft denn auf Ihre Kinder übertragen?

Meine Tochter hatte großes Interesse am Reiten, als sie noch in Quickborn war, inzwischen lebt sie in Bahrenfeld und hat mit der Reiterei nichts mehr zu tun, aber mit meiner Enkelin war ich hier in Quickborn oft zum Reiten.

 

Mein Sohn hatte nie Interesse am Reiten, mit ihm habe ich viel Squash gespielt. In meinem beruflichen Umfeld hatte ich mal einen englischen Vorgesetzten, der mich eines Tages zu einer englischen Militäreinheit mitschleppte, um mir dort die in Deutschland noch völlig unbekannte Sportart Squash vorzustellen. Ich habe dann lange Jahre nur mit Engländern gespielt, erst fünf Jahre später wurde der erste Squash-Court Deutschlands in Hamburg eröffnet. Ich bin also der dienstälteste Squash-Spieler Deutschlands und bin dann viele Jahre mit meinem Sohn auch dabei geblieben ....

 

Jetzt wissen wir also, wie Sie zum Squash gekommen sind. Aber wichtiger ist sicher die Frage, wie Sie denn zur Reiterei gefunden haben??

Mein Vater war begeisterter Reiter und seine Familie müttterlicherseits züchtete Trakehner. Er war selbständiger Getreidekaufmann in Königsberg und handelte mt allem, was mit der Landwirtschaft zusammenhängt. 1941 wurde ich dort geboren. Aber mein Vater hat relativ früh gemerkt, dass es mit Hitler nicht gut geht. So ist er, als ich drei Jahre alt war, mit seiner Frau und uns drei Brüdern ins Erzgebirge evakuiert. Er kam dann aber noch in russische Gefangenschaft, aus der er erst 1949 zurückkehrte. Aber er erkannte schnell, dass es für ihn im Erzgebirge keine Zukunft gibt. Über eine Tante in der Lüneburger Heide sind wir dann nach Hamburg gekommen, wo er die Familie zunächst mit verschiedenenen Jobs durchgebracht hat. Dann konnte er die Leitung einer Firma übernehmen, die seine alte Firma repräsentierte, er konnte also in seinem alten Bereich tätig werden. Und diese Firma hatte einen großen Hof und drei Kaltblüter im Stall stehen. Und da haben wir drei Jungs viel mit diesen Pferden herumgeturnt.

 

Eines Tages habe ich dann meinen Vater gefragt, ob ich nicht irgendwie qualifiziert reiten könnte. Mein Vater hatte Verbindungen zum Hamburger Reiterverein. Der hatte damals in der Sierichstraße einen Stall mit 80 Pferden, was man sich heute an dieser Stelle ja gar nicht mehr vorstellen kann. Und dann durften mein Freund und ich dort reiten. Da war ich zwölf.

 

Aber einige ältere Reiter hatten dann auch beobachtet, dass wir ganz gut reiten konnten. Und dann wurden wir gefragt, ob wir bei der ältesten Herren-Reit-Quadrille, der Quadrille Johannisfried von 1879, also einem Formationsreiten mit 12 Reitern, mitmachen wollten, und diese Chance haben wir natürlich ergriffen. Damals war ich siebzehn.

 

Der Reiterverein ist dann von der Sierichstraße auf das Gut Wendloh verlegt worden. Dessen Besitzer war ein Dr. Carl Sandow, dem drei Pferde gehörten und der uns beiden das Reiten ermöglicht hat und uns auch das Quadrille-Reiten beigebracht hat.

 

Inzwischen war ich 18 und musste zur Bundeswehr. Eigentlich dauerte der Wehrdienst 12 Monate, aber er wurde dann auf 15 Monate erhöht. Damit hatte sich das vorbereitete Anschluss-Studium an der Werbefachschule erst einmal erledigt. Ich habe dann freiwillig auf 18 Monate verlängert. 1962 war meine Bundeswehrzeit erst einmal abgeschlossen und ich wurde als Leutnant entlassen. Mit einigen Wehrübungen habe ich mich dann zum Oberleutnant hochgedient.

 

Sie haben aber doch noch den Weg in die Werbung gefunden ...

Ja, mit einem Jahr Verspätung konnte ich an der Werbefachschule Hamburg starten. Nach dem Abschluss konnte ich bei einer der großen Werbeagenturen anfangen, ich habe mich aber fü die MWI Markenwerbung International entschieden und dort daran mitgewirkt, Dentagard auf den Markt zu bringen. Nach zweieinhalb Jahren habe ich bei Unilever die Position eines Marketing-Service Leiters übernommen. Nach fünf Jahren Unilever wechselte ich noch einmal zur MWI und es folgten dort 12 erfolgreiche Jahre. Als die Agentur verkauft wurde, verbrachte ich noch ein Jahr bei der Lintas, damals die größte Werbeagentur in Deutschland.

 

Aber ich wollte etwas Eigenständiges unternehmen. Hier halfen mir meine nationalen ud regionalen Verbindungen zur Reiterei. Im Landesverband der Reit- und Fahrvereine war ich bereits viele Jahre Vorstandsmitglied. Mein Vorsitzender, Eberhard Fellmer, beauftragte mich, mal wieder etwas ganz Großes für die Reiterei in Hamburg zu gestalten. Ich entwickelte eine Riesenaktion auf der Horner Rennbahn, das „Volksfest mit Pferd"! Alle 53 Reitvereine/Betrebe nahmen daran teil. Auch dieses Event verlief sehr erfolgreich und wurde Vorreiter für gleiche Veranstaltungen in vielen anderen Städten.

 

Das „Volksfest mit Pferd" wurde zum Ursprung meiner Selbständigkeit. Insgesamt wurde ich Veranstalter von 31 Polo-Turnieren und drei Deutschen Military-Meisterschaften in Luhmühlen. Außerdem wurde ich Mitentwickler der „HansePferd" in Hamburg von den ersten Gedanken an. Die Hamburg Messe bekam in meinem Geschäft eine große Bedeutung. Die HansePferd war für die Hamburg Messe absolutes Neuland. Der Landesverband hatte alls Vereine  und relevanten Institutionen voll im Griff. Meine Aufgabe war die Vermarktung bei den Sponsoren.

 

Ich war dann 12 Jahre für die Hamburg-Messe für alle Messen wie „Du und Deine Welt“, Internorga und Hansepferd zuständig.

Durch einen glücklichen Zufall bin ich dann Hauptverantwortlicher für die „Nordpferd“ in Neumünster geworden, die ich dann - neben der Hansepferd - auch dank meiner guten Verbindungen zu den Verbänden und eigener Ideen nach vorn gebracht und über 12 Jahre lang verantwortlich betreut habe. Ich habe also insgesamt 24 Jahre Pferdemessen betreut. Dabei nicht so sehr die Ausstellungen, sondern das, was das Publikum angezogen hat wie die Abendshows und die Sonderveranstaltungen.

 

Inzwischen war ich 70 Jahre alt. Ich habe dann noch fünf Jahre mit meiner eigenen HUP Werbeagentur freiberuflich für die Nordpferd gearbeitet.

 

Und hatten Sie denn neben der beruflichen Beschäftigung mit den Pferden auch noch Gelegenheit, selbst zu reiten??

Ich bin seinerzeit ja als festes Mitglied lange Zeit in der ältesten Quadrille, der Quadrille Johannistrieb von 1879, geritten und war auch 14 Jahre ihr Präses. In der Winterzeit sind wir einmal in der Woche zusammengekommen. Ich durfte dann aber auch ein einzelnes Pferd reiten und habe mit den mir zur Verfügung gestellten Pferden auch an diversen Dressur- und Spring- Turnieren teilgenommen und auch das eine oder andere gewonnen.

 

Hier muss ich noch einmal ein Loblied auf meine Frau singen. Wir  wären jetzt 57 Jahre verheratet. Leider ist diese tolle Frau vor acht Jahren verstorben. Obwohl sie eigentlich Angst vor Pferden hatte, stand sie ständig an meiner Seite, Ob es bei offiziellen Anlässen war oder auf Turnieren und Jagden, selbst bei schwierigen geschäftlichen Debatten, sie hat mir immer den Rücknen freigehalten. Dabei war sie in ihrem eigenen Beruf überaus erfolgreich. Als ursprüngliche Volks- und Realschullehrein bekam sie eine Berufung als Gymnasiallehrerin  für 23 (!!) Jahre nach Hamburg. Wer das nachvollziehen kann, muss bereit sein, gewaltige mentale und geistige Veränderungen zu bewältigen. Mein Frau hat das geschafft. Horrido, meine Grudrun! 

 

Angesichts der beruflichen Beanspruchung und der Tatsache, dass wir mit den beiden Kindern inzwischen in Quickborn im eigenen Haus lebten, habe ich die Reiterei dann aufgegeben.

 

Herr Plaschke, wenn auch die Reiterei jetzt also in Ihrem aktiven Leben keine Rolle mehr spielt, so sind Sie ja in Ihrem Haus mit vielen Bildern von Erinnerungen an ein Leben für und mit der Reiterei umgeben. Wir danken Ihnen für den Einblick in ein spannendes Leben und wünschen Ihnen noch eine gute Zeit hier in Quickborn.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Plaschke (Montag, 13 Juli 2026 21:54)

    Bitte korrigieren: Nicht Johannisfried sondern Johannistrieb (1×)
    Bitte einfügen:
    Präses der Quadrille:
    Hans-Ulrich Plaschke -
    1982 bis 1994
    sowie 2002 bis 2004
    Sonst nur kleine Tippfehler ausmerzen.
    Danke

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