Lorenz Jensen - Musik als Aufgabe

 

24.6.2026 | Lorenz Jensen ist als langjähriger Leiter der Musikschule Quickborn bekannt. Wir sprachen mit ihm über seinen Lebensweg und erfuhren dabei noch Unbekanntes über den Verlauf seiner Arbeit in Quickborn. Und ganz Aktuelles über die Qualität der Musikschule Quickborn ..

 

Ja, Herr Jensen, erst einmal vielen Dank, dass ich mit Ihnen ins Gespräch kommen darf. Sie sind ja in Quickborn als Leiter der Musikschule bekannt, vor allem durch die öffentlichen Auftritte mit dem Schulorchester, mit einzelnen Schülern, im Rahmen von „Jugend musiziert“, aber zuweilen treten Sie ja auch ja als Solist z.B. in der Kirche auf. Aber vielleicht lassen Sie uns mal einen Blick hinter die Kulissen der Musikschule werfen, die ja, ich sage es mal so, hinter verschlossenen Türen arbeitet und vielleicht mal so an Zahlen festgemacht: Wie viele Lehrerinnen und Lehrer haben Sie denn überhaupt und wie viele Schüler?

 

Auch von mir vielen Dank, dass ich jetzt hier so ein bisschen Rede und Antwort stehen darf. Also wir haben so knapp 500 Schüler, immer mal mehr, mal weniger. Das teilt sich dann auf in den Unterricht in verschiedensten Instrumentalfächern, Vokalfächern und Ensemblearbeit. Wir unterrichten immer im Schnitt so 150 bis 160 Jahreswochenstunden. Das sind Einheiten von 45 Minuten in der Woche. Wir hätten allerdings gern ein bisschen mehr. Hintergrund ist das neue Musikschulfördergesetz. Das verlangt eine Mindestgröße von staatlich anerkannten Musikschulen von 150 Jahreswochenstunden. Das wollen wir auch gerne halten und deutlich ausbauen.

 

Wir haben hier zurzeit 18 Kollegen und Kolleginnen, die in der Regel nebenamtlich tätig sind.

 

Alles klar. Und finanziert sich das jetzt allein durch die Teilnehmer?

Die Musikschule finanziert sich in erster Linie durch die Gebühren, die wir erheben. Darüber hinaus ist die Stadt Quickborn mit einem größeren Anteil dabei und es gibt es eine Förderung durch das Land Schleswig-Holstein, auch vom Kreis Pinneberg gibt es eine kleinere Zuwendung.

 

Und Ihre Räumlichkeiten im Elsensee-Gymnasium, die ja recht großzügig sind?

Die haben wir von der Stadt Quickborn zur Verfügung gestellt bekommen. Wir dürfen uns ja „Musikschule der Stadt Quickborn“ nennen. Zwar sind wir als privater Trägerverein organisiert, aber mit der Widmung „Musikschule der Stadt Quickborn“ ist die Stadt satzungsgemäß mit Sitz und Stimme und mit Vetorecht im Vorstand vertreten. Daraus leitet sich übrigens ab, dass wir dann städtische Räume nutzen können und auch einen erheblichen Finanzierungsbeitrag von der Stadt bekommen.

 

Vielen Dank! Herr Meyn, damals war er Bürgervorsteher, hat Sie ja mal anlässlich Ihres 25. Dienstjubiläums gelobt, dass Sie angesichts der bürokratischen Herausforderungen Ihrer Tätigkeit mit Ruhe und Routine nachgehen. Wie schwer fällt Ihnen als Künstler dieser bürokratische Teil der Arbeit?

 

Das gehört dazu. Der Vormittag ist sozusagen dem Büro gewidmet und am Nachmittag den Schülern und das Wochenende den Projekten. Also das ist für mich kein Widerspruch. Diese Vorstellung, dass Künstler irgendwie mit Bürokratie oder mit verwaltungstechnischen Herausforderungen nichts anfangen können, glaube ich, ist auch mehr ein Klischee als es der Wirklichkeit entspricht.

 

Also entnehme ich dem, dass Sie auch selbst unterrichten?

Ja, jeden Nachmittag. Das gehört zu meiner vielseitigen Arbeit! Dankenswerterweise kann ich meine Arbeitszeit selbst bestimmen. Würde man jetzt keine Projekte machen, dann würde sich die Arbeit in Grenzen halten, aber ohne die Projekte macht es keinen Spaß. Also macht man ein bisschen mehr, damit es auch Spaß macht. Und das macht Spaß, so dass ich meine Arbeit tatsächlich auch über meinen Renteneintritt, der eigentlich dieses Jahr wäre, noch um ein Jahr verlängere.

 

Dann haben wir das schon mal erwähnt, ich wäre am Schluss noch darauf gekommen. Sie sind jetzt ja seit 32 Jahren, wenn ich das richtig gerechnet habe, als Leiter der Musikschule tätig. Was hat Sie denn eigentlich damals nach Quickborn geführt?

Ich kannte meinen Vorgänger und der damalige Vorstand hat einen potenziellen Kandidaten gesucht und mich angesprochen, ob ich erst einmal grundsätzlich hier als Honorarkraft tätig sein könnte. Und dann war die Idee, dass man mich dann sozusagen beruft auf die Leiterstelle als Nachfolger von Dr. Helmut Well.

 

Also es war schon vorprogrammiert, wenn man das so sagen darf, als Sie hier angefangen haben?

Ja, also es war die einfachste Lösung. Die Musikschule steckte in den Kinderschuhen und man brauchte jemanden, der das dann einfach macht.

 

Aber in Quickborn geboren sind Sie nicht?

Nein, Ich bin in Eiderstedt geboren, also genau in Garding. Ja, sozusagen als Hausgeburt bei einer Hebamme.

Das gab es damals also noch.

 

Und da auch groß geworden?

Nur die ersten zwei Jahre in Tating und dann ist mein Vater als Pastor gewechselt zur Hauptkirche Altona mit dem Bezirk St. Pauli.

 

Das hatten Sie kürzlich ja selbst in einem Konzert erwähnt ...

Ja, das war scherzhaft! Ich wollte nur mal aufzeigen, dass ich parallel zu den Beatles in Hamburg war. Und das ist tatsächlich so. Wahrscheinlich nur einen Kilometer voneinander entfernt. Aber gut, ich war zwei und die waren 22.

 

Aber das Elternhaus hat nicht dazu geführt, dass Sie sich speziell der Kirchenmusik gewidmet haben ...

Der Kirchenmusik war ich immer sehr verbunden, bin ich auch heute noch. Mein älterer Bruder, der inzwischen pensioniert ist, war Kirchenmusikdirektor. Ich habe immer Posaunenchöre geleitet, jahrzehntelang. Also das ist kein Problem.Ich habe keine Berührungsängste in irgendeine Richtung.

 

Aber nach dem Abitur, vermute ich mal, haben Sie sicherlich dann irgendwie eine musikalische Ausbildung absolviert?

Ja, also ich war erst im Marinemusikkorps Ostsee Kiel aktiv. Das konnte man damals. Wenn man sich bewarb und eine Aufnahmeprüfung machte, konnte man auch als Wehrpflichtiger dort seinen Dienst absolvieren.

 

Dann habe ich studiert, zunächst in Detmold und Paderborn, also in Detmold an der Musikhochschule und in Paderborn an der Gesamthochschule. Schulmusik teilweise, Musikwissenschaft teilweise, Literaturwissenschaft.

 

Nach der Zwischenprüfung bin ich nach Kiel gewechselt und habe das dort weitergemacht. Und dort habe ich dann auch den Kontakt zum Theater und zum Schleswig-Holstein-Musik-Festival gefunden und so weiter. Alles parallel.

 

Die musikalische Ausbildung erfolgte also im Rahmen des Studiums?

Ja, auch.

 

Und im Anschluss haben Sie noch verschiedene Stationen durchlaufen ....

Ich habe ja parallel zum Studium schon am Theater Engagements als Musiker gehabt und ich habe auch sehr viel als Autor gearbeitet. Damals war das noch ohne KI und ohne Internet, also wirklich handwerklich geschrieben. Unter anderem habe ich als Musikredakteur für die ersten Jahrgänge des Festivals ab 1986 und für Philips Classics gearbeitet. Ich habe keine Bücher geschrieben, aber sehr viele Artikel.

 

Und dann sind Sie irgendwann nach Quickborn gekommen auf dem Wege, den wir eben besprochen haben. Haben Sie eigentlich irgendwann bereut, sich zu fokussieren auf - ich sage mal ein bisschen provokant - die schleswig-holsteinische Provinz?

Nein, überhaupt nicht. Provinz ist es schon mal gar nicht. Also für mich war auch Kiel die ideale Größe. Ich konnte mich da künstlerisch sehr gut und frei entfalten, auch in der freien Tätigkeit als Autor und Musiker.

 

Aber dann kam irgendwann die Familiengründung und auch ein gewisses Verantwortungsgefühl. Und aus diesem Grund habe ich dann doch die Festanstellung bevorzugt. Das ist doch die sicherere Variante, was man zum Beispiel jetzt auch bei Corona gesehen hat.

 

Ich habe ja vier Kinder, die sind inzwischen alle erwachsen, ich bin inzwischen auch Opa ... Die Kinder haben alle keinen künstlerischen Beruf, sind aber alle sehr musikalisch und treten zum Teil auch öffentlich auf.

 

Ich habe den Eindruck, dass wir Ihren Lebensweg gut haben Revue passieren lassen können. Aber vielleicht liegt Ihnen ja noch etwas am Herzen??

Ja, ich möchte gern hinzufügen, dass ich jetzt in meinem letzten Jahr doch den Fokus darauf legen möchte, die Musikschule zukunftsfähig zu machen. Und da gehört viel dazu. Also der Fachkräftemangel spielt schon eine Rolle. Wir müssen sehen, dass wir die Lehrer und Lehrerinnen, die wir bei uns haben, auch weiterhin an uns binden und neue Kolleginnen und Kollegen ins Kollegium bekommen. Und wir sind gerade dabei, uns bei Social Media aufzustellen. Auch die Ganztagsbetreuung wird eine Rolle spielen.

 

Ansonsten kann ich noch sagen: Gerade vor einer oder zwei Wochen habe ich die Urkunde bekommen: Wir sind QSM-zertifiziert! Das heißt, wir haben das Qualitätssystem Musikschule des Musikschulverbandes durchlaufen. Das war ein

bundesweites Projekt und wir haben mit Bestnoten dieses Projekt bestanden. Darauf können wir stolz sein. Wir sind also eine zertifizierte Musikschule im Landesverband und Bundesverband der Musikschulen.

 

Und das soll die Basis sein, auf der die Arbeit dann weitergeführt werden kann. An dieser Stelle vielen Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne diese geht es nicht. Wir sind Teamplayer. Das ist ganz wichtig. Nicht der Aufbau von hierarchischen Strukturen, sondern kollegiale Zusammenarbeit sollte unser Ziel sein.

 

Sie haben es ja eben selbst angesprochen: Wenn Ihr Ausscheiden hier aus dem aktiven Dienst ja schon nach eigenen Bekunden feststeht, laufen dann da jetzt schon Ausschreibungen?

Das ist Sache des Vorstandes. Da halte ich mich natürlich dann raus.

 

Vielleicht haben Sie ja noch Gelegenheit, Ihren Nachfolger einzuarbeiten....

Ja, das ist ja dann wieder was anderes.

 

Ja, herzlichen Dank für diesen Überblick. Ich glaube, sagen zu können, dass Quickborn sich wirklich glücklich schätzen kann, dass Sie über Jahrzehnte das kulturelle Leben in der Stadt entscheidend mit geprägt haben. Ich habe das eine oder andere Mal, als wir aus anderen Gründen auf Sie zu sprechen kamen, auch schon die Sorge gehört: Oh je, was wird denn aus der Musikschule, wenn Herr Jensen nicht mehr da ist...

Jeder ist ersetzbar....

 

Es war ja auch schön zu hören, dass Ihnen die Arbeit Spaß gemacht hat und noch Spaß macht. Ich wünsche Ihnen noch gutes, erfolgreiches Arbeiten. Und über die Zeit danach wollen wir jetzt noch nicht reden.

So ist es. Erst einmal von meiner Seite vielen Dank!

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