Maine, London, Quickborn - Internationale Tagung zu Kriegsgefangenen im Dritten Reich

Unter der Leitung von Dr. Karsten Wilke (r.) und Jens-Olaf Nuckel (2.v.r) gestalteten zahlreiche Expertinnen und Experten die Tagung
Unter der Leitung von Dr. Karsten Wilke (r.) und Jens-Olaf Nuckel (2.v.r) gestalteten zahlreiche Expertinnen und Experten die Tagung

 

15.6.2026 | Da hatte der Verein Henri-Goldstein-Haus wirklich nicht zu viel versprochen, als er eine „Internationale Tagung" ankündigte: Aus den USA, Großbritannien und Polen sowie aus der gesamten Bundesrepublik waren vergangenes Wochenende Wissenschaftler angereist, um sich in Quickborn zum Thema „Jüdische und sowjetische Kriegsgefangene des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg" auzutauschen.

 

Rund 60 Teilnehmer konnte der Vorsitzende Jens-Olaf Nuckel in der Mensa der Comenius-Schule begrüßen, neben den rund 15 Moderatoren und Referenten auch zahlreiche Vertreter der Szene wie z.B. Leiter von Gedenkstätten. Selbstverständlich waren auch viele Mitglieder des Vereins dabei, die nicht nur für die Beköstigung der Teilnehmer, sondern auch für die Betreuung der auswärtigen Gäste sorgten. Nuckel dankte ihnen für ihren Einsatz.

 

Für die Stadt hieß die Stellv. Bürgermeisterin Astrid Huemke (SPD) die Gäste willkommen, für den Kreis die Stellv. Kreispräsidentin Elke Schreiber, die auch den Kreis Pinneberg etwas ausführlicher vorstellte. Bürgermeister Thomas Beckmann, der zum offiziellen Start verhindert war, schaute am 2. Tag vorbei und brachte seine Freude zum Ausdruck, dass eine solche internationale Tagung in Quickborn stattfinde.

 

Die Tagung geht auf eine Initiative des Historikers Dr. Karsten Wilke zurück, der zur Zeit in Kooperation mit dem Verein an einem Buch über die Gefangenen im Himmelmoor arbeitet. Am Samstag und am Sonntag wurde das Thema jeweils in zwei „Panels" mit jeweils drei bzw. Vorträgen behandelt.

 

Das erste Panel stand unter dem Thema „Jüdische Kriegsgefangene aus Westeuropa und den USA". Der gebürtige Israeli Yorai Linenberg war extra aus den USA angereist, um (auf Englisch) über „The Survival of Jewish POWs in Nazi Captivity zu berichten, Raffael Scheck war aus London gekommen, um seine Erkenntnisse zum Thema „French Jewish Prisoners of War on Trial in German Military Courts" vorzutragen. Abgerundet wurde dieses Kapitel von einem Beitrag über „Jüdische Kriegsgefange aus Frankreic im Deutschen Reich" von Christophe Woehrle.

 

Am Nachmittag standen „Sowjetische Kriegsgefangene in Norddeutschland" im MIttelpunkt. Regina Brunschön berichtete über ein Lager im Dienst der Klosterkammer Hannover, Reimer Müller gab einen Überblick über „Sowjetische Kriegsgefangene in Norddeutschland" und Lars Hellwinkel zeigte mit zahlreichen Bildern auf, wie unterschiedlich die „Erinnerungen an sowjetische Kriegsgefangene in Schleswig-Holstein" ausfallen: Von schlichten Gedenksteinen bis zu aufmerksamkeitsstarken Gedenkstätten.

 

Am Sonntag rückten zunächst „Polnisch-jüdische Kriegsgefangene" ins Blickfeld. Renata Kobylarz-Buta war aus Polen angereist, um über „Die Behandlung jüdischer Soldaten der Polnischen Armee duch die Wehrmacht in deutscher Gefangenschaft" zu berichten. Antonius Schanderwitz widmete sich der wissenschaftlichen Bedeutung von „Zeitzeugen-Interviews polnisch-jüdischer Krieggefangene". Dominik Reithner gab seine Erkenntnisse zum Thema „Von Moosburg nach Majdanek: Polnisch-Jüdische Kriegsgefangen und der Holocaust" preis.

 

Das Thema des Panel IV lautete „Jüdische Kriegegefangene aus Jugoslawien und der Sowjetunion". Pavel Polian, der aus Freiburg angereist war, aber auch in der Sowjetunion studiert hat, berichtete über „Sowjetisch-jüdische Soldaten in deutscher, finnischer und rumänische Gefangenschaft". Rüdiger Overmans lenkte unter dem Titel „Krieg - Kriegsende - Nachkriegszeit"  auf ein Lager in Osnabrück.

 

Eine Dreiergruppe widmete sich zum Tagungsabschluss zum Generalthema der Frage „Geschichte und Erinnerungskultur".

 

Unter der Vielzahl von Erkenntnissen seien folgende erwähnt: Es gab offensichtlich eine deutliche Staffelung der Kriegsgefangenen nach ihrer Herkunft, solche aus westlichen Ländern wurden grundätzlich besser behandelt als aus den osteuropäischen Ländern. Bei den Amerikanern soll eine Rolle gespielt haben, dass sie dank der zugesandten Care-Pakete Einfluss auf die Wachmannschaften nehmen konnten. Jüdisch-französischen Kriegsgefangenen soll es in den Lagern besser gegangen sein als Juden in Frankreich selbst. Russische Gefangene wurden sehr schlecht behandelt, so dass ihre Sterberate überduchschnittlich hoch war. Erst 1941 änderte sich dies, als ihre Arbeitskraft verstärkt benötigt wurde. Recht unterschiedlich war das Vorgehen gegen die Lagerkommandanten nach Kriegende.

 

Vereinzelt wurde aus dem Kreis der Teilnehmer Bedauern geäußert, dass sich nur wenige Quickborner als Zuhörer eingefunden hatten. Fairerweise ist festzustellen, dass die Darstellungen schon sehr speziell waren und Bürger, die nicht im Thema gewesen wären, sicherlich überfordert hätten. Da ist ein anderer Aspekt sicherlich wichtiger: Tagungsleiter Nuckel berichtete, dass es auch beim gemeinsamen Abendessen viele Gespräche gegeben habe und viele persönliche Kontakte zwischen Teilnehmern geknüpft wurden, die sich bisher nur über ihre wissenschaftlichen Arbeiten kannten. So dürfte Quickborn in der Szene einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Dies wird dann noch verstärkt, wenn - wie geplant - ein Tagungsband mit den Ergebnissen dieser Veranstaltung erscheinen wird.
https://www.quickborn1.info/2026/05/22/die-johanniter-im-ehrenamt-f%C3%BCr-die-gesundheit-der-quickborner/https://www.quickborn1.info/2026/05/22/die-johanniter-im-ehrenamt-f%C3%BCr-die-gesundheit-der-qui

Janine Doerry moderierte zwei der vier Panels
Janine Doerry moderierte zwei der vier Panels
Yorai Linenberg kam extra aus den USA und hatte damit die weiteste Anreise
Yorai Linenberg kam extra aus den USA und hatte damit die weiteste Anreise
Auf dem Programm stand eine Exkursion zum Henri-Goldstein-Haus, dessen Bedeutung Vereinsmitglied Amelie Berking erläuterte - Jens-Olaf Nuckel führte die Gruppen zu den anderen Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel das Gefangenenhaus
Auf dem Programm stand eine Exkursion zum Henri-Goldstein-Haus, dessen Bedeutung Vereinsmitglied Amelie Berking erläuterte - Jens-Olaf Nuckel führte die Gruppen zu den anderen Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel das Gefangenenhaus
... die diese beiden Fans gerne nutzten
... die diese beiden Fans gerne nutzten
Eine Überraschung hatte Elke Schreiber für ...... parat: Sie überreichte ihm, dessen Tante ihre Nachbarin ist, das Jahrbuch 2025 des Heimatverbandes des Kreises Pinneberg, das umfassend über das Himmelmoor berichtet
Eine Überraschung hatte Elke Schreiber für ...... parat: Sie überreichte ihm, dessen Tante ihre Nachbarin ist, das Jahrbuch 2025 des Heimatverbandes des Kreises Pinneberg, das umfassend über das Himmelmoor berichtet

Jens.Olaf Nuckel (l.) führte durch das Programm, Dr. Karsten Wilke trug unter dem Titel „Torfabbau, unfreie Arbeit und Gewalt im Quickborner Himmelmoor von 1900 bis 1945" Ergebnisse aus seinem kommenden Buch vor .

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