Anwohner-Initiative Parkquartier reicht Stellungnahme zum Masterplan ein und kritisiert unzureichende Informationsgrundlage der Bürgerbeteiligung

Sven Pienkoss hat gemeinsam mit seinem Mitstreiter Sven Max die Stellungnahme zum Masterplan eingereicht
Sven Pienkoss hat gemeinsam mit seinem Mitstreiter Sven Max die Stellungnahme zum Masterplan eingereicht

7.6.2026 | Die Anwohner-Initiative Parkquartier Marktstraße hat eine Pressemitteilung zur ihrer Stellungnahme zum „Masterplan" herausgegeben, die wir im Wortlaut veröffentlichen.

 

Masterplan Quickborn: Bürger sollen Stellung nehmen, bevor die fachlichen Grundlagen zugänglich sind

Anwohner-Initiative Parkquartier Marktstraße reicht Stellungnahme ein und kritisiert unzureichende Informationsgrundlage der Bürgerbeteiligung

Quickborn, 05.06.2026

Die Frist für Hinweise und Anregungen zum städtebaulichen Masterplan Bürgerdialog in Quickborn ist am 04.06.2026 abgelaufen. Die Anwohner-Initiative Parkquartier Marktstraße hat fristgerecht eine ausführliche erste Stellungnahme eingereicht.

Die Initiative kritisiert jedoch die Voraussetzungen der bisherigen Bürgerbeteiligung deutlich: Die fachlichen Unterlagen, auf denen die beim Bürgerdialog vom 22.04.2026 vorgestellte Präsentation und die darin enthaltenen Aussagen beruhen, wurden bislang nicht öffentlich zugänglich gemacht.

 

Veröffentlicht wurden nach dem Bürgerdialog im Wesentlichen lediglich eine unkommentierte Präsentation sowie eine als „Dokumentation“ bezeichnete Zusammenfassung der Veranstaltung. Aus Sicht der Initiative reicht dies nicht aus, damit Bürger die zugrunde liegenden Annahmen, Berechnungen, Bewertungen und Schlussfolgerungen nachvollziehen und fundiert dazu Stellung nehmen können. Erst recht werden diejenigen Bürger benachteiligt, die nicht vor Ort waren und selbst den zumindest ergänzenden Vortrag der Referentin nicht mitbekommen haben.

 

Entscheidung über Informationszugang möglicherweise erst am 29.06.

Bereits am 29.04.2026 hatte die Initiative bei der Stadt Quickborn einen Antrag nach dem Informationszugangsgesetz Schleswig-Holstein gestellt. Gegenstand des Antrags sind die Unterlagen der beauftragten Fachbüros, auf denen die Masterplan-Präsentation beruht.

https://fragdenstaat.de/anfrage/unterlagen-der-beauftragten-fachbueros-zur-masterplan- praesentation-vom-22-04-2026/

 

Die Stadt teilte nun mit, dass die Bearbeitung eine „umfangreichere Sichtung und eingehendere Prüfung“ erfordere. Innerhalb der gesetzlichen Monatsfrist könne daher keine abschließende Entscheidung getroffen werden. Eine Entscheidung, ob überhaupt Unterlagen veröffentlicht werden, soll spätestens bis zum 29.06.2026 erfolgen.

 

Damit ergibt sich aus Sicht der Initiative ein erheblicher Widerspruch:

Frist für Hinweise und Anregungen der Bürger: 04.06.2026

Entscheidung über den Zugang zu den fachlichen Grundlagen: möglicherweise erst 29.06.2026

 

Die Bürger sollen damit Stellung nehmen, bevor sie die Unterlagen kennen, auf denen der Masterplan beruht.

„Eine Präsentation kann einen Vortrag begleiten. Sie ersetzt aber keine vollständige fachliche Arbeitsgrundlage. Wenn Bürger ernsthaft beteiligt werden sollen, müssen sie nachvollziehen können, auf welchen Daten, Kriterien und Berechnungen die vorgeschlagenen Entwicklungsrichtungen beruhen“, erklärt Sven Max von der Anwohner-Initiative. Zudem wirkt befremdlich, dass die Stadt Quickborn mindestens 200.000 Euro für diese Unterlagen und die Unterstützung externer Unternehmen bezahlt hat.

 

„Wenn die Stadt noch Zeit benötigt, die Unterlagen bereitzustellen, wäre das ja kein Problem. Aber dann endete die Beteiligungsfrist zu früh und offensichtlich hat dann auch der Bürgerdialog zu früh stattgefunden“, ergänzt Sven Pienkoss.

 

ULD nimmt Kontakt zur Stadtverwaltung auf

Die Initiative hat deshalb das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) eingeschaltet, das auch für Fragen des Informationszugangs zuständig ist. Nach einer ersten Rückmeldung hat das ULD angekündigt, den Vorgang gegenüber der Stadtverwaltung aufzugreifen und Kontakt mit der Stadt Quickborn aufzunehmen.

 

Nach Einschätzung der Initiative fehlt bislang insbesondere eine hinreichend konkrete Begründung dafür, warum weder ein kurzfristiger Teilzugang zu bereits herausgabefähigen Unterlagen noch zumindest ein Verzeichnis der vorhandenen Dokumente ermöglicht wurde.

 

Die Initiative fordert deshalb:

- kurzfristige Veröffentlichung der fachlichen Grundlagen,

- zumindest die Bereitstellung eines vollständigen Verzeichnisses der vorhandenen Unterlagen,

- eine erneute Öffnung der Beteiligungsfrist nach Veröffentlichung der wesentlichen Dokumente,

- sowie die Möglichkeit, die eingereichte Stellungnahme anschließend zu ergänzen.

 

Stellungnahme trotz fehlender Unterlagen eingereicht

Trotz der unzureichenden Informationslage hat die Anwohner-Initiative eine erste ausführliche Stellungnahme zum Masterplan eingereicht.

 

Darin wird ausdrücklich klargestellt, dass nicht jede Entwicklung Quickborns grundsätzlich abgelehnt wird. Wohnraum für Quickborner, die ihn tatsächlich benötigen, kann sinnvoll und notwendig sein — beispielsweise für ältere Menschen, die eine kleinere und barrierearme Wohnung suchen, für junge Menschen, die in ihrer Heimatstadt bleiben möchten, oder für Familien aus Quickborn.

 

Aus Sicht der Initiative müssen Umfang, Standorte und Folgen weiteren Wachstums jedoch auf einer belastbaren Datengrundlage diskutiert werden.

 

Zu den zentralen Forderungen gehören:

- nachvollziehbare Herleitung der Szenarien mit 100, 150 oder 200 neuen Wohnungen pro Jahr,

- belastbare Zahlen dazu, wie viele Neubauwohnungen tatsächlich von bereits in Quickborn lebenden Menschen benötigt werden und welcher Anteil auf zusätzlichen Zuzug entfällt,

- konkrete Prüfung der Folgen weiteren Wachstums für Verkehr, Schulen, Kitas, medizinische Versorgung und sonstige Infrastruktur,

- Definition klarer Belastungsgrenzen,

- Schutz von Grünflächen, Ortsrandlagen und gewachsenen Wohngebieten,

- klare Grenzen für Nachverdichtung und beschleunigte Bauverfahren,

- sowie eine transparente Prüfung grundsätzlich unterschiedlicher Entwicklungsalternativen — einschließlich einer bedarfsorientierten Variante mit deutlich geringerem oder keinem zusätzlichen Bevölkerungswachstum.

- Wachstum und Nachverdichtung dürfen nicht als alternativlos gelten

Die Initiative kritisiert zudem, dass Wachstum und Nachverdichtung beim bisherigen Bürgerdialog weitgehend als gesetzte Grundrichtung erschienen. Aus Sicht der Initiative müsse aber gerade diese Grundsatzfrage offen diskutiert werden:

Soll Quickborn weiterhin in bisheriger Geschwindigkeit wachsen?

Und: Wo soll bewusst nicht weiter verdichtet werden, um Lebensqualität, Grünflächen und den Charakter gewachsener Wohngebiete zu erhalten?

„Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wo können wir noch bauen? Entscheidend ist zuerst: Welche Entwicklung braucht Quickborn tatsächlich — und wie viel zusätzliche Belastung verträgt die Stadt, ohne ihre Lebensqualität und ihren Charakter zu verlieren?“, erklärt Pienkoss.

 

Stellungnahme soll nach Zugang der Unterlagen ergänzt werden

Die eingereichte Stellungnahme steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt einer Ergänzung, sobald die bislang fehlenden fachlichen Grundlagen zugänglich gemacht wurden. Die Initiative fordert die Stadt Quickborn auf, ergänzende Hinweise auch nach Ablauf der bisherigen Frist vollständig zu berücksichtigen.

 

„Bürgerbeteiligung braucht Informationen. Wenn die fachlichen Grundlagen möglicherweise erst nach Ablauf der Beteiligungsfrist zugänglich werden, entsteht zwangsläufig der Eindruck, dass bislang eher Bürgerinformation oder eine reine Show als echte Beteiligung auf Augenhöhe stattfindet“, so Max und Pienkoss.

 

Die vollständige Stellungnahme ist abrufbar unter:

https://parkquartier-marktstrasse.de/einreichung-unserer-stellungnahme-zum-masterplan/

(Unten zum direkten Download; Außerdem der von der Stadt veröffentlichte Masteplan)

 

Kontakt

Anwohner-Initiative Parkquartier Marktstraße

Sven Max und Sven Pienkoss [email protected] 0176-48250477 https://parkquartier-marktstrasse.de/

 

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