
10.5.2026 | 55 Prozent aller Deutschen möchten nach einer Umfrage nicht mehr an die Nazi-Zeit erinnert werden, wusste Jens-Olaf Nuckel bei der jüngsten Veranstaltung zu berichten. Doch
der Vorsitzende des Trägervereins Henri-Goldstein-Haus stemmt sich gemeinsam mit seinen Mitstreitern kräftig dagegen und so hatte der Verein in Erinnerung an den 8. Mai 1945, den Tag des Ende der
Nazi-Herrschaft wieder zu einer Veranstaltung eingeladen. Leider waren nur wenige Besucher zum Vortrag des Journalisten Michael Legband über das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in
Itzehoe gekommen. Die Abwesenden versäumten einen spannenden Bericht über die Geschichte des Mahnmals und die beiden prominenten Beteiligten, den Initiator Gyula Trebitsch und den Architekten
Fritz Höger.
Trebitsch, der später als Filmproduzent und Gründer von Studio Hamburg bekannt werden sollte, war nach seiner Befreiung aus dem KZ Wöbbelin von den Alliierten ins Krankenhaus nach Itzehoe verlegt worden. Als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinschaft initiierte er ein Mahnmal, das unter großem Anteil der Bevölkerung am 8. September 1946 auf einem zentralen Platz in Itzehoe eingeweiht wurde. Gestaltet wurde es von Fritz Höger, der u.a. als Architekt des Chilehauses in Hamburg berühmt geworden war. Bemerkenswerterweise war Höger NSDAP-Mitglied gewesen und hatte sich sogar Hoffnungen gemacht, unter Hitler Bauminister zu werden, hatte aber unter den Nazis keine Karriere gemacht.
Legband, der ein sehr umfangreiches Buch über das Mahnmal und seine Geschichte geschrieben hat, erinnerte daran, dass die Errichtung des Mals zu einer Zeit erfolgte, da viele Nazi-Größen in der Nachkriegszeit nicht nur in Itzhoe wieder führende Ämter in der Verwaltung und in der Justiz einnahmen.
1957 wurde das Ehrenmal in einen abseits gelegenen Stadtpark versetzt und nicht einsehbar einer Baumgruppe zugeordnet. Es konnte nicht mehr mahnen. Dies kritisiserte Prof. Gyula Trebitsch, als er 1989 an dem Mahnmal zu einer Gedenkrede eingeladen war. Nach längerer Debatte gelang es, das Bauwerk 1995 an den alten Platz umzusetzen. Ministerpräsidentin Heide Simonis weihte es im Rahmen einer Feierstunde ein. 2021 wurde im Rahmen eines Festaktes in Anwesenheit der Trebitsch-Kinder Katharina und Markus an die Einweihung vor 75 Jahren erinnert.
Im zweiten Teil seines Vortrages ließ Legband, der selbst einen bemerkenswerten Lebensweg vorzuweisen hat, die Lebensläufe von Trebitsch und Höger Revue passieren. Legband war Journalist u.a. beim sh:z-Verlag, bei den Lübecker Nachrichten, der WELT, RTL und ZDF. Darüber hinaus ist er Autor von regional-geschichtlichen Büchern sowie zahlreichen Kunstbüchern.
Ein spannender Nachmittag, der an ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte erinnerte. Getreu dem Motto von Gyula Trebitsch: „Wer die Geschichte vergisst, verliert sein Gesicht!"
Das Mahnmal in Itzehoe

Kommentar schreiben