28.4.2026 | Hans-Werner Seyboth ist dem einen oder anderen als Künstler bekannt, der auch schon mit verschiedenen Ausstellungen in Quickborn präsent war. Unser Gespräch hat aber aber
auch ganz anderes Wirken in der Eulenstadt in Erinnerung gerufen.
Herr Seyboth, erst einmal vielen Dank, dass ich hier bei Ihnen im Atelier zu Gast sein darf. Der eine oder andere kennt Sie ja aus Quickborn, wo sie bereits einige Ausstellungen z.B. im
TuS-Vereinheim hatten. Und wie ich gerade festgestellt habe, sind Sie auch mit einigen Werken auf dem Helenenhof in Quickborn-Renzel vertreten.
Das ist eine Dauerausstellung, die habe ich mal mit der Inhaberin Frau Cotterell ausgemacht. Ich bringe immer mal wieder Bilder hin und wechsel sie aus. Die Bilder stehen
zum Verkauf, aber die Leute gehen ja nicht wegen den Bildern dorthin, sondern wegen der Konzerte oder Lesungen.
Ja, aber ich fand es eine Bereicherung, die Räumlichkeiten sind ja als solche schon mal beeindruckend. Und wenn dann noch ein paar interessante Werke ausgestellt sind, wertet das die Räumen
noch auf. Sie sind ja eigentlich bekannt durch einen speziellen Stil?
Das ist der Farbstift, den ich während des Studiums an der HFBK in Hamburg entdeckt habe. Damals mussten wir ja noch alles selber zeichnen. Es gab keine CAD, keinen
Computer. Und die Pläne wurden dann gepaust, also kopiert, und anschließend wurden sie koloriert. Das hat man damals mit Farbstift gemacht. Und ich habe dann mehr oder weniger den Farbstift
als Mittel für meine künstlerische Arbeit entdeckt.
Es riecht nicht. Ich kann es auch in kleinen Örtlichkeiten nutzen. Ich kann damit auch unterwegs in kleinen Formaten arbeiten….
Aber künstlerisch war ich schon seit meiner frühesten Jugend tätig, ohne dass ich belastet war durch meine Eltern. Meine Eltern haben das nicht gemerkt. Die haben es erst gemerkt, als ich zum
Abitur den Fachpreis für Bildende Kunst bekam. Dann haben sie gemerkt, ah ja, der kann ja doch was. Zu Hause habe ich mehr oder weniger auf dem Boden gearbeitet, weil die Örtlichkeit so klein
war. Ich hatte keinen vernünftigen Tisch und musste also immer auf dem Boden arbeiten. Das habe ich ganz gerne gemacht. Damals habe ich noch überwiegend mit Tusche gezeichnet.
Später bin ich also beim Farbstift geblieben, das ist nicht ganz so stark verbreitet wie normalerweise Öl oder Acryl. Also Farbstiftzeichnungen sind relativ selten.
Aber ich will das Stichwort Zuhause gleich noch einmal aufgreifen. Wo war denn das Zuhause?
Das Zuhause war in Süddeutschland. Ich habe ja in Reichenbach an der Fils gewohnt. Das ist 25 Kilometer von Stuttgart entfernt. Zur Schule bin ich dann ins Gymnasium nach Esslingen gefahren,
immer mit der Bahn. Das waren 15 Kilometer. Da musste man damals morgens, samstags auch zur Schule. Da bin ich immer um sieben ungefähr losgefahren und um sieben Uhr vierzig fing die Schule an.
Jeden Tag.
Was hat Sie dann in den Norden geführt? Gab es da noch Zwischenstationen?
Nein, das war die Liebe. Meine erste Frau hatte ich kennengelernt, da war ich bei der DLRG in Eckernförde in der Rettungswache aktiv.
Von Ihrem Heimatort aus?
Von meinem Heimatort aus. Wir sind damals mit meinem Bruder, einem Freund und ich nach Eckernförde gefahren. Mit dem Auto, mit so einem alten VW, den mein Bruder und ich bekommen hatten. Da
war ich gerade kurz vor dem Abitur, mit 18. Ich war einmal sitzen geblieben, das ist nichts Schlimmes.
Damals hatten wir Kunst, Musik und Turnen, das waren die drei Fächer, in denen ich gut war. Vielleicht noch Religion, aber ansonsten hatte ich nur die ganzen langen Wörter immer im Zeugnis. Und
ja, mit dem Fachpreis für Bildende Kunst habe ich dann meine Eltern mehr oder weniger überzeugt, dass ich dann doch lieber irgendwas in die Kunstrichtung machen wollte.
In Eckernförde habe ich also meine Frau kennengelernt. Sie war mit ihrer Freundin das erste Mal allein in Urlaub, sie war damals 17, ich war gerade 18 geworden. Sie wohnte in Braunschweig,
Und es war natürlich ein sehr langer Weg nach Süddeutschland. Und damals gab es ja noch kein Smartphone, also musste man noch richtig telefonieren, musste noch richtig Geld ausgeben, um mit
seiner Liebsten zu telefonieren.
Sie ging dann nach Hamburg und ich habe in Hamburg studiert. Damals habe ich auch ganz in ihrer Nähe gewohnt. Nach dem Diplom in 1976 habe ich sie dann geheiratet.
In meinen Augen hatte die Hochschule für Bildende Künster (HFBK) so etwas wie das Bauhaus, aber es war natürlich etwas völlig anderes.. Die Architekturabteilung war völlig getrennt. Lange Zeit ga
es auch einen speziellen Abschluss „Architekt, HFBK“, obwohl man 10 oder 12 Semester studiert hatte. Als ich mein Studium abschloss, gab es aber schon das offizielle „Diplom“!
Nun stellt man sich ja vor, dass zum Architekturstudium auch ein gewisses technisches Know-how gehört. Wenn ich Sie so richtig verstanden habe, waren das aber nicht Ihre Lieblingsfächer
in der Schule?
Nein, in der Schule nicht. Aber in Mathematik habe ich mich auf Drei verbessert. Dank eines Freundes, der auf einer anderen Schule war, der in Mathe sehr gut war. Und das hat mir dann das Abitur gerettet, diese Drei in Mathematik. Und heute kann ich noch alles, was rechnerisch damit zu tun hat, nachvollziehen.
Also Sie können ein Haus noch konstruieren, nicht nur zeichnen?
Ich kann das auch mehr oder weniger konstruieren, ja! 1976 habe ich das Diplom gemacht, mit Eins. Und habe mich dann in verschiedenen Büros beworben. Aber die meisten Büros wollten mich nicht
haben, weil ich zu gut abgeschnitten hatte. Das hatte ich von einer Kollegin gehört, die in einem Büro angefangen hatte, wo ich mich auch beworben hatte. Die hatte das Diplom mit Drei gemacht.
Und die ist dann gerne genommen worden, aber mit einer Eins als Note, mit so einem wollte man nicht so gerne zusammenarbeiten.
Aber Sie sind irgendwo untergekommen…
Ende der 70er-Jahre kam ich dann nach Quickborn. Ich hatte mich in Norderstedt beworben. Die Norderstedter hatten meine Bewerbung dann weitergereicht, weil sie sich schon entschieden hatten. Dann
habe ich zwei Jahre in Quickborn als Architekt und als Stadtplaner gearbeitet. Unter dem damaligen Bürgermeister Gerd Willner. Ich habe noch im alten Bauamt gearbeitet, bin dann aber mit ins neue
Rathaus gezogen.
Das habe ich aber nur zwei Jahre ausgehalten, weil damals ein ortansässiges Bauunternehmen sehr stark das Stadtbild beeinflusst hat.
1980 fing ich dann schon in Altona als Stadtplaner an. Und 1986 trat ich dann, nachdem ich als Stadtplaner gemerkt hatte, dass die absolute Mehrheit der CDU das ganze Geschehen in Quickborn
bestimmte, bei den GRÜNEN ein und habe ich mich als Kommunalpolitiker beworben. 1986 war ich Spitzenkandidat der Grünen und wir haben dann auf Anhieb über 13 Prozent gewonnen.
Dann haben Sie also weiter in Quickborn gewohnt, obwohl Sie in Altona beruflich engagiert waren?
Ja, ich hatte dieses kleine Häuschen an der Kieler Straße bekommen. Ich wollte in Quickborn wohnen. Dort wohne ich immer noch, inzwischen seit über 40 Jahren.
Also dann sind Sie in die Kommunalpolitik eingestiegen??
Ich bin also 1986 bei der Kommunalwahl mit über 13 Prozent in die Kommunalpolitik eingestiegen und habe dann bis ungefähr 1990 in der Kommunalpolitik gearbeitet.
In der Zeit habe ich auch die Erhaltungsinitiative Gartenhof gegründet, der an der Schulstraße lag. Damals sollte der Gartenhof erhalten werden. Es sollte untersucht werden, ob er
erhaltungswürdig ist oder nicht. Bevor das gemacht wurde, wurde er abgerissen.
Aber zurück zum kommunalpolitischen Engagement...damals
Ich war ja dann noch lange ein normales Mitglied. Damals noch in der Stadtvertretung und im Planungsausschuss. Da habe ich viel mit Jens-Olaf Nuckel (SPD) zusammengearbeitet. Wir hatten ja mal
kurze Zeit die absolute Mehrheit, SPD und Grüne.
In der Zeit wurde dann das Freibad erhalten. Das ging auf uns zurück. Wir hatten damals auch die Baumschutzsatzung erlassen, aber auf Vorschlag der CDU wurden dann vorher, bevor die Satzung
erlassen wurde, überall die Bäume abgehackt.
Daraufhin hat die FDP eine Bürgerbefragung durchgeführt und die hat sich dann dafür entschieden, dass die Baumschutzsatzung wieder abgeschafft wird.
Während meiner kommunalpolitischen Tätigkeit habe ich übrigen meine zweite Frau kennengelernt, als ich in den Wintermonaten den Standdienst für die GRÜNEN gemacht habe. Meine erste Frau hatte
sich von mir getrennt und meine später zweite Frau schaute bei uns am Stand vorbei und ich habe ihr die Hände gewärmt … Das hat dann den Ausschlag gegeben für die spätere Beziehung.
Und mit Ihrer Frau, das habe ich ja noch mitbekommen, waren Sie viel mit dem Wohnmobil unterwegs?
Ja, wir waren ungefähr zehn Jahre mit dem Wohnmobil unterwegs. Das war eine sehr schöne Zeit. Ich habe sie dann bis zuletzt gepflegt, bis sie dann 2023 an Brustkrebs gestorben ist.
Haben Sie denn bis zur Pensionierung in Altona gearbeitet?
Bis zur Pensionierung habe ich in Altona gearbeitet, von 1980 bis 2013, als ich in Altersteilzeit gegangen bin.
2015 gehörte ich zu den Gründungsmitgliedern des Kunstvereins Quickborn. Ende 2025 habe ich die Dachsanierung der evang. Kirche mit einer Zeichnung unterstützt, die beim Adventskaffee der Kirche
für 520 Euro versteigert wurde.
Im gleichen Jahr, als ich pensioniert wurde, habe ich dann dieses Atelier in einem alten Bauernhaus in Henstedt-Ulzburg bezogen und freue mich, dass ich dann hier einmal die Woche arbeiten kann.
Man hat hier einen wunderbaren Blick. Ich kann also nicht in einer Örtlichkeit arbeiten, wo man kein Fenster hat, wo der Blick nach draußen fehlt. Hier bin ich mit der Natur verbunden.
Einmal in der Woche können Besucher ja auch vorbeischauen und gern auch ein Werk von Ihnen erwerben…
Ja, jeden Mittwoch können Besucher von 10 - 17 Uhr bei mir am Hörnerkamp 13 in Henstedt-Ulzburg vorbeischauen. Ich bin ganz am Ende der Diele zu finden, im Zweifel bin ich unter 0177 248 66 95 zu
erreichen. Unter dieser Telefonnummer sind auch individuelle Terminabsprachen möglich.
Vielen Dank, Herr Seyboth, für diesen offenen Einblick in Ihr Leben! Ich wünsche Ihnen noch viele Jahre ein befriedigendes künstlerisches Schaffen!


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Sabine Schaefer-Maniezki (Montag, 04 Mai 2026 07:36)
Der obige Artikel enthält leider einen gravierenden Fehler! Es heißt in einem Artikel zur politischen Arbeit von Hans-Werner Seyboth "Daraufhin hat die SPD eine Bürgerbefragung durchgeführt".
Das ist nicht richtig! Statt SPD müsste hier stehen FDP, denn die Bürgerbefragung zur Baumschutzsatzung in Quickborn wurde auf Initiative der FDP durchgeführt.
Ich würde mich sehr freuen wenn dies korrigiert werden könnte, Herr Kuchel.
Sabine Schaefer-Maniezki (Montag, 04 Mai 2026 09:01)
Herzlichen Dank für die schnelle Korrektur, Herr Kuchel!��
Thomas (Donnerstag, 07 Mai 2026 11:43)
Freue mich als ehemaliger Quickborner über diesen grossartigen Zeichner und Künstler :-)