Trio Adorno: Von Melbourne nach Quickborn

Christoph Callies (Violine), Lion Hinrichs (Klavier) und Samuel Selle (Violoncello) bilden das Trio Adorno
Christoph Callies (Violine), Lion Hinrichs (Klavier) und Samuel Selle (Violoncello) bilden das Trio Adorno

 

29.3.2026 |Das „Trio Adorno“ hat in Quickborn einen Namen, und das nicht nur als bekanntes Kammermusik-Ensemble, sondern auch als Vorstand der hiesigen „Freunde der Kammermusik“. Wir hatten anlässlich ihres Gastspiels kürzlich in Quickborn Gelegenheit, in unserer Reihe der „Quickborner Porträts“ einen Blick auf die Karriere des Trios und die Aufgaben hier in Quickborn zu werfen.

 

Ich freue mich, Sie hier zu treffen. Sie sind ja zu einem Gastspiel heute in Quickborn, sind aber mehr als Gaststars, da Sie eng mit Quickborn verbunden sind.

Ganz genau, zusammen mit unseren Kolleginnen Yvonne Schwartz und Karola Kaldenhoff  bilden wir den fünfköpfigen Vorstand des Kammermusikvereins „Freunde der Kammermusik Quickborn e.V“. Ein Projekt, das unglaublich bereichernd ist und sowohl auf professioneller, als auch auf menschlicher Ebene toll funktoniert.

 

Auf Ihre Vereinsarbeit kommen wir später noch einmal vertieft zu sprechen. Vielleicht können wir zu Beginn zunächst Ihre musikalische Karriere nachvollziehen und wie Sie sich zusammengefunden haben.

Wir stehen als Trio Adorno tatsächlich kurz vor unserer Silberhochzeit (lachen). Da wir uns bereits als Jugendliche gegründet haben, werden wir 2028 unser 25-jähriges Bühnenjubiläum feiern können.

 

Der Hintergrund ist, dass wir uns als Kammermusik-Ensemble schon in Jugendtagen im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend musiziert” gegründet haben. Nach diesem Startschuss haben wir nie wieder aufgehört als Klaviertrio zu musizieren.

Auch die verschiedenen Lebensabschnitte junger Menschen wie Abitur, Zivildienst, Umzüge, das Studium, der vollständige Einsteg ins Berufsmusikerleben haben nie im Weg gestanden, sondern immer die Entwicklung und Reife des Ensembles bereichert.

 

Wie sind Sie denn im einzelnen zu Ihrer Karriere gekommen? Hat das Elternhaus eine Rolle gespielt?

Lion Hinnrichs (Klavier): In meinem Elternhaus war es üblich, dass die Kinder ein Musikinstrument angeboten bekommen. Eines Tages lag deshalb ein Cello unter dem Weihnachtsbaum, das ich anschließend mit mäßigem Talent erlernte. Wie so oft im Leben kam dann der Zufall ins Spiel. Als eines Tages mein Cello über längere Zeit zur Reparatur beim Geigenbauer lag, erhielt ich stattdessen von meinem Cellolehrer einige Klavierstunden. Dort kamen dann endlich Begeisterung und Talent zusammen und eine erbarmungslose Sucht brach aus...

 

Christoph Callies (Violine): Mein Weg zur Violine ist tatsächlich ein etwas ungewöhnlicher, da es bei mir keine musikalische Vorprägung durch das Elternhaus gab, was sonst doch häufig so ist: Ärzte-Kinder werden Ärzte, Juristen-Kinder werden Juristen, Musiker-Kinder werden Musiker. Ich hingegen habe erst relativ spät begonnen und das ebenfalls durch einen Zufall: Als ich aufs Gymnasium kam, gab es einen sehr engagierten Musiklehrer, der immer mit Geigen durch die neuen Klassen lief und sagte: „Hier, guckt mal, das ist eine Geige, das ist ein Bogen, damit kann man einen Ton erzeugen!“

 

Der normale Weg ist ja, dass man im jungen Alter von fünf, sechs, sieben Jahren anfängt mit dem Instrument. Ich habe erst mit elf Jahren begonnen, was ein ungewöhnlich später Startpunkt ist. Der Vorteil ist dann aber natürlich, dass man eine sehr bewusste Entscheidung trifft, auf die man dann große Lust hat. So kam ich zur Geige.

 

Samuel Selle (Violoncello): Bei mir war es hingegen eher der klassische Weg. Meine Eltern sind tatsächlich beide Musiker, beide Organisten. Und so war es ganz normal, dass meine Geschwister und ich auch ein Instrument gelernt haben. Und da meine Geschwister alle ein „hohes“ Instrument spielten, hieß es dann, es müsse mal ein „tiefes“ Instrument dazukommen.

Insofern wurde ich dann beinahe zum Cello gezwungen. Aber es hat sich letztlich ausgezahlt und ich bin äußerst gerne dabei geblieben!

 

Und wie haben Sie dann zum Trio zusammengefunden?

Es wäre natürlich toll, hier eine legendäre Begebenheit zu offenbaren, wie beispielsweise ein spontanes erstes mitfternächtliches Musizieren irgendwo in fernen Landen (lachen). Aber oft haben ja auch gerade die prägenden Lebensgeschichten einen recht profanen Start. Tatsächlich waren wir als Jugendliche gar nicht initiativ für die Gründung des Trio Adorno verantwortlich, sondern wurden von unseren Instrumentallehrern zusammengewürfelt, die damals natürlich einen wesentlich professionelleren Überblick über die Hamburger Nachwuchsmusiker-Szene hatten.

 

Vielen Dank für diesen kleinen Rückblick. Das hat sich alles noch in Hamburg abgespielt, habe ich das richtig verstanden? Und jetzt sind Sie aber ein bisschen in der Welt zuhause.

Auch wenn wir immer wieder die Städte gewechselt haben, begreifen wir uns gerade wegen unserer musikalischen Sozialisation nach wie vor als Hamburger Ensemble, zumal dort auch bis heute unsere Probenstätte beheimatet ist. Allerdings sind die meisten (Kammer-)Musiker ja eh fahrende Gesellen, die ohnehin nie so wirklich sesshaft werden und sich überall auf der Welt pudelwohl fühlen.

 

Das heißt Sie spielen auch Konzerte im Ausland?

Außer in Afrika haben wir auf allen Kontinenten der Welt Konzerte geben können, was wir als großes Privileg empfinden. Vor allem in Regionen der Welt zu musizieren, die die klassische Musik nicht mit der Muttermilch aufgesogen haben, gehört zu den spannendsten Konzerterlebnissen überhaupt. Aber selbstverständlich sind auch die Reisen in Kulturmetropolen wie Melbourne oder Osaka enorm beeindruckend und inspirierend für uns!

 

Eines wird einem aber gerade im Ausland sehr deutlich, nämlich wie stark vor allem die Kammermusikszene in Deutschland in der Breite vertreten ist. Gerade an Quickborn sieht man exemplarisch, dass auch abseits der Millionenstädte arrivierte Kammermusikreihen existieren. Und dieses Phänomen gibt es von Flensburg bis Berchtesgaden, von Aachen bis Görlitz.

 

Aber wenn ich das so höre, Australien, die Welt, darf sich hier Quickborn besonders glücklich schätzen, dass Sie hier sind....

Wir kommen genauso gerne immer wieder nach Quickborn wie nach Melbourne.

 

Wenn das Licht ausgeht, gibt es nur noch 88 Tasten und zweimal 4 Saiten! Dann existiert nur noch die Musik, die Kompositon, die Instrumente und dann ist es auch egal, ob wir vor einer Schulklasse spielen oder in der Elbphilharmonie.

 

Aber da sind wir dann schon bei Quickborn angekommen. Wie ist denn diese Zusammenarbeit oder Ihr Engagement hier vor Ort zustandegekommen?

Wieder einmal der Zufall: Wir haben hier in jungen Jahren - etwa 2014/2015 - noch als Studenten im Rahmen eines Nachwuchskonzertes gespielt. Die „Freunde der Kammermusik Quickborn“ haben schon immer auch junge Künstler engagiert. Spätestens seitdem hat sich eine Verbindung entwickelt, die durch Quickborns Nähe zu Hamburg weiter gewachsen ist.

Als es dann in der Vereinsführung einen Generationenwechsel geben sollte, ist diese erfreuliche Aufgabe dann 2022 auf uns übergegangen.

 

Das ist dann ja ein Glücksfall für Quickborn gewesen. Musste man Sie lange überreden?

Eigentlich nicht. Die Grundanordnung ist natürlich zunächst immer so, dass man als Künstler per se nur die eine Seite des Kulturbetriebes erlebt. Aber gerade deshalb war die Vorstellung, einmal aus Veranstalterperspektive auf die ganze Sache zu schauen, sofort reizvoll. Insofern hatten wir eigentlich keine wirklichen Bedenken, außer dass bei uns vielleicht ganz kurz die Sorge aufkam, wir seien zu jung für solch einen traditionsreichen und würdigen Kammermusikverein.

 

Und, waren Sie?

Nun, der Blick in den Personalausweis verrät einem ja oft, dass man dann in der Regel doch nicht mehr so jung ist, wie man denkt (lachen). Insofern darf man mit Mitte 30 auch gerne mal etwas mehr Verantwortung übernehmen als noch zu Studentenzeiten.

 

Wie sieht das in der Praxis aus? Lassen Sie Ihr Netzwerk spielen? Und wenn Sie jemanden in Melbourne treffen, dann sagen Sie ihm, Mensch, komm doch mal nach Quickborn. Wie läuft das?

Genau solche Situationen sind eigentlich die schönsten Momente. Wenn man neue Musiker oder Ensembles kennenlernt und anschließend Ideen und Konzepte für Konzertabende entstehen. Toll ist es aber natürlich ebenso, dem Publikum bereits bekannte Gesichter zu präsenteren, sodass über viele Jahre hinweg auch Traditionen entstehen können. Wir versuchen, sowohl Tradition als auch Autbruch in unsere Konzertreihe zu integrieren. Genau diese Vielfalt der Programmgestaltung sorgt für unsere schönsten und kreativsten Momente.

 

Und dann gibt es am Ende noch den „Puzzle-Teil“. Schließlich muss alles präzise im voraus geplant werden, da die Künstler in der Regel volle Terminkalender haben.

 

Sind Sie dann für die Absprachen auch ab und zu - abseits von Auftritten - in Quickborn? Oder lässt sich das alles über WhatsApp, E-Mail und Internet regeln?

Sowohl als auch. Natürlich können Programmgestaltung, Terminfindungen und Gagenverhandlungen auch digital ablaufen. Aber gerade, wenn es um die Konzertabende im Saal geht oder um den Dialog mit Vereinsmitgliedern und Netzwerkpartnern, ist der direkte Kontakt unersetzlich. Da sind wir trotz U40 doch recht oldschool (lachen). Gerade bei so vielen unterschiedlichen Partnern wie der Stadt Quickborn, dem Kulturverein, der Musikschule, den Kirchen und den Schulen ist der Dialog vor Ort wesentlich fruchtbarer als über Bildschirme.

 

Das heißt, es ist mehr Arbeit, als man zunächst denkt?

Dadurch, dass unser Vorstand aus fünf Personen besteht, können wir die Aufgaben doch recht gut aufteilen. Vor allem da unsere beiden Vorstandskolleginnen vor Ort in Quickborn leben, haben wir natürlich ein großes Ass im Ärmel, das uns eine Fokussierung auf die Künstlerauswahl ermöglicht. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass wir irgendwie zu Beginn des Jahres nur drei Streichquartette heraussuchen müssen und das war's dann. Vor allem, weil auch innerhalb der Vereinsstruktur viele Details beachtet werden müssen: Welche Fristen müssen eingehalten werden? Wann ist unser Gremium beschlussfähig? Was ist satzungsgemäß und was nicht? Was können wir im Vorstand eigenständig beschließen? Wann macht das Einholen eines Meinungsbildes Sinn? Da gibt es schon viel Material für den vorhin bereits erwähnten Perspektivwechsel.

 

Gibt es etwas, das bei diesem Perspektivwechsel besonders erkenntnisreich war?

Absolut. Wenn man 20 Jahre lang gewöhnt ist, in den Saal zu kommen, das Konzert zu spielen und anschließend direkt wieder abzureisen, kann man gar nicht erahnen, was im Hintergrund alles so an kleinen Schräubchen gedreht werden muss, damit solch ein Konzertabend staxinden kann!

 

Das ist ja doch sehr umfangreich! Deswegen freue ich mich ja sehr, dass wir mit diesem Gespräch die Gelegenheit haben, das gemeinsam an die Öffentlichkeit zu tragen. Dass Sie Vorstand sind, ist ja zumindest bei einigen bekannt, aber wie Ihre Aufgabenstellung insgesamt aussieht, ist jetzt doch sehr viel transparenter geworden.

Gibt es noch etwas, das Sie den Quickbornerinnen und Quickbornern gerne mit auf den Weg geben möchten?

Ja absolut, nämlich dass die Quickbornerinnen und Quickborner eben nicht zwangsläufig nach Hamburg in die Elbphilharmonie fahren müssen, sondern dass sie hier fußläufig vor Ort in einem fantastischen Saal mit einem super Flügel exzellente Künstler erleben können! Bei aller Liebe zu unserer Heimatstadt, aber warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah...

 

Stichwort Elbphilharmonie: Wenn Ihnen das künstlerische Management so viel Freude macht, steht dann irgendwann die Intendanz der Elbphilharmonie an?

Wenn, dann nur in KombinaSon! (lachen)

 

Für heute wünsche ich Ihnen erst einmal viel Erfolg für Ihre Konzerte und die künstlerische Karriere sowie für Ihre Aufgaben hier in Quickborn! Ich bedanke mich sehr für das Gespräch!

 

 

https://www.quickborn1.info/2026/03/26/f%C3%BChrungsakademie-zu-gast-in-quickborn/https://www.quickborn1.info/2026/03/26/f%C3%BChrungsakademie-zu-gast-in-quickborn/https://www.quickborn1.info/2026/03/26/f%C3%BChrungsakademie-zu-gast-in-quickborn/

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