Massiver Protest gegen „Parkquartier" - Politik macht trotzdem den Weg für weitere Schritte frei

Ein ungewohntes Bild: Bis auf den letzten Platz war der Zuschauerraum zur Diskussion über das neue „Parkquartier" besetzt.
Ein ungewohntes Bild: Bis auf den letzten Platz war der Zuschauerraum zur Diskussion über das neue „Parkquartier" besetzt.

 

24.3.2026 | Die Verwaltung hatte extra mehr Stühle aufgestellt, dennoch mussten viele Besucher die Ratsversammlung

am vergangenen Montag im Stehen verfolgen: Der Bürgerinitiative „Parkquartier " war es innerhalb kürzester Frist gelungen, viele Anwohner zu mobilisieren, die die Diskussion zum neuen Wohngebiet verfolgten. Einige Anwohner äußerten ihre Bedenken, Sven Pienkoss und Sven Max stellten für die Initiative kritische Fragen. Vertreter der Politik zeigten sich überwiegend begeistert, so dass am Schluss bei 4 Enthaltungen der CDU mit dem Aufstellungsbeschluss der Weg für die weiteren Schritte freigemacht wurde.

 

Zu Beginn des Tagesordnungspunktes stellte Thomas Katlun (FDP), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt( ASU), geradezu euphorisch das Projekt vor: „Noch nie ist mir ein ähnlich überzeugendes Konzept begegnet!" Auf der Ostermannschaft Wiese an der Marktstraße sind 160 Wohneinheiten, 300 Parkplätze und ein Eventcenter in der vorhandenen alten Scheune geplant. Der ASU hatte den Aufstellungsbeschluss einstimmig durchgewunken. Katlun wies darauf hin, dass auch nach dem Aufstellungsbeschluss Einfluss auf die Planung genommen werden könne.

 

In der Einwohnerfragestunde kritisierte die in Quickborn bekannte Naturführerin Gisela Oden-Behrendt die stehenden Gewässer und die Bepflanzung mit invasiven Arten. Auf die Kritik einer Anwohnerin an der Eventlocation und der zu befürchtenden Lärmbelästigung entgegnete Bürgermeister Beckmann, dass zur Zeit viele private Feiern wie Hochzeiten wegen fehlender Räumlichkeiten in umliegenden Orten wie Hasloh begangen werden müssten. Ein anderer warnte, dass keineswegs  von einem Park die Rede sein könne, sondern dass eine massive Betonwüste geplant sei.

 

Sven Pienkoss und Sven Max, die Sprecher der Anwohnerinitiative, waren zu Beginn von der Ratsvorsitzenden Annabell Krämer als „Experten" zu dem Tagesordnungspunkt zugelassen worden und durften deshalb umfangreiche Fragen stellen. Sie wollten z.B. wissen, warum die Ostermannsche Wiese trotz ihrer Größe, ihrer jahrhundertelangen Unbebautheit und ihrer Orteingangslage als unbeplanter Innenbereich nach § 34 BauGB eingeordnet wird? Liegt der Verwaltung eine dokumentierte Berechnung der für das nach § 13 a BauGB beschleunigte Verfahren (Bauturbo) maßgebliche Grundfläche vor?

Warum legt sich die Stadt Quickborn bereits im Rahmen des Aufstellungsbeschlusses politisch auf ein so großes und inhaltlich weitgehend ausformuliertes Misch- und Veranstaltungskonzept fest, anstatt - wie z.B. In Norderstedt - zunächst mehrere ernsthafte Alternativen zu diskutieren? Vielfacher Beifall der Zuhörerschaft zeigte, dass sie die Bedenken der Anwohner zum Ausdruck brachten. Mit den Antworten der Verwaltung zeigten sich die Fragesteller wenig zufrieden.

 

Wie sich herausstellte, war das Projekt bereits im Dezember  in nichtöffentlichen Sitzungen mit der Politik diskutiert worden, dabei seien auch Alternativen vorgestellt worden. Die Verwaltung hatte sich aber entschieden, nur mit der jetzt vorgestellten Variante in den weiteren Abstimmungsprozess zu gehen.

 

In der anschließenden Diskussion unter den Ratsmitgliedern sprach sich Dirk Rust (SPD) für den Aufstellungsbeschluss aus. Er sprach sich allerdings für eine deutlich höhere Quote  an bezahlbaren Wohnraum aus. Offene Fragen z.B. zum Umwelt- und Lärmschutz könnten nach dem Aufstellungsbeschluss im weiteren Verfahren geklärt werden. Positiv äußerte sich auch Sonja Kruse (Grüne). Jürgen Scharley (FDP) sprach sich ebenfalls für das Projekt aus, mit dem Wohnraum geschaffen werde und das sich u.a. durch die Holzbauweise auszeichne. Er zeigte sich erfreut über die rege Beteiligung der Quickborner, bat um weitere sachliche Diskussionen. Eike Kuhrcke (CDU) begrüßte für seine Fraktion ebenfalls das Projekt, räumte allerdings ein, dass sich einige Mitglieder seiner Fraktion der Stimme enthalten würden. Und so kam es: Von den 25 anwesenden Ratsmitgliedern stimmten 21 für den Aufstellungsbeschluss, 4 CDU-Mitglieder enthielten sich.

 

Nach der Sitzung hat die Anwohnerinitiative in einer ausführlichen Presseerklärung zu der Sitzung Stellung genommen.

Interessenten finden sie in vollem Wortlaut hier.

 

 

Lasse Friedel (Stadtentwicklung), Fachbereichsleiterin Claudia Takla-Zehrfeld und Bürgermeister beantworteten die Fragen, allerdings kaum zur Zufriedenheit der Fragesteller
Lasse Friedel (Stadtentwicklung), Fachbereichsleiterin Claudia Takla-Zehrfeld und Bürgermeister beantworteten die Fragen, allerdings kaum zur Zufriedenheit der Fragesteller

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