Gedenken an Paul Warnecke: Demokratie als Auftrag!

Sie erinnerten an Paul Warnecke und riefen zur Verteidigung der Demokratie auf: Natalie Schulz, Jörg Penning, Luca Moriconi und Sabine Schaefer-Maniezki (v.L)
Sie erinnerten an Paul Warnecke und riefen zur Verteidigung der Demokratie auf: Natalie Schulz, Jörg Penning, Luca Moriconi und Sabine Schaefer-Maniezki (v.L)

7.3.2026 | Initiatorin Sabine Schaefer-Maniezki (Grüne) zeigte sich erfreut: Gemeinsam mit Natalie Schulz, der Quickborner Gleichstellungsbeauftragten, dem Wissenschaftler Jörg Penning und Luca Moriconi (Grüne) konnte sie rund 50 Gäste bei der Gedenkstunde für Paul Warnecke begrüßen. Er war in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1933 im Alter von 19 Jahren von einem SA-Mann erschossen worden und war das erste Todesopfer des Nationalsozialismus in Quickborn. Eine Stele am Paul-Warnecke-Weg im Birkenwäldchen erinnert an den Toten.

 

Schaefer-Maniezki, deren politischer Schwerpunkt im Kreistag liegt, verwies in ihrer Begrüßung auf die Aktivitäten des Kreises zur Aufarbeitung der Nazi-Zeit. Der Kreistag habe sich vor vier Jahren verpflichtet, als Bekenntnis zur Verantwortung ein Erinnerungskonzept durchzusetzen. Im Rahmen dessen schaue man sich die Lebensläufe ehemaliger Landräte und ihre Verstrickung in der Nazizeit an. Man dürfe diese Zeit nicht vergessen, denn nur so könne man sicherstellen, dass sich dieser Teil der Geschichte nicht wiederhole. Selbst in einem Dorf wie Quickborn sei das Regime allgegenwärtig gewesen und politische Überzeugungen seien so brutal verfolgt worden, dass die Menschen ermordet wurden. Man stehe heute zusammen, nicht nur um zu trauern, sondern um ein Zeichen zu setzen: „Nie wieder soll so etwas geschehen!"

 

Der Soziologe Jörg Penning, der sich in seiner Diplomarbeit mit der Nazizeit in Quickborn beschäftigt hatte, rief in seiner Rede die Entwicklung in den 30er Jahren in der Eulenstadt in Erinnerung. In Quickborn mit seinen damals 3.000 Einwohnern sei die NSDAP bereits vor der Machtübernahme die dominierende politische Kraft gewesen. Im Sommer 1932 hätten hier bei den Reichtagswahlen bereits 62 Prozent für die Nationalsozialisten gestimmt. Den Nazis entgegengestemmt hätten sich hier vor allem die Sozialdemokraten und die Kommunisten.

 

Einer von ihnen war Paul Warnecke. Er war einer derjenigen, die sich am Vorabend der Reichtagswahl am 5. März trafen, um Übergriffe der Nazis gegen Vertreter der Kommnunisten zu unterbinden. Als sie in dem heutigen Wäldchen auf eine Nazi-Gruppe trafen und deren Aufforderung stehenzubleiben, nicht Folge leisteten, gaben die Nazis mehrere Schüsse ab, von denen Paul Warnecke tödlich getroffen wurde.

 

2014 empfahl eine Initiative die Umbennung des Platzes, scheiterte jedoch. Stattdessen wurde 2019 eine Gedenk-Stele aufgestellt, die auf die Geschichte aufmerksam macht. 2024 wurde ein Antrag der Grünen auf Umbenennung des Platzes abgelehnt, aber der Weg wurde nach Paul Warnecke benannt.

 

Die komplette Rede von Jörg Penning  steht hier zum Download bereit.

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20260304 Rede_Paul-Warnecke-Gedenken.pdf
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Quickborns Gleichstellungsbeauftragte Natalie Schulz stellte den Antifeminismus in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Das Nazi-System sei davon geprägt. Wer heute glaube, Antifeminismus sei ein Nebenkriegsschauplatz, habe nicht verstanden, wie rechte Ideologien funktionierten. Wir erlebten einen Rechtsruck, rechte Parteien gewönnen an Einfluss.  Gleichstellung würde angegriffen, Frauenrechte würden relativiert. Deshalb sei Erinnerung nicht nur Trauer, sondern auch Widerstand. „Wir stehen hier, um klar zu sagen: Wir akzeptieren keinen Hass, der sich hinter Traditionen versteckt. Wir akzeptieren keine Ideologie, die Gleichberechtigung als Bedrohung versteht. Wir akzeptieren keinen Antifeminismus, der Machtverhältnisse retten will!" Quickborn sei heute ein anderer Ort als damals, aber Demokratie sei kein Zustand, sondern eine Aufgabe, immer und immer wieder!

 

Luca Moriconi (Grüne) erinnerte daran, dass damals wie heute Rechtsextreme demokratische Mittel nutzten, um an die Macht zu kommen. Sie könnten bei den anstehenden Landtagswahlen teilweise sogar stärkste Kraft werden. Besonders besorgniserregend sei es seiner Meinung, wenn demokratische Parteien Argumente der Rechten übenähmen. „Demokratie verteidigt man nicht, indem man den Gegner kopiert, sondern indem man Klarheit schafft!" Die Geschichte lehre, dass Demokratie nicht über Nacht sterbe, sondern schrittweise erodiere: durch Gleichgültigkeit, durch Relativierung roter Linien. Wenn  wir heute an Paul Warnecke erinnerten, dann auch als Auftrag, frühzeitig zu widersprechen, demokratische Institutionen zu stärken und solidarisch mit all jenen zu bleiben, die von rechter Hetze betroffen sind. Demokratie verteidige sich nicht von selbst. „Lasst uns wachsam sein! Lasst uns mutig sein!"

Der Soziologe Jörg Penning ließ die Geschichte Quickborns zur Nazizeit Revue passieren und schilderte die Ermordung Paul Warnecke, die sich auch auf der Stele zu seiner Erinnerung findet (im Hintergrund)
Der Soziologe Jörg Penning ließ die Geschichte Quickborns zur Nazizeit Revue passieren und schilderte die Ermordung Paul Warnecke, die sich auch auf der Stele zu seiner Erinnerung findet (im Hintergrund)

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Kommentare: 6
  • #1

    Sabine Schaefer-Maniezki (Sonntag, 08 März 2026 14:35)

    Hallo Herr Kuchel, wir freuen uns sehr über ihren hervorragenden Artikel über unsere Veranstaltung! Herzlichen Dank!

  • #2

    Gunnar Schmid (Sonntag, 08 März 2026 18:21)

    Ganz herzlichen Dank an die Organisatoren dieses wichtigen Gedenkes ,in Zeiten des sich neu formiernden, europaweiten Rechtsrucks.
    Und ein großes Dankeschön für den ausführlichen Artikel!

  • #3

    Hans-Joachim (Montag, 09 März 2026 10:16)

    Leider habe ich von der Veranstaltung erst durch diesen Artikel erfahren.
    Ich wäre gern dabei gewesen.

  • #4

    Helena (Dienstag, 10 März 2026 10:18)

    Ich denke, daß die heutige Gefahr von linkem Terror und den importierten Antisemiten und Frauenhassern ausgeht!

  • #5

    Wolfgang Böhne (Dienstag, 24 März 2026 14:49)

    toller Artikel ! im nächsten Jahr bin ich dabei !
    Liebe Frau Helena ,warum bleiben sie ohne Namen ? vielleicht weil ihre Meinung einfach ein nachplappern
    von Rechtsextremen ist ! Durch die wurde der Junge feige in den Rücken geschossen.Quickborn braucht wirklich
    keine NAZIS mehr.

  • #6

    Helena (Dienstag, 31 März 2026 10:29)

    Schrecklich die täglichen Vergewaltigungen und Messerstechereien die durch die Nazis verübt werden.

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