25.2.2026 | Das erlebt man nicht so häufig: Schon eine halbe Stunde vor der Veranstaltung ist der Parkplatz vor dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium voll besetzt und Nachzügler suchen noch einen Platz auf dem Parkplatz des Ärztezentrums. Und so war es auch kein Wunder, dass die Plätze in der Aula voll besetzt waren, als Ralf Hagens den Taktstock zum diesjährigen Konzert des Quickborner Projektorchesters OP[ku] hob. Und die Besucher konnten unter dem Motto „Dance" eine fulminante Zeitreise durch die Geschichte des Tanzes genießen.
Es ist jedes Jahr aufs Neue ein Phänomen: Der ehemalige Berufsmusiker Ralf Hagens versammelt einmal jährlich 55 Musikerinnen und Musiker aus ganz Norddeutschland in der Eulenstadt, probt mit ihnen nur wenige Male und präsentiert dem Publikum seit inzwischen rund zwölf Jahren ein mitreißendes Konzert unter wechselndem Motto. In diesem Jahr stand der Nachmittag unter dem Leitgedanken „Dance“ und das Ziel war klar: Freude und Energie in den Saal zu tragen. Unterstützung erhielt das Orchester dabei von zahlreichen Tänzerinnen und Tänzern, die das Motto sichtbar und lebendig werden ließen.
Eine besondere Stärke der OP[ku]-Konzerte ist die kenntnisreiche und zugleich unterhaltsame Moderation von Hagens. Mit spürbarer Begeisterung führt er in die Werke ein, erläutert ihre Entstehungsgeschichte und beleuchtet ihren gesellschaftlichen Hintergrund. Dass er für Auswahl, Arrangements und Texte rund ein Jahr Vorbereitungszeit investiert, überrascht angesichts dieser Detailfülle kaum.
Den Auftakt machte ein temperamentvoller Tango, eindrucksvoll unterstützt von der Tangoschule Tangonido. Es folgte der Maxglaner Marsch. Kein klassischer Tanz, wie Hagens augenzwinkernd anmerkte, doch immerhin die Begleitmusik für einen Schuhplattler bei der Eröffnungsfeier der Fußball-WM 2006. Mit dem „Trepak“ aus dem „Nussknacker“-Ballett schlug das Orchester den Bogen zur legendären Inszenierung von John Neumeier an der Hamburgischen Staatsoper. Nach einer italienischen „Tarantella“ ging es schwungvoll in die 1920er Jahre: Charleston-Klänge erinnerten an Josephine Baker, mit Titeln wie „Ain’t She Sweet“, „Sweet Georgia Brown“ und „The Charleston“. Auch „Putting on the Ritz“ durfte als Quickstep nicht fehlen.
Beim Walzer überraschte das Programm mit Schostakowitschs „Second Waltz“ statt eines Strauss-Klassikers. Ein Werk, das 1994 unerwartet die deutschen Charts eroberte. Einen besonderen, beinahe meditativen Moment schufen drei Tänzerinnen der Erika-Klütz-Schule aus Hamburg mit ihrer eindrucksvollen Choreografie zu „Sounds of Silence“. Beschwingt und voller Vorfreude auf den zweiten Teil entließ schließlich „Dancing Queen“ das Publikum in die Pause: Jener ABBA-Hit, der seine Premiere 1976 bei der Hochzeit des schwedischen Königspaares feierte.
Wer den Start in den zweiten Teil nicht gleich musikalisch einordnen konnte, dem halfen die Zwischenrufe aus dem Orchester: „Mambo!" aus der West Side Story von Leonhard Bernstein. Auch Ravels „Bolero“, 1928 auf Initiative einer Tänzerin uraufgeführt, durfte nicht fehlen, begleitet von einer anmutigen Solo-Choreografie einer Tänzerin der Erika-Klütz-Schule. Mit einem Augenzwinkern bekannte Hagens, die Polka sei eigentlich nicht sein Lieblingsgenre, doch Henry Mancinis Filmmusik „Pie in the Face“ im Polkastil belehrte eines Besseren und bot insbesondere den Klarinetten Gelegenheit zu brillieren.
Als Hagens „A Whiter Shade of Pale“ ankündigte, lud er das Publikum zu einer kleinen Zeitreise ein: „Haben Sie damals dazu auch eng getanzt?“ Richtig mitreißend wurde es noch einmal mit der „Gabriell School of Traditional Irish Dance“, die sowohl ein Irish Medley als auch „Jump“ von van Halen auf die Bühne brachte. Mit den Zugaben „Can Can“ und „Auld Lang Syne“ endete ein grandioser musikalischer Nachmittag unter großem Beifall.
Vielleicht begleitete viele Besucher auf dem Heimweg ein Satz von Yoko Ono, den Hagens zitierte und der wie ein Motto über dem Konzert stand: „Man soll lieber durch das Leben tanzen als zu marschieren!“ Ein Gedanke, der an diesem Nachmittag eindrucksvoll mit Leben gefüllt wurde.






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