Irene Lühdorff: Lebendige Zeitgeschichte

20.2.2025 | In unserer Serie „Quickborner Porträts“ sprechen wir heute mit Irene Lühdorff, in der Eulenstadt vor allem als Leiterin der Geschichtswerkstatt bekannt.

 

Frau Lühdorff, wir sind hier an einem ganz besonderen Ort….

Ja, im Archiv der Geschichtswerkstatt, das die Stadt hier im Haus Roseneck zur Verfügung stellt.

 

Und Sie sind ja sozusagen das Gesicht der Geschichtswerkstatt…

Ja, die Gründung geht auf mich zurück. Ich habe seinerzeit eine Schrift über die Geschichtswerkstatt in Plön in die Hand bekommen. Damals habe ich die Volkshochschule hier in Quickborn geleitet und gefragt: „Warum machen wir eigentlich nicht auch so etwas?“ So wurde die Geschichtswerkstatt im Herbst 1991 als Kursus der städtischen Volkshochschule gegründet, die GWS ist also kein Verein. Alles, was wir zusammengetragen haben, gehört der Stadt Quickborn.

 

Zunächst hat Frau Papier die Geschichtswerkstatt geleitet und dann Frau Römelt. Als ich in den Ruhestand gegangen bin, wurde ich Mitglied der GWS, und nach dem plötzlichen Tod von Frau Römelt habe ich die Leitung übernommen.  

 

Und jetzt mache ich mir Sorgen darum, wem ich mal meine Schlüssel übergeben soll.

 

Darf man fragen, wie alt Sie sind?

Ja, ich bin vor einigen Tagen 90 Jahre alt geworden.

 

Herzlichen Glückwunsch nachträglich!
Sie sind ja für Ihr langjähriges ehrenamtliches Wirken in diesem Jahr in besonderer Weise geehrt worden. Das sollten wir vielleicht noch mal erwähnen.

Das war im Juli dieses Jahres. Die erste goldene Ehrennadel der Stadt Quickborn habe ich bekommen. Das Projekt soll aber fortgeführt werden. Es sollen dann auch andere Ehrenamtliche ausgezeichnet werden.


Das ist aber nicht die einzige Auszeichnung….

Nein, bereits 2012 würdigte mich die Stadt Quickborn am Tag des Ehrenamtes, 2016 erhielt ich einen Eintrag ins Ehrenbuch des Kreises Pinneberg und 2018 wurde ich mit der Ehrennadel des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.

 
Aber vor Ihrer Tätigkeit als Leiterin der VHS gab es auch schon eine berufliche Laufbahn….?

Ja, das war relativ kurz. Ich habe Philologie, Anglistik und Germanistik in Marburg, München und Göttingen studiert und war Studienrätin, zuletzt an der Gelehrtenschule in Kiel. Ich musste dann aufhören wegen unserer Kinder. Es gab damals noch keine Krippenplätze, keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz und auch noch keine Tagesmütter. Teilzeitarbeit im Schuldienst war undenkbar.


Und wie lange sind Sie jetzt schon in Quickborn?
Seit 1979. Ich bin eine gelernte Quickbornerin, keine Eingeborene. Wir sind nach Quickborn gezogen, weil es hier ein Gymnasium für die Kinder und für meinen Mann eine gute Verkehrsanbindung nach Hamburg gab.

 

Das ist dann ja ein Segen für Quickborn gewesen! Wir haben also einen kleinen Rückblick in Ihren Lebenslauf werfen können. Geboren sind Sie wo?
Ich bin in Kassel geboren, aufgewachsen und dort zur Schule gegangen.


Und was hat Sie dann nach Kiel verschlagen? Die Liebe???

Ja, tatsächlich die Liebe! Ich habe meinen Mann im Urlaub in Eckernförde kennengelernt.

 

Sie haben aber Ihr ganzes Leben ehrenamtlich gearbeitet.
Ja, ich war Vorsitzende des Schulelternbeirates der Grundschule in Hemsbach und später  in der Elternvertretung des Dietrich- Bonhoeffer-Gymnasiums in Quickborn aktiv. Zusätzlich habe ich mich bei der Johanniter Hilfsgemeinschaft engagiert. Von 2003 bis 2016 war ich Mitglied des Kirchengemeinderates der Kirchengemeinde Quickborn-Hasloh. Und als 2015 der Kultur-Verein Quickborn gegründet wurde, war ich bis 2022 dessen stellvertretende Vorsitzende.


Aber auch jetzt noch sind Sie nicht nur für die Geschichtswerkstatt ehrenamtlich tätig.

Ja, ich leite  neben der Geschichtswerkstatt noch zwei weitere Volkshochschulkurse: den Kurs „Kreatives Schreiben“, einen Kurs, der bereits seit 1978 besteht. Und seit etlichen Jahren, ich glaube schon seit 2017, leite ich noch einen Literaturkurs einmal im Monat.


Wie viele Teilnehmer haben Sie denn da so?

Das sind jetzt 10 im Literaturkurs und im kreativen Schreiben sogar 12. Das variiert immer ein bisschen.


Angesichts des Trends zu Social Media und TikTok ist es erfreulich, dass sich doch noch einige für Literatur interessieren...
Ja, das stimmt. Wichtig sind immer auch die persönlichen Kontakte mit aufgeschlossenen und interessierten Menschen, die sich dabei ergeben, und die Tasse Kaffee hinterher gehört dazu!


Soziale Kontakte – das ist heutzutage ein wichtiges Thema.
Das sehe ich auch so. Solange es die Gesundheit zulässt, sollte man die Kontakte zu seinen Mitmenschen pflegen. Es gibt sehr viele Vereine in Quickborn, in denen man sich engagieren kann, und auch das kulturelle Angebot ist vielseitig.

Sie würden sich also mehr Resonanz wünschen?
Ja, manche Vereine mussten schon aufgeben, weil es keinen Nachwuchs mehr gab, und viele Veranstaltungen sind nicht ausverkauft – das ist schade und entmutigt die Veranstalter.


Dieses Hohelied auf das kulturelle Leben in Quickborn, zu dem Sie ja erheblich beitragen, ist doch ein schöner Abschluss unseres Gespräches, denke ich. Ich danke Ihnen für den Einblick in Ihr Leben und wünsche Ihnen noch eine lange erfolgreiche Tätigkeit in und für Quickborn! Alles Gute!

 

 

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