Hillwood-Termin in Kiel: Außer Spesen nichts gewesen!

Bürgermeister Beckmann verlas die Stellungnahme der Stadt zum Hillwood-Treffen in Kiel. Zur Delegation gehörte auch Fachbereichsleiterin Bärbel Bohlmann
Bürgermeister Beckmann verlas die Stellungnahme der Stadt zum Hillwood-Treffen in Kiel. Zur Delegation gehörte auch Fachbereichsleiterin Bärbel Bohlmann

3.12.2025 | Der Termin war schon lange angesetzt: Am 1.12. reiste eine Quickborner Delegation nach Kiel zu einem Abstimmungsgespräch mit Ministerien und Beteiligten über die geplante Hillwood-Ansiedlung in Ellerau. In der Sitzung des Ausschusses für Kommunale Dienstleistungen (AKD) am Dienstag, dem 2.12., trug Bürgermeister Thomas Beckmann eine Stellungnahme der Stadt zum Verlauf des Gespräches vor und machte auch in seinen anschließenden persönlichen Anmerkungen aus seiner Enttäuschung keinen Hehl.

 

Hier die Stellungnahme im Wortlaut:

Unterrichtung über den Verlauf des am 1. Dezember 2025 im Wirtschaftsministerium des Landes Schleswig-Holstein (Kiel) abgehaltenen offenen runden Tisches zum Thema Hillwood

 

Die Einladung zu diesem Termin ist der Stadt Quickborn am 23. Oktober 2025 zugegangen. Die Stadt Quickborn hatte unmittelbar zugesagt und ihre Bereitschaft erklärt, an einer ergebnisoffenen Runde konstruktiv mitzuwirken.

 

Neben der gastgebenden Staatssekretärin Susanne Henckel (Wirtschaftsministerium) nahmen unter anderem teil:

Dr. Frederik Hogrefe, Staatssekretär im Innenministerium

Vertreter und Vertreterinnen des Verkehrsministeriums um Michael Pirschel

eine Delegation der Stadt Quickborn unter meiner Leitung, bestehend aus Bärbel Bohlmann, Volker Voß, Andreas Klug sowie unserem Rechtsbeistand Dr. Fiete Kalscheuer

Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde Ellerau

Vertreterinnen und Vertreter des Kreises Segeberg

Repräsentanten der Firma Hillwood

 

Erwartungshaltung der Stadt Quickborn und Verlauf des Gesprächs

Nach dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Schleswig, das dem Antrag der Stadt Quickborn gefolgt und einen Baustopp verhängt hat, sind wir davon ausgegangen, dass Hillwood, der Kreis Segeberg oder die beteiligten Ministerien konkrete Lösungsvorschläge zur Konfliktbewältigung entwickeln oder vorstellen würden.

 

Die Stadt Quickborn verfügt in dieser Angelegenheit über eine gefestigte rechtliche Position. Entsprechend sahen wir nicht uns, sondern die planungs- und genehmigungsführenden Stellen in der Pflicht, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, um einer weiteren Verfestigung des Konflikts vorzubeugen.

 

Der Termin verlief aus Sicht der Stadt Quickborn enttäuschend.

 

Trotz mehrfacher Hinweise auf die bestehende Rechtslage und die problematischen Verkehrsprognosen wurden keinerlei Lösungsvorschläge von Seiten Hillwoods, des Kreises oder der anwesenden Ministerien unterbreitet. Stattdessen wurde ausdrücklich erwartet, dass die Stadt Quickborn Vorschläge vorlegt – de facto also die Aufgaben übernimmt, die eigentlich Hillwood bzw. die Genehmigungsbehörden zu leisten hätten.

 

Die Ministerien erklärten, sich in dieser Angelegenheit lediglich als moderierende Instanzen zu verstehen. Angesichts der Tragweite und Komplexität des Themas muss diese Rolle aus unserer Sicht als unzureichend bewertet werden.

 

Obwohl die Erwartungshaltung an unsere Stadt nicht nachvollziehbar war, hat Quickborn dennoch mehrere konstruktive Ansätze in die Diskussion eingebracht:

- spürbare verkehrliche Entlastung der bestehenden Autobahnauffahrt Quickborn,

- Prüfung der Einrichtung einer zusätzlichen Autobahnauffahrt, um den zu erwartenden erheblichen Mehrverkehr im Zusammenhang mit dem Hillwood-Projekt abzufedern.

 

Diese Vorschläge wurden jedoch ohne Diskussion zurückgewiesen. Begründung: mangelnde Zuständigkeit verschiedener Behörden bzw. fehlende Bereitschaft zur Mitwirkung, insbesondere seitens der Autobahnverwaltung. Auch das Verkehrsministerium erklärte, sich nicht für zuständig zu halten.

 

Gleichzeitig wurde durch Vertreter der Firma Hillwood wiederholt darauf hingewiesen, dass die Stadt Quickborn in der Sache eine grundsätzliche, „ablehnende Haltung“ einnehme – ein Vorwurf, der angesichts unserer belegbaren Gesprächs- und Lösungsbereitschaft zurückgewiesen werden muss.

 

Haltung der Stadt Quickborn

Die Stadt Quickborn hat erneut deutlich gemacht:

Wir werden keinen Verkehrskollaps im Stadtgebiet in Kauf nehmen.

Grundlage unserer Position sind wissenschaftliche Gutachten sowie der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts.

Auch die Frage Hillwoods, wie viele LKW Quickborn hinnehmen könne und unter welchen Bedingungen wir bereit wären, den erwarteten Mehrverkehr zu akzeptieren, konnte nur eindeutig beantwortet werden:

Quickborn kann und wird im Sinne seiner Bürgerinnen und Bürger keinen unzumutbaren Verkehr akzeptieren. Unabhängige wissenschaftliche Gutachten belegen, dass der Verkehr in den betroffenen Knotenpunkten bereits heute stark überlastet und damit am Limit ist.

 

Dass selbst ein Autobahnanschluss oder eine Ertüchtigung der bestehenden Anschlussstelle laut den beteiligten Landesbehörden „kein Thema“ sein sollen, ist aus Sicht der Stadt nicht nachvollziehbar, zumal Quickborn bereits eigenständig eine Trassenplanung zur Entlastung des Autobahnanschlusses vorbereitet. Eine Unterstützung oder Beteiligung durch das Land wurde jedoch nicht in Aussicht gestellt.

 

Fazit

Der Termin hat leider nicht zu dem konstruktiven Austausch geführt, den wir erwartet hatten. Mit Herrn Pirschel konnte sich auf ein weiteres Gespräch geeinigt werden, dann mit der Autobahn AG.

 

Die Stadt Quickborn bleibt weiterhin dialogbereit, erwartet jedoch, dass Hillwood, der Kreis Segeberg und die zuständigen Landesbehörden ihrer Verantwortung gerecht werden, tragfähige Lösungsvorschläge erarbeiten und die rechtliche Situation respektieren.

 

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Anschließend bezog Beckmann auch noch persönlich Stellung.

 

Man habe sich dem Vorwurf ausgesetzt gesehen, warum man überhaupt nach Kiel gekommen sei, wenn man keine Lösungsvorschläge mitbringe. Das habe er schon fast als wenige dreist empfunden. denn was hätte man gesagt, wenn Quickborn nicht gekommen wäre.

 

Die Staatsrekretärin habe ausschließlich moderiert. „Wenn man mal zusammenrechnet: 27 Personen, 1 1/2  Stunden Treffen - was das gekostet hat??"

 

Der Kreis habe jegliche Schuld für die Fehlentscheidung von sich gewiesen. Man sei jetzt dabei ,Unterlagen zusammenzutragen, die nach seiner Meinung schon vor der Entscheidung hätten vorliegen müssen.

 

Es liege nicht an Quickborn, dass es zu keiner Lösung komme, man sei sehr aktiv und spreche u.a. auch mit Bundestagsabgeordneten. Aber die beteiligten Behörden würden sich sehr zurückziehen.

 

Der Bürgermeister von Ellerau sei wahrscheinlich mit dem Ergebnis zufrieden, weil er auf die Gutachter setze. Aber Gutachter hätten schon bei der geplanten Verbesserung des Bahnüberganges festgestellt, dass diese bei einer Ansiedlung nicht machbar sei.

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Interessierter Mitbürger (Mittwoch, 03 Dezember 2025 22:30)

    In Kiel scheint man gern die nächste Bauruine nach Northvolt verhindern zu wollen, machte sich wohl in der Bilanz des MP nicht so gut. Aber weshalb kommt man Quickborn denn nicht mit einer weiteren Autobahnanschlussstelle entgegen, es wäre -mit Gesichtswahrung für den Kreis Segeberg- doch ein möglicher Weg. Unter den geschilderten Umständen sollte Quickborn vielleicht besser Gerichte entscheiden lassen, als in Kiel Zeit zu verschwenden. Trotzdem, fröhliche Weihnacht!

  • #2

    Raiko (Donnerstag, 04 Dezember 2025 12:51)

    Unfassbar diese Ignoranz. Hier geht es um Menschen und um Sicherheit. Profitgier und Inkompetenz bestimmt dieses Vorhaben. Quickborn bleib standhaft.

  • #3

    Matthias (Samstag, 06 Dezember 2025 06:44)

    Manchmal wirkt das Hillwood-Projekt wie ein unfreiwilliges Theaterstück, in dem alle Hauptrollen versuchen, sich gegenseitig zu übertrumpfen.

    Hillwood jedenfalls scheint vor dem Grundstückskauf weder den Taschenrechner gezückt, noch das Gehirn eingeschaltet zu haben. Ein Logistikzentrum in ein Gebiet zu pflanzen, dessen Straßen schon beim Feierabendverkehr kollabieren, ist mutig. Oder optimistisch. Oder beides. Wer sich eine Immobilie in dieser Lage sichert, ohne vorher die Infrastruktur zu prüfen, zeigt vor allem eins: bemerkenswertes Vertrauen ins Universum.

    Der Ellerauer Bürgermeister wiederum wirkt, als säße er in der Loge und genieße die Vorstellung – Hauptsache, er steht hin und wieder im Scheinwerferlicht. Es ist erstaunlich, wie man als erwachsener Mann an Detailfragen zum Projekt mit der Naivität eines Dreijährigen herangehen kann. Was hat der Herr mal gelernt?

    Und dann das Bauamt des Kreises Segeberg: Dort hantierte man offenbar mit Unterlagen, die so alt sind, dass sie eher ins Archiv eines Heimatmuseums passen. Wenn ein Bauantrag scheitert, weil man mit Plänen aus einer Zeit arbeitet, in der die Beatles noch zusammen waren, dann läuft im Apparat irgendetwas nicht ganz rund. Ein Behördenklassiker.

    Am Ende ergibt das Trio eine seltsame Allianz: Hillwood glaubt an Infrastruktur, die es nicht gibt. Elleraus BM glaubt an Steuereinnahmen, die auch mit Projekt nicht fließen würden. Der Kreis glaubt offenbar ans Aussitzen und macht möglichst gar nichts, um nicht als das dazustehen, was eigentlich offensichtlich ist: überfordert mit seinen Aufgaben.