3.11.2025 | Wie in jedem der vergangenen Jahre lädt der Verein Henri-Goldstein-Haus im Gedenken an den 9. November, diesen schicksalsträchtigen Tag der deutschen Geschichte, zu einem Konzert ein. In diesem Jahr kommt das „Grenzgänger-Projekt" aus Ostfriesland nach Quickborn und präsentiert ein Konzertprogramm mit Songs. Texten und Stories, das sich mit „Verfolgung, Flucht, Rückkehr, Vertreibung und die Widerstände bei der Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit" beschäftigt. Das Konzert findet am 8. November um 19 Uhr im Artur-Grenz-Saal statt. Der Eintritt beträgt 15 Euro, Kartenbestellungen sind unter [email protected] möglich.
Das Grenzgänger-Projekt ist ein etwa zweistündiges Konzertprogramm mit Songs, Texten und Stories zum Leben und Wirken des letzten in der nordwestdeutschen Kleinstadt Jever lebenden Juden Fritz Levy und dem niederdeutsch schreibenden Schriftsteller Oswald Andrae.
Es geht in dem Programm um Verfolgung, Flucht, Rückkehr, Vertreibung und um die Widerstände bei der Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit einer Kleinstadt. Neben den beiden Protagonisten gibt es noch weitere mutige Menschen aus der Region im Nordwesten, die in Songs und Erzählungen eine wichtige Rolle spielen, so zum Beispiel die Oldenburger Sinti-Familie Schwarz, die mit ihren Wohnwagen in Jever lebte, als Fritz Levy Anfang der 50er Jahre aus dem Exil zurückkam, oder Eva Hirche, die sich mit ihrer jüdischen Mutter auf dem Dachboden des Kinos versteckte und später auch bei Quickborn mutige Menschen fand, die sie schützten. Es sind spannende und wichtige Erzählungen. Alle Stories vereint, dass die beiden Erzähler Teil der Geschichte sind.
Der letzte Song im Programm und auf der CD Grenzgänger-Sessions heißt Son of a son of Jever und wurde geschrieben von Stephen Josephs, einem New Yorker Flötisten, dessen Vater als Sohn eines Viehhändlers in Jever aufwuchs und die Shoa im Lager Westerborg überlebte. Stephen spielt auf der CD Querflöte zu seinem Song. Colin Pohl, auch mit jüdischen Wurzeln aus Friesland, bereichert die Aufnahme mit dem Saxofon. AndraeBahlmannHarjes lernten Stephen und Colin auf einem Empfang für die Nachkommen der Juden Jevers im April dieses Jahres kennen und standen mit ihnen zusammen auf der Bühne.
Die beiden Musiker Iko Andrae (Gesang/Kontrabass) und Eckhard Harjes (Gesang/Gitarre) sind in Jever aufgewachsen und machen seit frühster Jugend in verschiedenen Bandprojekten zusammen Musik. Sie arbeiteten als Schüler mit an der Aufarbeitung der NS- Geschichte der Kleinstadt und kannten Fritz Levy. Das Grenzgänger Album und das Konzertprogramm haben die beiden zusammen mit dem Oldenburger Drummer Andreas Bahli Bahlmann entwickelt.
Das Grenzgänger-Projekt als Konzert und die dazu gehörige CD soll ein Brückenschlag sein aus dem Dunkel der Geschichte in eine (hoffentlich bald doch mögliche) gemeinsame Zukunft. Die ersten Konzerte hatten eine sehr positive Resonanz.


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