10.9.2025 | Anđa Ždravac-Vojnović, die langjährige Einrichtungsleiterin der Caritas, ist in Quickborn eine bekannte Persönlichkeit. Aber ihre Lebensgeschichte kennen nicht viele. Wir haben mit ihr über ihre Aufgaben und ihr Verständnis von ihrer Arbeit gesprochen.
Wir führen dieses Gespräch ja aus einem besonderen Anlass. Welches Datum haben wir denn zu feiern?
Wir haben mein 30-jähriges Dienstjubiläum und gleichzeitig 30 Jahre
Caritas-Migrationsberatung in Quickborn. Ich habe im August 1995 beim Caritasverband für Schleswig-Holstein als Sozialarbeiterin angefangen mit Schwerpunkt Migrationsdienst in Quickborn.
Also gleich in Quickborn?
Ja, gleich in Quickborn. Als ich mich aus Süddeutschland beworben habe, wusste ich nicht mal, wo diese Stadt liegt.
Jetzt haben wir gerade die Diskussion über die Äußerungen von Frau Merkel im Jahre 2015, aber das Thema Migration gab es offensichtlich schon deutlich früher…
Absolut: Das Thema „Migration“ ist sozusagen bei mir in der DNA: Ich bin ein Migrationskind. Meine Eltern kamen in den 60er/70er-Jahren nach Deutschland und das Thema gab es schon damals.
Und worin besteht jetzt Ihre Arbeit?
Ich berate in erster Linie Ratsuchende, ich unterstütze sie bei ihrer sprachlichen, beruflichen und sozialen Integration, ich unterstütze
Kommunen bei ihren Integrationsaufgaben, die auch nicht klein sind, ich entwickle und koordiniere neue Projekte wie z.B. die bekannte Aktion „Hand in Hand für Norddeutschland“, von der ich
mehrere Projekte nach Quickborn geholt habe. Dazu zählen Projekte wie „Online Nachhilfe für geflüchtete Kinder und Jugendliche“ und das Musikprojekt „So klingt Ukraine“, Gesundheitslotsen,
Allgemeine Sozialberatung oder CARICafé, hier im Haus. Neben der Beratung und der Durchführung von Projekten habe ich die Personalverantwortung für 14 Kolleginnen und Kollegen, kümmere mich um
die Sicherung der Finanzierung der Beratungsstellen in der Region, sowie Gremienarbeit. Also eine sehr vielfältige, aber auch sehr schöne und erfüllende Arbeit.
Das wissen wahrscheinlich wenige in Quickborn, welch übergeordnete Funktion Sie haben?
Ich wohne in Quickborn, die Stadt ist sozusagen meine Heimat und mein Haupt-Standort. Hier hat vor 30 Jahren alles angefangen. Die anderen Standorte gab es noch gar nicht, die habe ich
alle mitaufgebaut. Ich habe Kolleginnen und Kollegen, neben Quickborn, auch in Norderstedt, Barmstedt, Elmshorn und Wedel. Dazu kommen Honorarkräfte und viele Ehrenamtliche, die unsere Arbeit
unterstützen. Das ist eine große Truppe, aber die Aufgaben sind auch vielfältig.
Die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche, spielt die eine Rolle?
Für mich persönlich sehr! Ich bin praktizierende Katholikin. Für die Einstellung der Mitarbeiter spielt es aber
keine Rolle. Ich habe in meinem Team sowohl Menschen anderer Religionen als auch Menschen, die sich als nicht religiös bezeichnen.
Mein Vater kam Ende der 60er-Jahren nach
Süddeutschland als Gastarbeiter und er hat viel Unterstützung bei der Integration durch die Caritas erfahren. Das hat mich möglicherweise unbewusst beeinflusst und ich habe mich dann entschieden,
Soziale Arbeit zu studieren und bei Caritas anzufangen.
Die Eltern kommen aus Kroatien?
Ja, meine Eltern kamen damals aus dem ehemaligen Jugoslawien als klassische Gastarbeiter, er hat als Helfer auf dem Bau gearbeitet, meine Mutter hat
in einem Restaurant gearbeitet. Ich bin bei meiner Oma aufgewachsen und kam erst 1992 nach Deutschland, weil ich noch in Sarajewo studiert habe. Meine persönliche Kriegserfahrung hat meine
Sichtweise auf die Fluchtgeschichten der Menschen sehr geprägt.
Wenn Sie schon so lange in Quickborn wohnen, darf man daraus schließen, dass sie sich hier wohlfühlen?
Das war vielleicht nicht die Liebe auf den ersten Blick, weil ich
Norddeutschlang gar nicht kannte. Ich bin ein sehr offener Mensch, der sofort auf die Menschen zugeht und die Norddeutschen habe ich als etwas distanziert erlebt. Aber es ist eine Liebe geworden,
vielleicht auch deshalb, weil ich hier geheiratet habe, meine Söhne sind hier geboren und von 30 Jahren in Norden, lebe ich bereits 23 Jahre in Quickborn, davor 7 Jahre in Norderstedt. Es ist
eine Bereicherung für mich eine 2. Heimat zu haben.
Ja, ich lebe sehr gern in Quickborn.
Warum machen Sie das, was Sie machen?
Ich habe tatsächlich in letzter Zeit viel über diese Arbeit nachgedacht und auch darüber, warum ich in diesem Bereich so lange geblieben bin,
was ja in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich ist. Meine Migrationsgeschichte hat mich geprägt und ich wollte etwas zurückgeben, ich wollte helfen. Es ist ein Privileg, helfen zu können.
Für mich ist wichtig Menschen „zu sehen“, unabhängig davon ob die Bundeskanzlerin gesagt hat „Wir schaffen das …“ oder „Wir schaffen das nicht…“
Ich sehe den Menschen, der da ist, und ich möchte mich für das Miteinander engagieren. Es ist unsere Gesellschaft für die wir einstehen müssen, aber alle zusammen,
insbesondere in dieser Zeit, in der die Gesellschaft so gespalten ist. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass mehr sachlich, aber freundlich und wertschätzend miteinander umgegangen wird. Ich
finde, dass uns in der Migrationsdebatte ein bisschen die Sachlichkeit verloren gegangen ist. Es sind sowohl die christliche Werte als auch ein Plädoyer für eine humane Gesellschaft, wenn Sie so
wollen. Für mich war und ist klar, dass ich bei Caritas bleibe, weil dies hier auch meine Gemeinde ist. Aber für mich war es genauso wichtig, diese Arbeit fortzusetzten, um gemeinsam mit meinem
Team einen Beitrag zu leisten.
An dieser Stelle möchte ich allen Ehrenamtlichen danken, die sich in allen unterschiedlichen Bereichen bei uns engagieren. Hier in Quickborn vor allem meinem CARICafé–Team, das komplett autark
diesen Café-Betrieb leistet. Für mich ist das Ehrenamt absolut wichtig und sehr wertvoll. Ich bin sehr gern im Gespräch mit Ehrenamtlichen, aber ich schätze auch die Zusammenarbeit mit der
Stadtverwaltung und Politik.
Also, Sie finden Gehör bei der Politik?
Selbstverständlich. Ich habe es immer als sehr angenehm empfunden – sowohl die Zusammenarbeit mit der Verwaltung als auch mit der Politik.
Als jemand, der hier seine zweite Heimat gefunden hat, empfinde ich unsere Stadt als verlässlich. Wir haben hier keine größeren Probleme, weil wir füreinander und miteinander da sind. Ich schätze
auch sehr die Zusammenarbeit der Vereine und der Verbände. Es ist viel besser, etwas zusammen zu machen als allein.
Es ist aber auch wichtig, dass man die Probleme und Herausforderungen auch benennt und nicht schönredet. Die sind dafür da, gelöst zu werden. Und das schafft man besser zusammen.
Aber für mich ist es auch eine Frage der Haltung – wie begegne ich den Menschen? Ich war auch fremd und man kann sagen: Quickborn hat mich aufgenommen! – wenn ich das im
Sinne der Bibel sagen würde. Deshalb ist es wichtig, dass man diese Arbeit mit einem humanen Blick betrachtet. Der darf auch gern kritisch sein. Aber es dürfen auch so kleine Highlights wie
kleine Projekte sein. Deshalb war die Zusammenarbeit mit dem Ukraine-Chor so eine schöne Geschichte, die man in der Gesellschaft gut darstellen kann. Menschen, die etwas zurückgeben. Es gibt
wahnsinnig viele Möglichkeiten, kleine positive Projekte zu realisieren.
Sie sind für den Ukraine-Chor hier in Quickborn so etwas wie eine Managern?
Ich habe am Anfang geholfen. Sie sind mittlerweile auch ziemlich selbständig unterwegs. Meine Aufgabe sehe ich immer darin, den Menschen am Anfang die Unterstützung zu geben, aber sie
müssen möglichst schnell selbst Verantwortung übernehmen. Der Ukraine-Chor nennt sich nicht mehr „So klingt Ukraine“ sondern „Spivanna“. Sie proben weiter bei uns, aber sie sind schon ziemlich
selbständig. Das finde ich schön!
Man hat den Eindruck, dass es hier in Quickborn relativ ruhig ist. Und das ist sicher auch Ihrer Arbeit zu verdanken.
Ja, das erfüllt mich auch mit einem gewissen Stolz. Ich habe ja 2001 eine Auszeichnung vom Bundespräsidenten Rau für meine Arbeit und mein Engagement erhalten. Das hat mich immer getragen, wenn
ich in den letzten Jahren auch einmal unsicher war. Und diese Auszeichnung und diese Begegnung im Schloss Bellevue waren etwas ganz Besonderes.
Das ist doch ein schöner Abschluss unseres Gesprächs. Vielen Dank dafür! Ich wünsche weiterhin viel Freude und Erfolg bei Ihrer Arbeit!


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Christian Bergmann (Mittwoch, 10 September 2025 21:40)
Liebe Anđa,
herzlichen Glückwunsch zum 30.ten Dienstjubiläum. Danke für Deinen Dienst und den tollen Job, den Du mit den Kolleg:innen für die Menschen mit Fluchterfahrung machst.
Christian
Kann Willmann (Donnerstag, 11 September 2025 14:20)
Liebe Andja, du hast in den letzten Jahrzehnten unzähligen Menschen Mut gemacht und Türen geöffnet. Auch für uns als Kolleginnen bist du eine wichtige Stütze - immer offen für Austausch, neue Ideen und ein gutes Wort. Herzlichen Glückwunsch zu deinem Jubiläum!
Karina
Christian Rohde (Freitag, 12 September 2025 07:20)
Liebe Andja,
auch von uns einen herzlichen Glückwunsch zu Deinem Dienstjubiläum und vielen Dank für die stets kooperative Zusammenarbeit auch im Rahmen unserer diakonischen Arbeit hier vor Ort in Quickborn.
Elke Schreiber (Freitag, 12 September 2025 09:47)
Liebe Andja, herzlichen Glückwunsch zum Dienstjubiläum!
Ich freue mich sehr, dich persönlich kennen gelernt zu haben. Der Ukraine-Chor hat ja auf deine Vermittlung bei uns im AWO-Treff Quickborn gesungen. Ein toller Auftritt, und die Anwesenden konnten mit ein paar Spenden etwas Gutes für die Ukraine tun.
Bleib gesund und weiterhin so aktiv.
Deine Elke